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Die Liebe, in ihren größten Momenten, ist bedingungslos. Der von fremder Hand verschuldete Verlust eines geliebten Menschen ist, so tragisch er auch ist, oftmals auch eine Möglichkeit, sie zu beweisen. Jeanne Moreau, eine von Frankreichs bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen, hat es in einem Interview als „totale Einsamkeit“ beschrieben. Der Rachefeldzug ihrer Figur in Die Braut trug schwarz (1968), Julie Kohler, hat keine Umgebung. Man würde nicht sehen, wie sie schläft. Man könnte sich nicht vorstellen, wie sie morgens frühstückt. Sie läuft durch die Welt, besessen von dem einen Gedanken: Den Mord an ihrem Bräutigam rächen.
Dieser wird am Tag ihrer Hochzeit, glücklich, erschossen. Er stirbt in ihren Armen und lässt sie alleine. Julie Kohler, die Witwe nun, spürt in rund 100 Minuten die fünf Männer auf, von denen sie glaubt, dass sie eine Schuld tragen an dem Mord an ihrem Geliebten. Wir wissen nicht, wie sie die fünf Männer überhaupt aufgespürt hat. Wir wissen nicht, woher ihre bedingungslose Liebe rührt. Eine emotionale Bindung zwischen dem Zuschauer und Julie Kohler wird in keinem Prolog aufgebaut, eher soll ihr Motiv ihren Rachefeldzug erklären. Moreaus starrer Gesichtsausdruck, ihre bestechende Präsenz, spricht Bände. Stets ist sie entweder in schwarz oder in weiß gekleidet, kommt als Engel in die Leben der Männer, fast alle verlieben sich zuerst in sie, bevor Julie ihnen zum Verhängnis wird.
Die Braut trug schwarz ist kein Krimi. Er ist auch nicht mysteriös und besonders spannend ist er auch nicht. Auch wenn das Rachemotiv erst zum Mitte des Filmes enthüllt wird, weiß der Zuschauer schon, worum es geht; das Anschauen des Trailers oder das Lesen der Synopsis auf der Rückseite der Packung genügt. Die Faszination rührt eher von der Art, wie sie jeden einzelnen Mann ermordet. Julie lässt sich Zeit, sie alle zuerst kennenzulernen. Sie trinkt mit ihnen, lässt sich von ihnen malen, weckt Hoffnungen in ihnen, Begierden, ein Gefühl, am Unantastbaren mal Streicheln zu dürfen. Sie geht methodisch vor, hat stets ein Notizbuch dabei, in dem alle fünf Namen in großen Lettern geschrieben stehen und sie nach jedem Mord den entsprechenden Eintrag durchstreicht. Spannung wird hier auf äußerst plakative Art erzeugt; die größte Überraschung, wenn auch vorhersehbar, gibt es am Ende des Filmes. Bedingungslos, so ist sie, ihre Liebe.
Regisseur François Truffaut hat diesen Film oftmals als Hommage an Hitchcock beschrieben. Und auch wenn er die Qualitäten des Meisters der Suspense missen lässt, so sind zumindest die Ansätze vorhanden. Allen voran die Musik von Bernard Herrmann, der schon oft mit Hitchcock zusammengearbeitet hatte. Seine Kompositionen sind es, die viele Szenen überhaupt erst tragen und dem Innenleben Kohlers eine Stimme geben.
Die Braut trug schwarz demonstriert unter anderem die schauspielerischen Fähigkeiten der Jeanne Moreau, die großartig die Witwe mimt, und die der zahlreichen Nebendarsteller wie Michel Bouquet, Jean-Claude Brialy und Charles Denner. Wir können diesen Film als Verbeugung vor der Liebe sehen, so sind die halt, die Franzosen; hier wird die amour fou zelebriert und sie ist – überraschenderweise – vor allem zum Schluss des Filmes fast schon romantisch.
Epilog
„Hier ist die Sache. Ich habe „Die Braut trug schwarz“ nie gesehen. Ich habe davon gehört, aber ich habe ihn nie gesehen. Alle sagen „oh, das hat wirklich Ähnlichkeiten zu Die Braut trug schwarz“. Ich habe von dem Film gehört. Er basiert auch auf einem Roman von Cornell Woolrich, aber er ist ein Film, den ich nie gesehen habe. Der Grund, warum ich ihn nie gesehen habe, ist… Ich bin einfach nie ein großer Fan von Truffaut gewesen. Somit kam ich auch nie dazu, den Film zu sehen. Ich weise ihn nicht von mir, ich habe ihn einfach nicht gesehen. Ich bin ein Goddard-Fan, kein Truffaut-Fan. Also… Ich kenne den Film, aber er ist einer, den ich nie gesehen habe.“
Das ist ein Zitat von Quentin Tarantino aus einem Interview mit Tomohiro Machiyama vom japanischen Filmmagazin Eiga HiHo. Die Braut trug schwarz soll die Vorlage zu seinem Kill Bill geliefert haben. Tarantino ist der erste, der Filmreferenzen zugibt und offen über sie spricht. Wenn er also sagt, Truffauts Film sei keinesfalls die Vorlage zu Kill Bill gewesen, dann darf ihm ruhig geglaubt werden. Dass die DVD-Verpackung von Die Braut trug schwarz aber mehrmals darauf hinweist, dieser Film sei „die legendäre Vorlage zu Tarantinos Kill Bill“ ist nicht nur irreführend und dreist, sondern – schlicht und ergreifend – gelogen.
Auf DVD erhältlich. Neben dem US-Kinotrailer und einer Bildergalerie gibt es ein kurzes, aber sehr sehenswertes Interview mit Jeanne Moreau und François Truffaut. Der Audiokommentar von Truffaut-Kenner und Filmhistoriker Robert Fischer ist auch sehr gut gelungen.
Weiterführende Links
Das Tarantino-Interview von Tomohiro Machiyama
Die Kritik von Roger Ebert
Die Kritik auf TV-Guide
Cash (Khesrau Behroz) 2009/06/12 12:45:00
News aus der Rubrik DVD
Kommentare
über Die Braut trug schwarz
alanger 2009/06/16 11:06:41
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schöner film, guter dvd-tip.
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