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Die Expendables und das männliche Kino

SchnabelPower (Sophie Charlotte Rieger), Veröffentlicht am 30.08.2012, 08:50

The Expendables 2 wird oft als extrem „männlicher“ Film bezeichnet. Aber was bedeutet das eigentlich? Was ist ein „männlicher“ Film? Und trifft das auf The Expendables 2 überhaupt zu? Fragen über Fragen.

Sylvester Stallone in The Expendables - brutal männlich? Sylvester Stallone in The Expendables - brutal männlich? © Splendid

Wenn Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Jean-Claude Van Damme, Bruce Willis und Chuck Norris gemeinsam in einem Actionfilm auftreten, dann kommen nicht nur beliebige Muskelberge, sondern auch Vertreter eines ganz besonderen Männertyps zusammen: die knallharten Actionhelden der 80er Jahre. Damals, in den „guten alten Zeiten“ durften Männer auf der Leinwand noch allen Klischees ihres Geschlechts entsprechen. Heute ist das schon schwieriger. Aber ist The Expendables 2 wirklich das Wiederaufleben eines verloren geglaubten Männergenres und –bildes? Und was ist überhaupt „männliches“ Kino?

Was ist maskulines Kino? – Versuch Nr.1: Internetrecherche
Ich machte mich also im Rahmen meiner Recherche auf die Suche danach, was einen männlichen Film ausmacht. Dabei stieß ich auf die in dieser Hinsicht immens aufschlussreiche Internetseite Masculinity Movies. Der Name ist hier Programm. „Du bist ein Mann. Du schaust Filme“, lautet der Erklärungstext auf der Hauptseite, „Doch vielleicht geht das wahre Filmerlebnis an Dir vorbei. Willst Du das Kino inspiriert verlassen, mit dem Willen, das Beste aus Deinem Leben herauszuholen?“ Wer würde dazu schon nein sagen?! Weil Männlichkeit ja doch ein recht schwammiger Begriff ist, bietet der Autor der Seite seinen Lesern netter Weise eine Definition in verständlichen Worten. Im Gegensatz zu den zahllosen Vertretern der akademischen Gender Studies gelingt ihm das mit nur einer Seite Text. Zusammengefasst heißt Männlichkeit demnach Folgendes: Abgeklärte statt emotionale Reaktionen, eine aufopfernde Lebenshaltung, die ständige Konfrontation mit dem Tod, das Bestreben, Dinge in Ordnung zu bringen, Verantwortung und Führungskompetenzen.

Jetzt wissen wir also schon mal darüber bescheid, was Männlichkeit bedeutet. In welchen Filmen also wird Männlichkeit am treffendsten dargestellt? Auch dazu hält das allwissende Internet eine Antwort parat. Auf wellcultured fand ich eine Liste der fünf männlichsten Filme: Man on Fire, 300, Ocean’s Eleven (und fortfolgende), Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, American Gangster. Die Begründung nachzulesen überlasse ich an dieser Stelle Euch. Ist das nun wirklich die Antwort auf die große Frage nach der Definition von Männlichkeit im Kino?

Was ist maskulines Kino? – Versuche Nr.2: Genre-Studium
Das Genre, das sich von seiner Entstehung an besonders intensiv mit den unterschiedlichen Definitionen von Männlichkeit beschäftigte, ist der US-amerikanische Western. Verfolgen wir die Entwicklung der Filme im Verlauf des 20. Jahrhunderts, lässt sich auch eine Modifizierung des Männerbildes herauslesen. In der Regel ist der Westernheld eine Figur, die außerhalb der Gesellschaft existiert. Er lebt nach seinen eigenen Regeln, die meist mit der Benutzung seiner Pistole in Verbindung stehen. Der klassische Western gibt ihm hierbei Recht. Mit Treffsicherheit, Mut und Gefühlskälte rettet er Reisende (Ringo), Dörfer (Zwölf Uhr mittags) und kleine Mädchen, die von Indianern gekidnappt werden (Der schwarze Falke). Doch er wird nie Teil der Gesellschaft, für die er einsteht. Im Laufe der Zeit, einhergehend mit den großen Kriegen der Amerikaner im 20. Jahrhundert, wird die Haltung des Westernhelden, Konflikte lieber mit der Pistole als mit verbaler Verhandlung zu lösen, zunehmend in Frage gestellt. In Der Mann, der Liberty Valance erschoß taucht plötzlich ein zweiter Typ Mann auf, der Teil der Gesellschaft ist und den intellektuellen Gegenpol zu dem aus der Mode gekommenen Westernhelden bildet. Und dann haben wir natürlich in der folgenden Entwicklung den einsamen und stillen Reiter, gerne verkörpert von Clint Eastwood. Der wendet zwar wieder Gewalt an, doch wie beispielsweise in Erbarmungslos wirkt diese nie heroisch. Die Zeiten, in denen Gewalt als positive männliche Eigenschaft dargestellt wurde, sind vorbei.

