Das Duell: Sex & the City Bearbeiten

Veröffentlicht am 05.06.2008, 08:01

THEMA» Verklemmter Spaß für Frauen mit Schuhfetisch oder genial pointierter Blick aufs Großstadtleben? Zwei Meinungen im Duell!

Das Duell: Sex & the City  - Bild 57890

An den Kinokassen werden sich wohl dieses Wochenende so einige Schlangen bilden, in denen Pärchen darüber streiten, ob sie sich nun Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels oder Sex and the City anschauen. Auch unsere Redaktion spricht mittlerweile kein Wort mehr miteinander, da wir uns nicht einigen können, ob Carrie Bradshaws Abenteuer nun auf die Kinoleinwand oder ins Steinzeitalter gehören. Ring frei für Oliver und Anna!


Oliver meint: Der Film ist nicht nur unrealistisch, sondern auch vollkommen unnötig!

Ich hab nicht mal richtig mitbekommen, dass sie weg waren. Okay, es gab ein paar hysterische Selbstmorde von vierzigjährigen Frauen, die zu alt waren um US5-Fans zu sein, aber so richtig gemerkt hatte ich nicht, dass Sex and the City schon lange ausgelaufen war. Wie damals als “Single, female, lawyer” eingestellt wurde. Oder Ally McRyan oder wie das hieß. Bei der Abkürzung SATC dachte ich lange noch an eine weitere Asia-Grippe oder Geflügelkrankheit. Wobei letztere Assoziation der Wahrheit schon wieder erstaunlich nahe kommt. Worum ging es denn noch genau? Achja, Marge Simpson hatte es zusammengefasst:
“Das ist doch die Sendung über vier Frauen, die sich wie Schwule benehmen.”

Das erklärt dann wohl auch den Erfolg nicht nur bei der weiblichen Zielgruppe, sondern auch bei der gleichgeschlechtlich veranlagten Zuschauerschaft. Frauen, die rumzicken, über ihre Probleme beim Klöppeln reden und Zoten reißen, die Fips Asmussen zur Schande gereichen würden – die aber irgendwie charmant sein sollen, weil sie eben nicht von geringelten Mützenmännchen, sondern von, nunja Frauen kommen. Und das, wo Männer bisher annahmen, Frauen unterhielten sich nur über Plätzchenrezepte und Gesichtsbemalung.
Wie originell. Zumindest für jene, die immer noch verstohlen kichern, wenn das schlimme F-Wort genannt wird.
Und sie reden über Schuhe und Mode und Shopping. Meist der Moment, wo mein Empathievermögen extrem abnimmt, etwa in demselben Maße, wie wenn mir andere Männer etwas über Autos oder Fussball erzählen.

Und ich Unwissender stehe in der Pampa und bemerke den “knowledge-gap”, weil ich bis vor wenigen Jahren noch dachte, Manolo Blahnik sei irgendein Erwachsenenfilmdarsteller mit üppiger Genitalaustattung. Und kaum war ich froh, dass der Freundeskreis jetzt wieder Zeit hatte und sich nicht mehr eine bestimmte Sendezeit für die Abenteuer von Carrie und Co. freihielt, geht das Ganze jetzt im Kino wieder los und man diskutiert, wie groß begehbare Kleiderschränke sind und wie viele Kleider die Hauptfiguren im Laufe des Films anhaben. Sorry, nennt mich ignorant oder gefühlskalt, aber lieber werfe ich mir etwas Schweres auf den Fuß, ehe ich mir so was im Kino angucke. Ich bin heute noch traumatisiert von einer Sondervorstellung von Der Teufel trägt Prada, in dem das Publikum zu 90% aus gutgelaunten und angeschickerten Sekretärinnen bestand, die nach einem Glas Sekt selbst über die Eiswerbung gekichert haben. Und da hat mich zumindest der Film noch interessiert.

Ich wünsche allen Fans dennoch viel Spaß und schicke einen Gruß an die Männer, die mitgehen müssen, weil ihre Freundinnen letzte Woche mit in Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels waren.

Jetzt ist es an euch zu sagen: Boah, das ist doch völlig unrealistisch.

Kann halt nicht jeder ein Mr. Big sein.


