Was war zuerst da? Film oder Merchandise?
© Mc Donalds
Franchise bedeutet im Bereich Film, dass einzelne Filme nicht mehr als in sich geschlossene Werke konzipiert werden, sondern dass aus ihnen eine Marke gemacht wird, unter der die Produzenten auch Prequels, Sequels, Rip-Offs, Spin-Offs, Crossovers, Merchandising, und Abführmittel-Werbung vermarkten. Das ist im Prinzip nicht schlimm und auch nicht neu.
1977 kam Krieg der Sterne, der damals noch einfach Star Wars hieß, in die Kinos. George Lucas hat die Filme geschickt als Trilogie ausgelegt. Sobald im Kinosaal das Licht wieder eingeschalten wurde, begann bereits die Vorfreude auf den nächsten Teil. In der Zwischenzeit konnte er mit Spielzeug, Bettwäsche und Kaffeebechern mit dem Star Wars-Schriftzug den Merchandise-Umsatz in bislang unbekannte Höhen treiben. Ganz nebenbei wurde aus der Marke ein Mythos und Star Wars war über Jahre das Weltraummärchen schlechthin.
Das Franchise-System bringt nämlich auch Vorteile: Wie TV-Serien können sie sich ein komplett eigenes und in sich geschlossenes Universum erschaffen, können Handlungsbögen über viele Stunden ausbauen und auf andere Teile anspielen. Die Filme werden epischer (etwa Der Pate), da einfach mehr Zeit da ist, um eine Geschichte zu erzählen. Leider geht es den aktuellen Franchisefilmen meist nicht mehr ums Erzählen, sondern ums Verkaufen. Während diese Marketing-Fortsetzungen in der Vergangenheit meist floppten (wie die unzähligen Chucky-, Nightmare on Elm-Street- und Psycho-Verwurstungen), können sie heute immer neue Rekordumsätze verbuchen.
In den letzten Jahren nahm das System Franchise daher bedrohlich Ausmaße an. Zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres zählen 2009 unzählige Franchise-Filme: Transformers – Die Rache, Harry Potter und der Halbblutprinz, New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde (New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde), Star Trek, Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los, Terminator: Die Erlösung, Nachts im Museum 2, Underworld: Aufstand der Lykaner, Saw VI, x-men-origins-wolverine-2 und zuletzt auch Avatar – Aufbruch nach Pandora – Fast jeder zweite der Top-Kassenerfolge 2009 war ein Franchise-Film.
Der Grund für den Erfolg: Bei Franchise-Filmen können die Produzenten nichts falsch machen. Sie müssen nicht einmal gut sein, um Umsätze zu generieren – bestes Beispiel New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde (New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde). Gewinn machen die Filme dank eines geschickten Marketings, das Filme nicht nach künstlerischen Maßstäben konzipiert, sondern nach ihrer Relevanz für Fan- und Zielgruppen. Zwar sind die Filme trotzdem oft ganz gut, die Kids haben ihr Geld jedoch genauso in den miesen ersten Teil getragen, wie in die besseren Fortsetzungen. Und da liegt das Problem.
Wenn sich der Erfolg eines Filmes nicht mehr nach seiner Qualität bemisst, sondern nach seiner Relevanz für eine mehr oder minder finanzstarke Fan-Gruppe, hält das McDonald-Prinzip in den Filmsektor Einzug: Kaum hat ein Film einen mittelmäßigen Erfolg, schon werden neue Filialen geplant, bis auch der Letzte satt ist. Und das billige Essen zerstört den Geschmack. Fast-Food-Filme schulen nicht das Auge, sie fordern nicht die Phantasie, um sich in ein neues Filmuniversum einzufinden, sie bereichern unsere Erinnerungen nicht um neue Geschichten – sie machen fett, faul und gemütlich. Wer sich von einem Film nicht mehr erhofft, als dass sich ein Auto irgendwann in einen Roboter verwandelt, wird schon von einem durchschnittlichen Steven Spielberg -Film überfordert sein.
Droht also das Ende der Qualität zugunsten des leicht verdienten Geldes? Mittlerweile spricht sogar James Cameron ganz offen davon, dass die Fortsetzungen von Avatar – Aufbruch nach Pandora nicht deshalb gedreht werden, weil die Geschichte dies erfordert. Der Grund ist, dass die eindrucksvollen Computeranimationen so teuer waren und die fertig gerenderte Pandora-Welt sonst auf den Festplatten verstauben würde, ohne weiteren Gewinn zu generieren. Da kann er genauso gut noch ein paar Drehbücher nachschieben und mit geringen Produktionskosten richtig Gewinn einfahren.