Nun ist der Western natürlich kein Genre, was heutzutage noch sonderlich populär wäre. Es gibt zwar regelmäßig Wiederbelebungsversuche (Open Range – Weites Land, True Grit, Cowboys & Aliens), doch so richtig zünden tut das selten. Wo schaut Mann also jetzt hin, wenn er nach kulturellen Repräsentationen seiner Geschlechtsidentität sucht? Genau, in den Action Film. Hier sind nun die Männer zu suchen, die tun, was ein Mann eben tun muss. Explosionen, Blutfontänen, Kerle, die sich im bewaffneten Alleingang unverletzt gegen fünfzig anonyme Indianer… äh, Gehilfen des Bösewichts zur Wehr zu setzen. Der Kampf an sich, die Zuschaustellung der Unbesiegbarkeit des Helden, ist stets deutlich wichtiger als Handlung oder Realitätsnähe. Hauptsache es knallt. Während die gewalttätige Haltung des Westernhelden immer kritischer beäugt wurde, etablierte sich so in den 80er Jahren mit Filmen wie Rambo, Stirb langsam und Terminator ein Actiongenre, das brachiale Muskelkraft wieder zum Qualitätsmerkmal erhob.

Wo sind all die Helden hin, wo sind sie geblieben?
Der Held von heute sieht anders aus. Ein Blick auf den aktuellen Blick in die Zukunft des Kinos von the gaffer zeigt, dass die sich heutigen Leading Men actionlastiger Kinounterhaltung stark von ihren Vorgängern des letzten Jahrtausends unterscheiden. So ist ein Jason Bourne, egal ob er von Matt Damon oder Jeremy Renner gespielt wird, ein völlig anderer Typ Mann als ein John McClane. Sein Franchise verleiht ihm eine Geschichte und einen komplexen Charakter, der ihn – gemessen an der Definition zu Beginn meines Artikels – geradezu entmännlicht. Und ganz ehrlich: Kann ein Shia LaBeouf auch nur halb so viel Manneskraft ausstrahlen wie einst Sylvester Stallone? Die Filmmänner von heute sind sanfter und vor allem „schöner“ geworden. Ihre Anziehungskraft entsteht nicht mehr nur durch den Umfang ihres Bizeps, sondern durch ihren vollendeten Augenaufschlag und attraktive Gesichtszüge. Und sind sie doch sprechende Muskelpakete, dann berauben sie sich wie Vin Diesel in Der Babynator ihrer Glaubwürdigkeit.

Mitten hinein in diesen Kult des schönen Mannes mit Charakter, verbalem Verhandlungstalent und Impulskontrolle, bricht The Expendables 2 und scheint allen Flachzangen der Kinowelt mit einem Schlagring die Fresse zu polieren. So muss das sein. Endlich laufen wieder Männer mit einfachen Pistolen unverletzt durch Maschinengewehrsalven. Endlich darf es wieder mehr Explosionen als Dialoge geben. Endlich dürfen wieder mürrisch Zigarren geraucht und sämtliche Accessoires mit Totenköpfen dekoriert werden. Ist das der Anfang einer neuen Ära? Geht es zurück zum einsamen Westernhelden, der mit all seiner testosterongeschwängerten Manneskraft eine Gesellschaft rettet, zu der er tragischer Weise niemals gehören wird? Nein!

