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Disneys Kampf gegen die Mockbuster-Epidemie

guggenheim (Nils Pape), Veröffentlicht am 15.09.2012, 08:50

Ein kleines Päuschen sollte eigentlich zur Beruhigung beitragen. Hat bei mir aber nicht geklappt, weshalb ich wieder auf den Putz haue.

Voll der Mock... Voll der Mock... © The Asylum/Brightspark/moviepilot

Wäre moviepilot keine Filmseite, müsste an dieser Stelle das ESM-Urteil des Verfassungsgerichts diskutiert werden. Doch es gilt: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär’, wär’ das Leben halb so schwer. Außerdem macht es doch eigentlich viel mehr Spaß, sich über Ereignisse aus der Filmwelt auszulassen, besonders dann, wenn es sich wie diesmal um einen Daueraufreger dreht, der anhand einer aktuellen Nachricht aufgezogen werden kann.

Im Aufreger der Woche müssen diesmal die berüchtigten Mockbuster dran glauben.

Berüchtigte Kopierer
Filmfreunde sind daran gewöhnt, dass es unzählige Businessmenschen gibt, die an die hübschen Euros in ihren Taschen gelangen wollen. Da es die meisten Staaten nicht gerne sehen, wenn die Bürger mit Holzlatten niedergeschlagen und anschließend ausgeraubt werden, wurden im Laufe der Jahre wesentlich perfidere Taktiken entwickelt, um den Geldfluss nicht versiegen zu lassen. Ein beliebtes Vorgehen ist beispielsweise, kurz nach einem erfolgreichen Blockbuster eine Billigkopie auf den Markt zu werfen. Dass dies geschieht, ist mittlerweile beinahe sicherer als das Amen in der Kirche. Wer’s nicht glauben will, kann gerne mal im Internet Nachforschungen anstellen. Ein kurzer Blick auf Amazon.de genügt schon: Einfach mal nach dem Erfolgsfilm Thor suchen und ein bisschen nach unten scrollen. Was erscheint? Thor – Der Allmächtige, der von The Asylum produzierte, kostengünstige Klon des Hits von Kenneth Branagh. Auf solche sogenannten „Mockbuster“ hat sich die berüchtigte Produktionsfirma spezialisiert. Doch nicht nur The Asylum rotzt regelmäßig solche Abartstreifen raus, sondern auch Tempe oder Brightspark Productions. Das letztgenannte Unternehmen scheint sich nun aber einen mächtigen Feind gemacht zu haben, wie ihr vor kurzem schon auf moviepilot lesen konntet.

Disney wehrt sich
Stein des Anstoßes ist der Animationsfilm Braver. Das geübte Auge erkennt schnell, dass Brightspark vom Disney-Hit Merida – Legende der Highlands profitieren will, dessen Originaltitel Brave lautet. Da nicht nur der Name bis auf einen einzigen Buchstaben identisch ist, sondern auch das Design mehr als stark an den Kinoerfolg erinnert, hat Disney diesmal ganz offensichtlich die Schnauze voll und hat Brightspark eine deutliche Unterlassungsaufforderung geschickt! Die Mockbuster-Produzenten ficht das nicht an, schließlich fühlen sie sich im Recht, haben sie sich den Titel nach eigenen Angaben bereits vor langer Zeit und unabhängig von Disney einfallen lassen. Weshalb lässt der Megakonzern sich eigentlich auf einen solchen Kleinkrieg ein, Braver wird Merida – Legende der Highlands schließlich garantiert nicht das Wasser abgraben. In diesem Fall setzt Disney allerdings ein längst überfälliges Zeichen. Nicht gegen die Produktion von Mockbustern an sich, denn die haben in Hollywood eine lange Tradition, sondern vielmehr gegen den offensichtlichen Diebstahl geistigen Eigentums. Trittbrettfahrer wird es immer geben, aber Brightspark hat Disney wirklich lange genug provoziert, wie andere eindeutige Kopien zeigen.

Druck gegen die Irreführung
Ob Lord of the Elves – Das Zeitalter der Halblinge (ja, richtig gelesen…), Transmorphers, Battle of Los Angeles oder Sherlock Holmes (alle The Asylum), hier wird am Ende des Tages ganz dreist geklaut. Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass diese Imitationsindustrie besteht und immer größer wird. Dass irgendwem irgendwann einmal der Kragen platzt, ist jedoch vollkommen verständlich. Womöglich ist es sogar die richtige Taktik, einfach mal ordentlich Druck zu machen und nicht immer nur zu ignorieren. Um die Wahrheit zu sagen: kein Schwein braucht Mockbuster. Naja, die Produzenten schon, denn die wollen ja Geld verdienen. Dass das einem unbedarften Käufer, der auf die bewusste Irreführung hereinfällt, aus der Tasche gezogen wird, juckt die Macher anscheinend überhaupt nicht.

Es gibt stets eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte. Brightspark war das egal, nun müssen sie (hoffentlich) dafür büßen. Selbst diejenigen, die keine Sympathien für den Disney-Konzern hegen, müssen zugeben, dass hier keinesfalls mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, sondern nur jemand für sein Recht kämpft – und damit letztlich gegen gezielte Kundenveräppelung. Vielleicht ist dies das bitter notwendige Zeichen gegen die auf Abzocke ausgerichtete Mockbuster-Epidemie. Wer lässt sich schließlich schon gerne verarschen?


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