Berlinale-Tagebuch

Eine Menge Spaß bestimmt den letzten Berlinale-Tag

Die Berlinale - Tag 9
© Fox / moviepilot
Die Berlinale - Tag 9

Ich persönlich finde es schade, dass die Berlinale schon vorüber ist, doch ich glaube mein Körper freut sich ein wenig. Nachdem ich heute den Höhepunkt des Zu Spät-Aufstehens erreicht hatte, wird das morgige Ausschlafen wahrer Balsam für die Seele sein. Doch bevor es so weit ist, will euch noch etwas über die letzten Wettbewerbsfilme erzählen, die heute vorgeführt wurden.

In Korea wird um die Wette geplappert
Die Studentin Haewon fühlt sich eingelassen. Ihre Mutter will nach Kanada ausziehen, während die Affäre zu ihrem Professor beendet ist. Die Hoffnung, dass es zwischen den beiden doch noch einmal klappt, ist noch nicht gestorben, doch sie bringt einige Probleme mit sich – so sieht die Ausgangssituation von Nobody’s Daughter Haewon aus, dem ersten heutige Wettbewerbsfilm.

Die Filme von Sang-soo Hong sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Im Rahmen einer Retrospektive im Kino Arsenal hatte ich vor einiger Zeit die Gelegenheit, den Regisseur selbst beim Reden über seine Filme zuzuhören. Das erstaunlichste an seiner Arbeitsweise ist die Tatsache, dass er vollkommen ohne Drehbuch arbeitet und nur einen groben Plan hat. Er verfasst jeden Morgen die entsprechende Passage des Drehtages – dreht somit also auch strikt chronologisch, da er ja noch nicht weiß, wie es weitergeht. Das Resultat daraus ist im Grunde genommen Dialoge am laufenden Band, eine Handlung dient nur als Rahmen. Seine Filme zu mögen, steht und fällt also maßgeblich damit, inwiefern die Dialoge zu gefallen wissen. Nobody’s Daughter Haewon macht da keine Ausnahme. In minutenlangen Einstellungen plappern alle Beteiligten, was das Zeug hält – stets von einem Hauch subtilen, cleveren Humor begleitet, der sich vielleicht am ehesten (aber auch nur vage) mit dem von Woody Allen vergleichen ließe.

Im Vergleich zu seinen vorangegangenen Filmen konnte mich Nobody’s Daughter Haewon nicht ganz so sehr überzeugen. Zu selten gelingen die herzerwärmenden, humoristischen Dialoge, was natürlich unvermeidlich zu einigen Längen führt. Ansonsten wirft Hong Sang-soo jedoch alles zusammen, was ich an ihm schätze: Wundervoll sympathische Charaktere, die allesamt überaus authentisch gespielt werden und die ich auch gern hab, wenn sie mich gerade langweilen; sowie der leise Humor, der selten zum lauten Gelächter führt, sondern seinem Publikum ein 90-minütiges Lächeln ins Gesicht zaubert.

Für den letzten Berlinale – Talk haben wir uns wieder zu dritt vor die Kamera getraut und liefern ein vorläufiges, persönliches Fazit ab.

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