The Expendables 2 ist keine Rückkehr in ein verloren geglaubtes Genre und nicht mal echte Nostalgie. Die Ironie und Übertreibung, mit der die „Action-Opas“ hier in Szene gesetzt werden, zeigt, dass diese Art von Männlichkeitsdarstellung in unserer Gesellschaft eben keinen Platz mehr hat. Die Sehnsucht ist scheinbar vorhanden, sonst würden die schießwütigen Übermänner nicht die Kinocharts anführen und auch ein dritter Teil wäre dann wohl kaum in Planung. Wir scheinen hin- und hergerissen zu sein zwischen dem Bestreben, Geschlechterrollen aufzubrechen und zu feiern. Das wird auch in The Expendables 2 deutlich. Liam Hemsworth ist hier eindeutig der Vertreter der „neuen Helden“. Er ist in erster Linie schön anzusehen und seine Figur zeichnet sich weniger durch primitive Muskelkraft, als durch erlernte Fähigkeiten aus. Auch wenn The Expendables 2 auf der einen Seite nicht darauf verzichten kann, Frauen als Lebewesen darzustellen, deren Überlebensfähigkeit von ihrer männlichen Begleitperson abhängt, darf auf der anderen Seite Nan Yu als Maggie überzeugend „ihren Mann“ stehen. Eine Rückkehr zu den stereotypen Männlichkeitsidealen der 80er Jahre sieht wahrlich anders aus. In dieser Hinsicht ist die Weiterführung des “Testosteron-Franchises”, The Expendables 3, besonders interessant. Werden diesmal wirklich weibliche Actionheldinnen ihren männlichen Kollegen die Show stehlen? Und wenn ja, was sagt das über unser Männerbild aus? Ich kann es kaum erwarten, das herauszufinden!

Was ist eurer Meinung nach “männliches Kino”? Und gibt es so etwas überhaupt?

Quellen:
The Men of Westerns: Masculine Values Through Films
Masculinity in the Movies
Masculinity Movies
5 Movies that embody true Masculinity
The Expendables and the Evolution of Masculinity in Action Films
The Expendables 2: Masculinity Porn


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Kommentare

über Die Expendables und das männliche Kino


nasenschleuder

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Einspruch!
Die 80er-Jahre-Actionfilme waren absolute Zerfallsprodukte des überkommenen Männlichkeitsbildes. Daher die überdimensionierten Muskelberge, die übertriebene Wortkargheit, das übersteigerte Waffen- und Autodesign etc.
Wenn man in einem Film sehen will, wie Männer noch richtige Männer sind, muss man sich nur mal James Bond auf Dienstreise in Japan ansehen. Da ist völlig klar, wie Männer und Frauen zu sein haben und Bond schmeißt die Show ohne jeden Zweifel, dass etwas anderes möglich wäre.

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Sigrun

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Es gibt eine Menge wissenschaftliche Literatur zum Thema "Gender & Film", mit dem man dem Thema sehr gut beikommen kann. Da der Fokus der Kolummne hier ein anderer ist, halte ich mich mal zurück und sage: Ein Männerfilm ist ein Film, der das zeitgenössische Männerbild definiert. Ganz einfach, so einfach wie Männer nun mal sind ;-)

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Sigrun

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*mit der man ... (muss es heißen)


xtheunknown

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männerfilme brauchen ein klares ziel und gehen nach vorne los. das muss nicht zwingend ein action film sein.
kein hin und her und langes überlegen. das ziel muss erreicht werden, auch wen man dabei mal aneckt.

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FumerTue

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Bei all meiner Verachtung für Virilität, Bodybuilding und reaktionär-konservativen Männerbildern, Homophobie, und und und...:
Filme wie "Stirb langsam", oder "Terminator" schaut man(n) sich einfach gerne an, weil sie eine Art Zufluchtsort, eine Traumwelt sind. Genau das ist ja die Aufgabe des Mediums Film und deswegen lieben wir das alle so sehr: Filme schaffen ein eigenes Leben jenseits des unseren. Deswegen sind ja Fantasyfilme so beliebt...