Dabei ist die Filmgeschichte reich an Klassikern, die auch in einem Teil unsterblich geworden sind. Oder könnt ihr Euch Fortsetzungen wie Die Rückkehr nach Oz: Die Böse Hexe des Nordostens, Harald und Maude – The next Generation oder Casablanca 2 – Das Ende einer wundevollen Freundschaft vorstellen? Auch dem Mythos der Star Wars-Trilogie hat die Erweiterung um drei weitere Teile und einen Jar Jar Binks nicht gerade gut getan.
Aber vielleicht sind diese Sorgen auch unbegründet. Vielleicht handelt es sich nur um eine Modeerscheinung? Oder sind Franchises besser als ihr Ruf? Was ist Eure Meinung?
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Prestigeww (Stefan Tiess) 2010/01/02 09:00:00
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Kommentare
über Das McDonalds-System - Der Franchise-Wahn 2009
Kommentar schreibenfilmschauer 2010/01/02 13:40:23
Kommentar löschenFrüher gab es noch die großen Schauspieler oder Regisseure, die die Leute fast automatisch ins Kino gezogen haben, wenn diese zudem noch an ein Studio gebunden waren. Heute sind es wie in vielen anderen Bereichen Marken. Leider fehlt eben oft der Mut oder vielleicht gescheite Drehbuchautoren, um etwas vollständig Neues zu bringen. Deswegen erleben wir ja sämtliche Formen der Wiederverwertung: Remakes, Sequels, Prequels, Reboots, Buchverfilmung, Comicverfilmung, TV-Serien-Verfilmung etc. Da geht man nur ein geringeres Risiko ein aufgrund gegebener Anhängerschaft, was in der heutigen Zeit oberste Priorität hat. Die Kuh wird weiter gemolken, bis es nicht mehr geht. Letztendlich ist jedem selbst überlassen, sich solchen Franchises hinzugeben. Wenn man nicht nur auf die vermeintlichen Blockbuster schaut, findet man auch genug "originäre" Filme, die einem gefallen könnten.
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Slevin Kalebra 2010/01/02 14:38:53
Kommentar löschenLeute die etwas originelles sehen wollen (und die sind wirklich nicht in der Unterzahl) kriegen auch weiterhin etwas originelles. Es stimmt, das der Blockbuster-Sommer nur noch aus Franchises besteht, aber es ist ja nur der Blockbuster-Sommer, ein Teilbereich und nicht die gesamte Industrie. Arthouseperlen und gute Oscar-Filme gibt es weiterhin und auch der Sommer ist ja nicht komplett verloren. Positive Überraschungen (District 9 usw) gibt es immer und wird es auch immer geben.
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kinogaengerin 2010/01/03 09:30:48
Antwort löschenZu District 9 soll es aber auch eine Fortsetzung geben soweit ich weiß...
Hard_Boiled 2010/01/03 22:32:04
Antwort löschenOh mein Gott, bitte nicht. Der Film war so wie er war super! Bitte nicht wieder zerstören mit Teil 2.
docron 2010/01/02 15:27:22
Kommentar löschenKleine Beckmesserei: Zumindest für Der Zauberer von Oz gab es diverse Remakes und Fortsetzungen, darunter auch „Return to Oz“ (Deutsch: „Oz - Eine phantastische Welt“) von 1985 von den Disney Studios. Es ist generell taugt es nicht wirklich als gutes Beispiel, da der Autor der erfolgreichen Romanvorlage selbst diverse Fortsetzungen in Buchform produzierte.
Man sollte Franchises aber nicht per se verdammen. Sicherlich: ständig nur Fast-Food liegt irgendwann extrem schwer im Magen, aber die gesamte Industrie zu verdammen, weil man selbst lieber Feinschmecker ist, ist auch falsch. Die Filmindustrie versorgt unterschiedlichste Geschmacksrichtungen – und darüber bin ich froh. Fast jedes Hollywood-Fast-Food-Studio hat auch einen Indie-Ableger, den sie zu einem gewissen Teil querfinanzieren. Ohne Erfolge von „Transformers“ (Paramount) würde es kein „There Will Be Blood“ (Paramount Vintage) im großen Verleih geben. Ohne „Avatar“ (Fox) kein „(500) Days Of Summer“ (Fox Searchlight).
Steven Soderbergh hat einmal gesagt, dass er die „Ocean’s“-Blockbuster nur drehen würde, damit er wieder Geld für seine kleinen Dramen hat, die ansonsten nie finanziert werden könnten. Und so bekommen wir letztlich eine ausgewogene Mischung aus Blockbuster-Fast-Food und Independent-Gourmet – das erscheint mir durchaus gesund.