Anna meint: Ab ins Kino, die Hysterie ist gerechtfertigt!

Drei Jahre lang sendete Pro7 zwischen September 2001 bis zum Finale der 94. Folge im Dezember 2004 die erfolgreiche Serie SATC aus, die zu Spitzenzeiten 4,5 Mio. ZuschauER vor den Bildschirm lockte. Ich lege ganz bewusst den Akzent auf ZuschauER, denn entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil lauschten auch Männer den sexuellen Eskapaden der vier Titelheldinnen. Ist es der Verklemmtheit unserer männlichen Partner zuzuschreiben, dass sich keiner von ihnen traut, sich endlich mal zu outen? Ich erinnere mich an einige Fernsehabende, bei denen seitens der Männer erst einmal gemault wurde, weil wir Frauen am nächsten Tag in der Mittagspause mitreden können wollten, wenn es wieder einmal darum ging, wer mit wem und wie. Schließlich saßen sie trotzdem mit dabei und konnten den ein oder anderen Lacher nicht unterdrücken, nur um anschließend wieder loszumeckern.

Tatsächlich hat die Serie nie nur Frauen angesprochen, sondern auch über das als prüde verschriene Amerika hinaus eine kleine sexuelle Revolution angeleiert, die offen zur Sprache gab, was sich in unserer Gesellschaft schon seit Jahrzehnten gewandelt hat: Mama lernt nicht nur Papa kennen und hütet zuhause Haushalt und Kind, nein – sie wohnt alleine, arbeitet selbstständig und hat eine Menge Liebhaber, von denen der Großteil leider als Pleite zu bezeichnen ist. Dass dies nicht in das Bild eines Möchtegern-Westernhelden passt, schien vorprogrammiert. Was SATC als Serie praktizierte, war die Zurechtrückung eines verfälschten Frauenbildes, das sich seit den Anfängen des Kinos im männlichen Zuschauerhirn festfräst hatte.

Wer SATC für oberflächliches Geplänkel über Sex und Mode hält, hat sich mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht mehr als eine Folge zu Gemüte geführt. Schließlich fand zwischen der ersten bis zur sechsten Staffel eine großartig vollzogene Entwicklung der Figuren statt. Probleme des Single-Lebens wichen immer mehr essentiellen Lebensfragen, wie sie jedem Menschen über 35 durch den Kopf gehen: Will ich mein Leben als Single verbringen? Gibt es den Traumpartner überhaupt? Wie vereinbare ich meine Rolle als Elternteil und Berufstätiger mit meinen eigenen Interessen?

Der Kinofilm geht eine bewusste Konsequenz aus den letzten beiden Staffeln ein. Auch wenn Heiraten darin eine wichtige Rolle spielt: SATC – Der Film spricht Themen an, die für beide Geschlechte von Belang sind – und dies auf eine amüsant-charmante Art und Weise, die ganz bewusst bestimmte Lebensumstände ironisiert. Also Männer, steht endlich mal dazu und gebt zu, dass ihr wisst, wer Mr. Big ist und wessen Sandalen Carrie trägt!


Batzman (Oliver Lysiak)

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Kommentare

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alanger

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ich bin ganz begeistert von dem gesellschaftlichen phänomen SATC. zerstreut es doch alle befürchtungen, das all die gender studies, frauenförderprogramme, emma-artikel, etc. irgendetwas nachaltiges bewirkt haben könnten.
frauen, so wird schnell klar, geht es nicht um selbstbestimmtes unabhängig sein, frauen geht es im zweifel doch nur um prada, karriere, abgesichert sein und hasengespräche übers korpulieren.
da isses dann auch kein wunder, das die filme des schleimigen frauenhassers und manipulators tarantino besonders gut bei frauen ankommen.
wir männer müssen uns also keine sorgen machen.

darauf einen handwarmen prosecco.

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Batzman

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Gibt es denn wirklich heterosexuelle Männer, die sich freiwillig SATC angeguckt haben?

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alanger

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das passt ja: http://www.fr-online.de/top_news/?sid=3670307123dfd7bbc507923d632c66fe&em_cnt=1340010
"Den Haag/Leiden (dpa) - Genetiker der niederländischen Universität Leiden haben nach eigenen Angaben erstmals das Erbgut einer Frau entziffert."