Sehen wir nun einfach unsere 80er-Jahre-Action-Filme als Fantasy-Traumwelten: wir sehen als postmoderner Mann des 21. Jahrhunderts einen solchen Film und denken uns irgendwie, wie cool es doch wäre, mit so 'nem fetten Bizeps so 'ne fette Kanone zu halten und damit den "Bösewichten" die letzte Kugel zu geben... Natürlich wissen wir, dass es moralisch verkehrt ist, aber cool wäre es schon. Und weil wir als klar denkende, weltoffene, aufgeklärte und "emanzipierte" Männer wissen, dass das Verhalten eigentlich ja eher bedenklich ist, freuen wir uns mit "unserem" Helden - der wir gerne wären -, dass wenigstens der die fettesten Kanonen abfeuert um die best aussehenden Frauen zu beschützen, die ihn dann alle lieben. (Männer sind nämlich nicht im weiblichen Sinne eifersüchtig, sondern sie freuen sich für ihre Kollegen, wenn die was cooles schaffen/kriegen/dürfen ^^)
Ein Film ist immer eine Illusion und ein Film führt uns immer an die Orte, die wir gerne im echten Leben sehen würden, und in Erlebnisse, die wir gerne im echten Leben erleben würden. Da wir aber alle wissen, dass Bestimmtes verkehrt ist und dieses Männerbild sowas von überholt ist, bleiben uns nur die Filme. Und mal ehrlich: so rein aus dem Bauch raus wären wir Männer doch alle gerne die starken Muskelprotze, die die Bösewichte umlegen und damit alle Frauen beeindrucken. Deswegen sind solche Filme auch nur für Männer - weil ich, wenn ich eine Frau wäre, das Männerbild von vor 200 Jahren auch nicht gerade begrüßen würde ;)

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barstel

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Ein kleiner Rückblick, passend zum Thema, von SPON:
http://einestages.spiegel.de/s/tb/25442/stallone-schwarzenegger-und-co-one-man-army-actionfilme.html

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Catooney

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Schöner Text.
Ich finde außerdem den Begriff "Männerfilm" ziemlich blöd, ich kenne genug Frauen (mich eingeschlossen) die solche Filme mit viel BUM BÄM KNALL sehr gerne schauen.

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Suki93

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I don't believe in "männliches Kino". Das sind doch alles nur ausgediente Personifikationen. Genauso albern finde ich es das "Mädchen = rosa, Hello Kitty und Jungs = blau, Lego-Star wars-Maschinenbauset" Prinzip. Dann muss ich ja schon als Kleinkind ein Mannsweib gewesen sein! Außerdem kenne ich mehr Frauen als Männer in meinen Bekanntenkreis, die The Expendables gucken wollen. Darauf vier Bier und ein Spanferkel, 21 kilo pures fett, drehend um die eigene Achse... hunger...

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Suki93

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Interessant. Hab ich nicht gewusst. Danke für die heutige Zufuhr an Wissen ;)


teakeeper

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Man, das wollte ich schreiben (wenn auch nicht ganz so ausführlich).


HulktopF

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nennt mir mal auf anhieb 5 weibliche actionhelden.

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HulktopF

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ohne worte xDD
und nunn nennt mir mal welche die manauch bezahlen kann und immernoch dazu fähig sind in so einem film auf zu treten
weaver und jolie fallen da schonmal flach.


syrbal

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zoë bell!!! :)


