Berlinale-Tagebuch

Ethan Hawke und Julie Delpy quasseln sich ins Herz

Berlinale - Tag 5
© Sony / moviepilot
Berlinale - Tag 5

Heute hat sich die Fun-Abteilung der Berlinale dazu entschlossen, die erste Pressevorführung eine halbe Stunde früher zu zeigen, als gewohnt. Dementsprechend schlecht gelaunt schlafwandelte ich also kurz nach 8 durch den Berlinale-Palast, in der Hoffnung, eine gerechte Entschädigung für den Aufwand gezeigt bekommen. Gemindert wurde der Frust zusätzlich durch die Vorfreude auf Before Midnight, der im Anschluss folgen sollte.

Gestörte Mutter-Sohn-Verhältnisse aus Rumänien
Das rumänische Drama Mutter und Sohn sollte also den Aufwand rechtfertigen. Es zeigt das Verhältnis von Cornelia zu ihrem einzigen Sohn Barbu. Die Beziehung der beiden könnte sicherlich besser aussehen, doch Cornelia gibt nicht auf, es zu verbessern. Als Barbu im Geschwindigkeitsrausch einen Jungen überfährt, setzt sie alles daran, um ihren geliebten Sohn aus der Schlinge zu ziehen.

Ich muss zugeben, dass Child’s Pose für mich bereits nach wenigen Minuten in einem schlechten Licht stand. Er hatte nämlich genau den Stil, den Indie-Dramen gerne verwenden und mich unheimlich nervt: eine ständig wackelnde Kamera und der Einsatz von Zooms haben es mir schwer gemacht, eine Verbindung zu dem Film aufzubauen. Das Aufblasen von sehr wenig Handlung auf eine verhältnismäßig lange Spielzeit hat ihr Übriges getan. Nach der halben Laufzeit habe ich mich nicht mehr für das Geschehen auf der Leinwand interessiert, auch wenn gegen Ende doch noch Atmosphäre aufkam. Beim Verlassen des Kinosaals war ich also ziemlich enttäuscht, allerdings sah das nach einigen Stunden anders aus. Denn das Psychogramm der Mutter, worauf der Film sicherlich seinen Fokus setzen wollte, wurde rückblickend durchaus eindrucksvoll dargestellt. Freunde werden Child’s Pose und ich zwar dennoch nicht, aber Genre-Fans könnten durchaus beeindruckt werden.

Die anschließende Pause haben wir genutzt, um wieder ein bisschen vor der Kamera für euch über gesehene Filme zu diskutieren. Dieses Mal haben wir noch die Sophie mit an Bord. Viel Spaß.

Ethan Hawke und Julie Delpy quasseln wieder bis Mitternacht
Auf Before Midnight freute ich mich schon von Beginn an, schließlich empfand ich die beiden vorangegangenen Teile Before Sunrise und Before Sunset als überragend und war gespannt darauf, wie es mit den beiden weitergeht. Dieses Mal befinden wir uns in Griechenland – Jesse (Ethan Hawke) und Celine (Julie Delpy) führen eine ernste Beziehung, zwei Töchter sind auch schon da. Sie machen einen Familienurlaub und – Überraschung – unterhalten sich über Gott und die Welt.

Eigentlich brauch ich zu Before Midnight keine Worte zu verlieren. Wer die ersten beiden Teile mochte, wird hier mindestens genauso viel Gefallen daran finden. Die unglaubliche Chemie zwischen Ethan Hawke und Julie Delpy hat keineswegs an Faszination verloren. Die Dialoge gewinnen im dritten Teil vor allem durch die Zugabe von Humor, der sich in Streitereien der beiden bemerkbar macht. In der anschließenden Pressekonferenz habe ich außerdem erfahren, dass die erschreckend natürlichen Dialoge tatsächlich fast vollständig geschrieben sind. Die teilweise minutenlangen Gespräche in nur einem Shot wurden intensiv und langwierig geprobt, was die ganze Sache noch spektakulärer macht. Somit ist Before Midnight vielleicht der beste Teil der Trilogie, sicherlich aber mein bisher liebster Film auf der Berlinale. Leider ist er im Wettbewerb außer Konkurrenz, sodass es definitiv keinen Preis geben wird.

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