Indian Cinema

Entdämonisierung des indischen Kinos - Teil 4

Entdämonisierung des indischen Kinos - Teil 4
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Entdämonisierung des indischen Kinos - Teil 4

Rückblickend sind drei bedeutende Epochen des indischen Kinos seit der Unabhängigkeit Indiens auszumachen, die unmittelbar mit den jeweiligen Gegebenheiten des Landes im Zusammenhang stehen. Nachdem sich Indien 1947 von den Fesseln der britischen Kolonialherrschaft befreit hatte, stand das Land vor der Aufgabe, aus einem Flickenteppich ehemaliger Fürstentümer und britischer Verwaltungsgebiete eine Nation zu bilden. Hungersnöte, politische Unruhen, das Trauma der Teilung Indiens, bei der Hunderttausende ihr Leben und Millionen ihre Heimat verloren, waren allgegenwärtig. Die Menschen zog es in die Städte, getrieben von der Hoffnung auf Arbeit, Wohlstand und eine bessere Zukunft. Oberste Priorität der Zentralregierung unter Premierminister Jawaharlal Nehru hatten soziale Reformen, die Industrialisierung und der Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft und Infrastruktur, um die verbrannte Erde, die die Briten hinterließen, wieder erblühen zu lassen. Eine große Herausforderung für alle, den Staat und das Volk.

Die Goldene Ära
Das Kino wurde von den Regierenden zur damaligen Zeit nicht als Industrie oder lukrativer Wirtschaftsfaktor angesehen, sondern als triviales Amüsement. Jegliche Unterstützung seitens des Staates blieb aus. Für die Filmemacher auf dem Subkontinent keine leichte Zeit, denn horrende Steuern und unzählige Stolpersteine behinderten ihr kreatives Schaffen.

Es ist bemerkenswert, dass gerade diese Zeit, die 1950er und 1960er Jahre, als die Goldene Ära des indischen Kinos gilt. Allen Widerständen zum Trotz entstanden unzählige Filme, die hinsichtlich Kreativität, Originalität und Qualität ihres Gleichen suchen und große Talente vor und hinter der Kamera in allen Filmindustrien Indiens hervorbrachten. Die Filme dieser Epoche reflektieren die Zeit des Umbruchs, die Ängste, Verzweiflung, Trostlosigkeit und die Problematiken der zunehmenden Urbanisierung, jedoch auch den hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Es entstanden viele patriotische Werke, gesellschaftskritische Filme und sogar Film Noirs.

Action, Banditen und Familiendramen
Der Krieg mit Pakistan, die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme, Energieknappheit, Hungersnöte und Inflation, politische Unruhen, Aufstände und Demonstrationen steuerten das Land in den 1970er Jahren in eine ernsthafte Krise. Vor diesem Hintergrund entstand eine Ära des Unterhaltungskinos, die eine eigene Spezies von Filmhelden hervorbrachte. Zynisch, gewaltbereit, eigensinnig und aufsässig kämpften die Filmhelden der damaligen Zeit gegen soziale Ungerechtigkeit, politische Bevormundung, Korruption und Ausbeutung. Der Schauspieler Amitabh Bachchan wurde durch diese Rollen berühmt und ging als “Angry Young Man” in die Filmgeschichte ein. Seine Filme Zanjeer, Deewaar und der Curry-Western Sholay sind Klassiker des Action-Genres der 1970er Jahre. Ein weiteres typisch indisches Genre fand seinen Ursprung in jenen Tagen: “Lost And Found”. Familien, die durch traumatische Ereignisse auseinandergerissen werden und erst Jahre später unter meist dramatischen Umständen wieder zueinanderfinden (nicht immer mit glücklichem Ende), standen im Fokus dieser Filme. Auch sogenannte Dacoit-Filme mit Banditen und Räuberbanden waren in den 1970er und 1980er Jahren gern gesehen.

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