Mein Senf

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Das männliche Verlangen nach dieser männlichen Machoaction aus den 80er ist definitiv vorhanden.
.
Das Ganze wird sich zwar nie zum neuen Actionstandard auswachsen, aber ich denke, Sylvester Stallone hat mit seiner Retro-Action einfach so etwas wie eine Mainstream-Marktlücke gefunden und dieses Vakuum (auch mit seinem Rambo-Reboot) sehr geschickt und glaubwürdig besetzt. Der ersten Teil von "The Expandables" war mir persönlich zwar eine Spur zu ernst und (vor allem der stellenweise unfreiwillig komische Directors-Cut)- der zweite soll ja glücklicherweise etwas ironischer und weniger düster sein.
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Ich denke diese Filme funktionieren heute beinahe besser, weil sie erst jetzt ihre reaktionäre (also rückwärtsorientierte) Grundeinstellung in Gänze einlösen können. Sie huldigen einem einfachen Werteystem um Kameradschaft, Körperkult, Verantwortung, Ehre und Patriarch und beschwören damit eine Ära, die sich im Grunde seit der 1990er-Jahre überlebt hat - dieser Thematik hat sich Stallone ja schon in "Demolition Man" 1993 recht früh und sehr treffend gewidmet. Die asymetrischen Kriegesführung, in denen klare Freund-Feind-Schemata auch in Filmen immer weiter aufgeweicht werden und der Actionheld in erster Linie mit sich selbst, statt mit Gegnerhorden kämpfen muss, setzt Stallone eine klare Freund-Feind-Erkennung und ein einfach strukturiertes und sehr konservatives Wertesystem entgegen. Damit mag man sich politisch und gesellschaftlich nicht identifizieren wollen, aber für Actionfilme ist das durchaus zweckdienlich.
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Dass Stallone mit seinem Machogetöse nicht nur nostalgisch-verklärten Actionfans, sondern offenbar auch ein U30-Publikum in breiter Masse begeistern kann, finde ich recht beachtlich. Die 40-Jahre Entpatriachilisierung des westlichen Wertsystem sind vermutlich nur ein Rattenschiss gegen Jahrhunderte lang gelernter und gelebter Strukturen.
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Dass mit Nan Yu nun eine weibliche Actionheldin mitmischen darf ist (bei allem offenkundigen Zielgruppenkalkül Richtung Frauen und China) im Vergleich zum ersten Teil ja schonmal ein mittlere Sensation - dort bekleideten Charisma Carpenter und Giselle Itié ja ein ganz klassischen Frauenpart. Bei dem Turbofortschritt wäre nicht überraschend, wenn sich Randy Couture im dritten Teil als Homo outet :-)

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Markbln

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Ausgerechnet so ne olle Kamlee anzuführen, wo alternde Actionhelden aus den 80ern ihren letzten Saft verspritzen, naja.
DRIVE oder THE RAID wäre da wohl angebrachter gewesen: Ballerkino ohne doofes Tussengequatsche oder klebrige Romanzen.

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Rukus

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Ich bin ja schon froh, dass bei "maskulinem Kino" keine Klischées von brünftigen Alphamännchen, die sich willfährige Weibchen en masse "nehmen", zu lesen sind. ;p

Was ist männlich? Was ist männliches Kino? Gute Frage! Nachdem uns durch obskure Genderer beinahe alle geliebten Stereotype vermiest wurden, und man an allen Ecken und Enden zur politischen Korrektheit genötigt wird, bis man sich schuldig fühlt, wenn man die sprachvergewaltigenden BegrifflichkeitInnen nicht konsequent einsetzt, wird die Luft für Testosteron-Fans dünn. Man(n) muss sich schon freuen, wenn das geliebte klassische Actionkino mit einem Augenzwinkern wiederbelebt wird, denn der sensible Sunnyboy-Held mit chirurgischem Gewalteinsatz scheint Hollywood in Beschlag zu nehmen. Entweder gibt es Kunstfilm-Action (Drive), smarte, unfreiwillige Helden (Safe House) oder kleine Mädchen (Wer ist Hanna?). Männliches Kino ... triefendes Testosteron ... Wirklich definieren lässt sich das wohl nicht. Ich weiß nur, was ich erwarten würde. Es muss krachen. Die MGs müssen glühen. Statt kleinen Clips mit 10 Schuss erwarte ich, dass der Held einen kompletten Munitionsgurt am Stück raushaut. Dicke Muckis, ohne Ärmel. Schweiß, Dreck und Blut (nicht splatternd, aber auch nicht FSK 12). Schiessen statt zu reden. Der Held muss Ärsche treten und am besten noch nen Spruch dabei drücken. Da darf auch mal realitätsfremd im Hollywood-Style ein Auto im Kugelhagel explodieren. Und wer der Gegner ist, ist wurscht, ob nun asiatische Militärs, die Kriegsgefangene quälen, Aliens, Gangster, korrupte Cops, Megakonzerne - Hauptsache, es gibt ordentlich aufs Maul. Und das wörtlich, denn wenn die Knarre tatsächlich mal leer geballert ist, kommt die gefährlichste Waffe zum Einsatz - der Körper des Heroen! BAM! ;)

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Bob Loblaw

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Was ist eigentlich mit den Slackern und Nerds ( Simon Pegg, Michael Cera, Seth Rogen, Paul Rudd, Shia LaBoef etc. ). Das sind doch die neuen Rollenmodelle des modernen Mannes ! Und sind die nicht auf irgendeine Art auch typisch männlich ??

