Kino » (K)eine Liebeserklärung
Catherine Zeta-Jones zum Vierzigsten
Veröffentlicht am 25.09.2009, 09:00
Catherine Zeta-Jones ist keine Schauspiel-Ikone – obwohl sie ihr Handwerk beherrscht, küren ernstzunehmende Nachwuchsdarstellerinnen sie selten zu ihrem Vorbild. Catherine Zeta-Jones ist niemand, der Kultfiguren auf der großen Leinwand verkörpert hat – Rollen also, die sich in das kollektive Kinogedächtnis eingeprägt haben. Kleine, dreckige Filme haben sie nie interessiert.
Catherine Zeta-Jones bestitzt ein klassisches Werbegesicht. Im Laufe der Jahre verkörperte sie immer häufiger das Image der “schönen Waliserin”. Sie ist die Frau an der Seite von Michael Douglas, der auf den Tag genau 25 Jahre älter ist und heute seinen 65. Geburtstag feiert. Die Werbefigur Catherine Zeta-Jones und die Schauspielerin Catherine Zeta-Jones sind kaum voneinander zu unterscheiden.
Heute wird Catherine Zeta-Jones 40 Jahre alt, ein schwieriges Alter für Frauen in Hollywood. Die Rollenangebote werden knapper, denn die wichtigsten Verkaufsargumente der Taumfabrik sind Jugend und Attraktivität. Die richtige Zeit also, um in Rente zu gehen?
Harte Worte? Zu einseitig? Doch der Reihe nach…
Catherine Zeta-Jones ist eine Vollblutkünstlerin: Sie hat sich niemals auf die Schauspielerei beschränkt, sondern schon seit frühester Kindheit singen und tanzen gelernt. Ihren ersten Erfolg feierte sie folglich als Musical-Darstellerin in der Westend-Produktion “42nd Street” in London im Alter von 17 Jahren.
In den folgenden Jahren arbeitete sie sich stetig von Nebenrolle zu Nebenrolle und trat im Kino wie im Fernsehen auf. Der internationale Durchbruch gelang ihr in der weiblichen Hauptrolle in Die Maske des Zorro an der Seite von Antonio Banderas. Nettes Popcornkino, links rein, rechts wieder raus.
Neben dem einen oder anderen Ausrutscher ins Peinliche – hier ist der unsägliche Gruselstreifen Das Geisterschloss zu nennen – hat Catherine Zeta-Jones in den folgenden Jahren in einer stattlichen Zahl von kommerziell erfolgreichen Filmen mitgewirkt. Auch die Werbespots wurden zahlreicher.
In Chicago kehrte Catherine Zeta-Jones 2002 zurück zu ihren Wurzeln: In der Rolle der Velma Kelly konnte sie sowohl als Schauspielerin, als auch als Sängerin und Tänzerin viele Kritiker überzeugen. Für ihre Leistung wurde sie mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin belohnt. In Chicago bricht sie mit ihrem Image, schließlich ist Velma Kelly eine mehrfache Mörderin. Doch alles bleibt im Rahmen der Musical-Konventionen, es riecht nach kalkuliertem Tabubruch.
Ein (un)möglicher Härtefall gilt als erster Film von Ethan Coen und Joel Coen mit unverhohlen kommerzieller Ausrichtung. Dummer Zufall, dass Catherine Zeta-Jones gerade in Ein (un)möglicher Härtefall zum ersten und bisher einzigen Mal mit den Coens zusammenarbeitetr. Was nicht heißen soll, dass sie schlecht spielt – im Gegenteil. Aber sie liefert keine Darstellung, die im Gedächtnis bleibt.
Für alle Fans der “schönen Waliserin”, die sich fragen, wo die Huldigung bleibt, ist es Zeit für einen Schritt zurück in ihrer Filmografie:
In Traffic – Die Macht des Kartells aus dem Jahr 2000 verkörpert Catherine Zeta-Jones die Frau eines Drogenbosses, die von den illegalen Machenschaften ihres Gatten zunächst nicht den blassesten Schimmer hat. Als sie schließlich mit der Wahrheit konfrontiert wird, mutiert sie vom Luxusweibchen zur knallharten Geschäftsfrau – dank ihres “Engagements” wird auch in Zukunft der US-amerikanische Kokainbedarf gedeckt sein.
Obwohl ihre schauspielerische Leistung in Traffic – Die Macht des Kartells herausragend ist, wurde sie nicht von der Academy gewürdigt. Manche Kritiker behaupten, Catherine Zeta-Jones wurde um eine sicher geglaubte Oscar-Nominierung betrogen. Im Gedächtnis bleibt die verzweifelte Entschlossenheit, die sie ihrer Filmfigur verleiht: Am Ende demonstriert Helena Ayala ihren Geschäftspartnern, mit welcher raffiniert-hinterhältigen Methode in Zukunft die Drogen über die amerikanisch-mexikanische Grenze geschmuggelt werden können. Die Zuschauer blicken in diesem Moment fasziniert auf eine Frau, die die Sympathien auf ihrer Seite hat, obwohl sie mitverantwortlich ist für das zukünftige Leid vieler Menschen.
Den Zuschauern und Catherine Zeta-Jones ist es zu wünschen, dass sie diese Geradlinigkeit in einer ihrer nächsten Rollen wiederentdeckt. In ihrem neusten Film Lieber verliebt (mehr darüber im Tobis Filmclub), der in Deutschland Anfang nächsten Jahres in die Kino kommt, spielt sie eine reife Frau, die sich ihren deutlich jüngeren Nachbarn krallt. Hoffentlich mit der selben Entschlossenheit, wie wir sie bei Helena Ayala kennengelernt haben.
Malu (Martin Lukas) 2009/09/25 09:00:00
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