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Batzman

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Und wieviele Genpaare sind nur für Schuhe und die Handlung von Telenovellas zuständig? (/Mario Barth-Modus aus)

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alanger

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zum glück sind ja keine frauen ...ääh, hier. seit stunden.

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zouzou

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Hehe. Ich kann mich nicht entscheiden :-(. So, wie die Texte formuliert sind, fühl ich mich der Frauenseite sehr verbunden. Aber irgendwie bin ich mit der Serie nie so richtig warm geworden. Ich hab sie zwar am Anfang regelmäßig geguckt, aber eher weil sie direkt im Anschluss an Friends lief... Am Anfang wars halt mal *neu*, aber irgendwann wurde es mir zu langweilig und die Charaktere zu stereotyp. Vor allem diese Schickimickiwelt hat auf Dauer ein bisschen genervt. Weiß noch nicht, ob ich mir den Film ansehe.

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hyperfunction

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| Gibt es denn wirklich heterosexuelle Männer,
| die sich freiwillig SATC angeguckt haben?

Ja, gibt's. ;)

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namow

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Da ich nun den Film gesehen habe kann ich hier auch endlich was schreiben.
Als eingefleischter SATC Hyperfan bin ich natürlich auf der Frauenseite und das bin ich sonst nicht immer. Im Normalfall finde ich persönlich, daß Männer die durchaus angenehmeren Gesprächspartner sind und es wird nicht so viel schnick schnack um den heißen Brei geredet, sondern man kann seine Meinung immer grade raus plautzen, auch wenn es beim heterosexuellen männlichen Geschlecht merkwürdige und zickige Gesellen gibt (die sind schlimmer als Frauen, aber es gibt nicht so viele davon).
In diesem speziellen Fall allerdings bin ich mit ganzem Herzen auf der Seite der SATC Heldinnen. Ich liebe die witzigen übertriebenen und z.T außergewöhnlichen Eskapaden der vier. Das heißt aber nicht das ich je wie eine von ihnen leben möchte, aber es ist schön anzusehen. Man kann lachen und auch mal mit ihnen traurig sein und das ein oder andere Mal ist sogar etwas dabei was man brauchen kann, aber vor allem kann ich wunderbar abschalten wenn ich diesen vier durchgestylten Mädels zusehe. Die fabelhaften Kleider, Schuhe, Hüte, Handtaschen eben die ganze Mode ist so schön anzusehen, man kann ein bißchen davon träumen aber im Grunde weiß ich das ich nicht jeden Tag so rumlaufen will und kann.
Ich glaube um Männern verständlich zu machen wie das ist könnte man es mit Fußball vergleichen, 22 Menschen die einem Ball hinterher laufen, was für eine "sinnvolle" Beschäftigung! Aber Massen von Männern lieben es, da könnte man nun auch fragen. Wieso?
Jedenfalls ist es so, das sich die Männer die hier mitreden den Film angeschaut haben und früher vielleicht auch die ein oder andere Folge der Serie, ist damit die Frage ob sich hetero Männer das freiwillig angucken nicht schon beantwortet? Denn ich glaube kaum das euch jemand dazu gezwungen hat;) Es gibt aber durchaus auch Männer heterosexueller Natur denen die Serie sogar gefallen hat.
@ alanger: Auf diese Weise einen Versuch zu starten die Frauen zu unterschätzen könnte ins Auge gehen ;) Und handwarmer Prosecco ist bäh, der muß schon schön gekühlt sein oder trinkst du warmes Bier? *grins*

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alanger

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nix gegen ein schönes warmes bier ...*grins*

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alanger

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@namow "...auch wenn es beim heterosexuellen männlichen Geschlecht merkwürdige und zickige Gesellen gibt (die sind schlimmer als Frauen, aber es gibt nicht so viele davon)..."
da haste dich wohl verschrieben. gemeint war ja sicher beim 'homosexuellen männlichen geschlecht'?

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Batzman

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Nee Nee ich kenn auch heterosexuelle Diven ;)

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