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Rukus

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Nö, gibt zu viele weibliche Nerds. ;p


Shyamalan

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Lieber "maskulines Kino" als "feminines Kino"!
Denn ich möchte gerne Action, Spannung, Thriller usw. sehen anstatt wie eine Frau Schuhe, Tasche usw. kauft!

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HulktopF

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maskulines kino = filme die sich nicht darum kümmern wie es politisch ist, sondern einfach nur unterhalten wollen auf primitiv brutale art mit meist ironischer unternote, sodass man die gezeigte szenerie nicht ernst nehmen kann und will.

ums so zu sagen maskuline filme haben meistens zwei ebenen, die visuelle und die ironische ebene. es geht nicht um die story oder charakterentwicklung, es geht um den spaß an der szenerie die augenzwinkernd primitiv präsentiert wird.
also, so würde ich das jetzt beschreiben.


Shyamalan

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@Mac_C_Tiro;
dass jemand, der nicht mal mein (Nick-)Name richtig schreibt, über mein Kommentar wegen die "vorhandenen Klischees und Formalfehler" (!) lästert, ist schon komisch! O.K. in Zukunft werd ich meine Kommentare zuerst zu Dir zukommen lassen, damit du diese korrigierst, bevor ich die poste, einverstanden?


Longobongo

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Generell klasse Artikel, mich stört aber die Aussagel, dass wir uns nach solchen Charakteren sehnen. Soweit ich dass beurteilen kann ist der Film wegen der Tatsache dass sich die Actionstars von gestern selbst auf den Arm nehmen so erfolgreich, nicht weil jemand wirklich solche Filme zurück auf der Leinwand will oder echt wie diese Typen sein will (ich kann mir schlecht vorstellen, dass jemand gerne ein psychisch verkrüppelter Massenmörder wäre). Der Wandel von hirnbefreiten Haudegen zu facettenreichen Experten à la Bourne wird von der Mehrheit geschätzt, the Expendables ist eine Ausnahmeerscheinung (der gleiche Film mit unbekannten Schauspielern würder wohl gigantisch floppen).

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SchnabelPower

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Ich glaube, es ist eher die Erinnerung an eine Zeit, in der Rollen so schön klar definiert waren und so wenig eigene Identitätsfindung notwendig war.


Mac_C_Tiro

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Hm.. wie unten schon mal formuliert kann ich nur auf meine subjektive Erfahrenswelt zurückgreifen. Ich habe seinerzeit mit Bruce Willis im ersten Teil der "Die Hard"- Reihe gezittert und mitgefiebert, aber ich habe die Figur des McClane nie als Leitfigur oder Vorbild für meine "Mannwerdung" oder mein späteres Auftreten angesehen. Der Hauptunterschied liegt für mich darin das ich damals die ethischen Hintergründe wenig beachtet habe und mich einfach unterhalten fühlte (so war man eben als Kind), während ich heute einen solchen Film weit weniger geniesse als viel mehr kritisch hinterfrage.


>MARVEL<

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„…etablierte sich so in den 80er Jahren mit Filmen wie Rambo, Stirb langsam und Terminator ein Actiongenre, das brachiale Muskelkraft wieder zum Qualitätsmerkmal erhob.“
Sorry, aber alle deine Beispiele könnten kaum schlechter gewählt sein.
Rambo will nicht kämpfen, wird erst durch die Handlung des sadistischen Sheriffs dazu gezwungen.
Stirb langsam zeigt nach Jahren der von dir beschriebenen Überhelden einen Menschen. McClane blutet, ist ganz allein, hat nicht mal Schuhe. Überall wäre es lieber als in dem Hochhaus.
Und Terminator? Also Michael Bien ist sicher nicht der Muskelheld den du in deinem Artikel beschreibst und Arnie ist hier nun mal der Bösewicht.

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J4KOB

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Aber Sly in Rambo (auch in Teil 1) ist etwas was die heutigen Actionhelden nicht mehr sind... Nämlich HART!!! ;D


>MARVEL<

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Das stimmt absolut. Wobei Rambo am Ende ja auch ein heulendes Häufchen Elebnd wird und in den Armen von Trautman liegt/sitzt. Gerade Rambo (der in Teil 1) ist einfach ein egbrochener Mann mit einem üblen Kriegstrauma, der an sich nichts mehr hat, wofür es sich zu leben lohnt. Aber er wurde halt trainiert um zu überleben.