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Kris 2010/01/02 15:54:40
Kommentar löschenObwohl ich der Argumentation im Grunde zustimme, würde ich das Ganze nicht so schwarz sehen. Immerhin werden die "Gourmet-Filme" ja auch noch produziert. Und wenn ich es richtig verstehe, dann werden die weniger wirtschaftlichen Filme ja durch die Blockbuster mitfinanziert. Dass sich Qualität und Relevanz für die jeweilige Fan-Gruppe wirklich immer gegenseitig ausschließen, sehe ich nicht so. Wenn die Qualität leidet, ist das natürlich schlecht. Aber vermutlich - hoffentlich - wird sich das bald von selbst einpendeln und dieser Trend nachlassen.
Ich für meinen Teil bin auch sehr für Feinschmecker-Filme und wünschte, dass unsere Provinz-Kinos eine größere Auswahl an solchen zeigen würden. Ich habe aber auch nichts gegen Fastfood und bin manchmal gern Fan und mag die Filme, die als solcher für mich gemacht werden. Ich bin mir bewusst, dass viele diese Meinung nicht teilen, aber ich glaube, dass Filme, die viele Fans anziehen, eben auch ihre Existenzberechtigung haben. Dass diese gemacht werden, um Geld zu verdienen, ist grundsätzlich nicht verwerflich. Und ich finde, es sollte beides geben, schließlich bleibt es jedem selbst überlassen, was er sich ansieht. Und ich mag beides.
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nurleben 2010/01/02 21:55:39
Kommentar löschenDer Artikel hat so einen Bart. Und Kris hat Recht. Dank Querfinanzierung schaden Blockbuster und Franchisefilme kleinen und mittelgroßen Projekten nicht. Ganz im Gegenteil.
Die Buchverlage machen das alle so, ohne Querfinanzierung aus den Bestsellereinnahmen könnten sie die Langsamdreher gar nicht rausbringen.
Entweder man wird grundsätzlicher und hinterfragt das Wirtschaftssystem an sich, oder man spart sich die alljährlichen Schema-F-Tiraden ...
Und nich talles, was sich gut verkauft, ist Mist. Nur leider zuvieles. Aber das muss ja nicht zwangsläufig immer so sein (HP6 z.B. soll besser als der Vorgänger sein und Star Trek war ähnlich wie Avatar, gut genug um Forsetzungen mit besserm Drehbuch durchaus möglich erscheinen zu lassen).
Zudem: Der Long Tail macht mehr und mehr vom Gesamtmarkt aus (vor allem was DVD-Verkäufe angeht) und wer weiß, ob in 10 Jahren immer noch so viele in einen Film ala Transformers 2 rennen ... Dan haben wir vielleicht schon Kino on Demand => mehr Long Tail im Kino :).
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kinogaengerin 2010/01/03 09:34:44
Antwort löschenAlso ich fand HP6 schlechter als den Vorgänger. Bei Harry Potter sieht man aber auch, dass nur Geld gemacht werden soll. Warum sonst kommt nun ausgerechnet Teil sieben in zwei Filmen raus? Aber ich geb nurleben und Kris recht, ich mag beides. ;)
Quenya 2010/01/03 19:42:03
Kommentar löschenIch LIEBE meine "Der-Herr-der-Ringe-Bettwäsche"............
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Deine Meinung zum Artikel Das McDonalds-System - Der Franchise-Wahn 2009
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Ein hervorragender Artikel und meiner Meinung nach liegt deine Angst nicht in einem Hirhgespinst begründet. Sie ist da! Und sie geht nicht wieder weg. Hollywood hat endlich das Geheimrezept gefunden um Kohle zu scheffeln. Das Problem war nur immer, dass man dachte, dass Qualität und Erfolg eines Films in einem kausalen Zusammenhang stehen. Jetzt hat man den Film negiert, ihn entkoppelt vom Produkt. Vielleicht wird sich diese Machinerie irgendwann totlaufen und nicht das Perpeteum Mobile bleiben, was es jetzt ist. Dann kann es einen Wandel geben, ein zweites New Hollywood. Ich hoffe inständig. Es gibt ja schon ein paar Anzeichen dafür, gescheiterte Franchises, wie z.B. "Narnia" und "Der goldene Kompass". Daumen drücken!!!!
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Bandrix 2010/01/02 13:28:28
Antwort löschenIch stimme dir voll und ganz zu, aber Narnia ist doch nicht gescheitert?!?
Da kommt doch dieses Jahr ein neuer Teil raus, oder?
Kubrick_obscura 2010/01/03 01:09:44
Antwort löschenIch war auch überrascht wegen der Ankündigung des dritten Teils, eben gerade weil die beiden Filme für Blockbuster-Verhältnisse schlecht liefen.