Mein Senf

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Eine kleine Anmerkung zur Figur "John McClane". Sie wird gemeinhin als Abkehr vom typischen Actionhelden der 1980er-Jahre eingeordnet und damit gewissermaßen als Vorläufer zu Figuren wie Jason Bourne. John McClane besiegt seine Gegner mit List und Einfallsreichtum ist verletzlich und sowohl körperlich las auch gesellschaftlich ein absoluter Jedermann. Damit führte weg vom unzerstörbaren Actionheld 1980er-Jahre, der sich nur über den Umfang ihres Bizepts und der größe seiner Wummen definierte und

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Mac_C_Tiro

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Da würde ich dir glatt zustimmen, auch wenn ich noch weitere Gründe sehe, z.B. die Tatsache das ein realer oder realnaher Mann als Filmfigur wahrscheinlich gar nicht interessant genug wäre um die Massen zu begeistern/unterhalten. Wer will schon einen 90 Min. Film über einen 0815 Typ sehen, der nur zur Arbeit geht, leicht klischeehafte Vorstellungen von sich und der Umwelt hat und nur geruhsam mit seiner Familie leben und mit 80 sterben will?


A.V.

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Wahr gesprochen, einerseits ist normal nicht interessant genung, andererseits bringt normal den Leuten die Actionhelden wieder näher (siehe Die Hard, Verletzlichkeit Johm McClanes) ;)


Copper

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Mein Rasierapperat und meine Uhr sind kaputt.
Ich gehe mich jetzt mit nem Rambomesser rasieren und schätze die Zeit anhand dem Stand der Sonne.
Ein Männliches *how how how* darauf.

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Rukus

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Ich ruf schonmal den Krankenwagen, Tim. ;p


Mac_C_Tiro

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Ein schön recherchierter Artikel, Kompliment! Leider enthält er nun keine bahnbrechend neue Erkenntnis, sondern zeigt trotz allen Bemühens nur auf was jedem mit etwas Beobachtungsgabe gesegneten Filmfan schon lange klar vor Augen steht. Viel interessanter finde ich da die Frage ob sich die Entwicklung in Film und Fernsehen, betreffend der sagenumwobenen Männlichkeit, tatsächlich detailgetreu auf die Realität übertragen lässt. Die Formulierung in den meisten Artikeln dieser Art, wie auch im hier Vorliegenden, lassen den Rückschluss zu das ihr jeweiliger Verfasser dies bejaht oder zumindest als wahrscheinlich empfindet. Genau hier kann ich mich aber nicht wiederfinden. Ich bin auch ein Mann und habe den letzten 30 Jahren Film und Fernsehen beigewohnt bzw. die letzten 60-80 Jahre verschiedenster Filmkunst gefrönt und kann mich mit keiner männlichen Filmrolle auch nur annähernd zu 50% identifizieren. Man könnte nun meinen das ich dann eben die Ausnahme von der Regel repräsentiere, aber dazu wiederum kenne ich zu viele Männer denen es da ganz ähnlich geht. Für mich bleiben letztendlich fast alle Rollen im Film, ob nun Mann oder Frau, im überzeichneten und unrealistischen Klischee verhaftet. Das ist zwar sehr unterhaltend, aber eben nicht auf die Realität zu übertragen.

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SchnabelPower

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Heute schauen wir uns Science Fiction Filme an, um der Realität zu entfliehen. Es ist eine ziemlich weit verbreitete Theorie, dass sich die Grundstrukturen des Westerns heute in das Science Fiction Genre verlagert haben. Und wenn wir von Eskapismus reden, ist das sicher besonders zutreffend!


Mac_C_Tiro

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Weitverbreitete Theorien müssen nicht automatisch zutreffen.^^ Ich sehe Science Fiction vorallem aus Neugier und aufgrund sozialer- und technischer Interessen. Wobei ich dir recht gebe das Eskapismus heutzutage ein ungemein wichtiges und globales Problem darstellt. Nur sehe ich seine Hauptausdrucksform weniger in Film und Fernsehen, viel interessanter ist unter dieser Prämisse nämlich die Entwicklung im Bereich Internet...