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Eine Biologiestudentin schaut Harry Potter

Harry Potters Monster - Was alles auf der Realität basiert!

Leider nur Fiktion: Der Hippogreif Seidenschnabel
© Warner Brothers
Leider nur Fiktion: Der Hippogreif Seidenschnabel

Ich will jetzt überhaupt nicht von den Genexperimenten anfangen, die man machen müsste, um die Monster und Fabelwesen zu züchten, die in den Harry-Potter-Filmen vorkommen. Es sind Fabelwesen, Ende. Was soll ich sagen, irgendwo wollen wir doch alle an Drachen glauben können, oder? Viel lustiger sind Dinge, die einem auffallen, wenn man sich die ganz normalen, real existenten Lebewesen anschaut, auf denen manche Fantasy-Wesen so basieren. Ich habe festgestellt, dass es da einiges zu entdecken gibt. Ich hoffe, ich kann euch vielleicht ein paar interessante Infos geben ;)

Kleines P. S.: Ich hätte euch gerne Bilder aus meiner Vorlesung oder von Google-Bilder eingefügt. Doch die sind meist von privaten Fotografen und so kämpfen sogar unsere Profs gerade mit Urheberrechtsverletzungen und nehmen Skripte aus dem Intranetz. Darum gilt für das, wozu ich keine Bilder einfügen konnte: Google ist euer Freund ;) Und nun: Viel Spaß.

Erinnert ihr euch an Harry Potter und der Feuerkelch? An die erste Stunde „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ bei Mad-Eye? Da hat er aus einem Glasgefäß dieses widerliche Spinnenbiest genommen, um an ihm die unverzeihlichen Flüche zu präsentieren. Acht Beine, ein seltsamer Gabelschwanz, ein geriffelter Rückenpanzer und zu allem Überfluss noch Scheren vornedran! Es sieht wirklich aus, wie aus einer anderen Welt und den kranken Fantasien eines Drehbuchautors entsprungen.


Ist es aber nicht. Diese Tiere existieren wirklich, gehören zu den Spinnentieren und nennen sich Geißelspinnen, mit dem wissenschaftlichen Namen Amblypygi. Man sollte es nicht für möglich halten, aber wenn ich mir beim Zoologielernen etwas gemerkt habe, dann, dass es wesentlich unheimlichere Monster gibt als Spinnen. Zur Beruhigung kann ich sagen, dass diese Tiere eigentlich nur wenige Zentimeter groß werden, sich in tropischen Gefilden am wohlsten fühlen, und zur Paarung sogar so etwas Lustiges wie einen ritualisierten Kampf-Tanz aufführen. Dieses Tier in dieser Szene war ein geschickter Griff der Macher. Gruselig, eklig, und man muss nichts neu erfinden. Bizarrer sind unter den Spinnentieren nämlich höchstens die Walzenspinnen, deren Kiefer im Verhältnis zu ihrer Körpergröße zu den stärksten im Tierreich gehören und die ziemlich groß werden können. Für ganz Neugierige: Das Exemplar Geißelspinne, mit dem wir es in Harry Potter zu tun haben, gehört meinem groben Abgleich mit Vorlesungsmaterial nach zur Art Damon variegratus und ist vermutlich ein Weibchen.

Ebenfalls im vierten Teil findet sich eine Technik, die Cedric Diggory verwendet, um eine Stunde unter Wasser durchzuhalten, die manche Tiere aber tatsächlich gemeistert haben. Ich spreche hier vom Kopfblasenzauber, also, sich eine Luftblase mit unter Wasser zu nehmen, um mit ihr atmen zu können.


Wasserspinnen, Argyroneta aquatica, v.a. in Nordeuropa heimisch, nehmen sich durch schnelles Abtauchen von der Oberfläche kleine Luftblasen mit, die an ihrem Hinterleib haften bleiben und die sie mit den Hinterbeinen festhalten. Unter Wasser spinnen sie ein sehr feinmaschiges Netz und lassen die Luftblase dort frei. Dann holen sie immer wieder neue Luft, bis sie einen ganzen luftgefüllten Raum unter Wasser geschaffen haben, in dem sie dann bleiben und sich fortpflanzen. Ab und an wird der Bestand aufgefüllt. Wieder mal fällt auf, dass J.K. Rowling wirklich zu so ziemlich allem einen Hintergrund gefunden hat, was sie so in ihren Büchern verwendet.

Was es auch wirklich gibt, wenn auch anders, als man denkt, ist der Basilisk aus Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Ja, Basilisken existieren tatsächlich. Allerdings sind sie keine Riesenschlangen wie im Film. Aber in der Kammer des Schreckens käme ein echter Helmbasilisk oder Basiliscus basiliscus wohl ganz gut zurecht. Denn diese leguanartigen Echsen, auch wieder in den Tropen zuhause, können übers Wasser laufen.

Mit enormer Geschwindigkeit und sehr langgliedrigen Hinterbeinen, die das Gewicht recht geschickt über die Wasseroberfläche verteilen und die Oberflächenspannung ausnutzen, rasen sie über kurze Entfernungen über Gewässer. Darum tragen sie auch den Namen Jesusechse. Hat mit dem Fabelwesen Basilisk nicht so viel zu tun, trägt aber seinen Namen und hat immerhin genauso viele Schuppen.

Teil 3. Gefangener von Askaban. Ich werde euch jetzt nicht sagen, dass es Werwölfe wirklich gibt. Aber Wolfsmenschen. Also Menschen, die sehr nach einem Zwischending von Mensch und Wolf aussehen. Sie zeichnen sich durch eine sehr starke Körperbehaarung aus, die sehr stark nach Fell aussieht. Dieses „Fell“ kann krankheits- oder tumorinduziert sein, oft ist sie aber eine Art Mutation bzw. Entwicklungsrückschritt. Das Ganze nennt sich Atavismus und bezeichnet das Auftreten von Merkmalen, die für eine aktuell existierende Art nicht kennzeichnend sind. Dafür traten sie bei den Urahnen über die Evolution hinweg auf. So ist die starke Behaarung von früheren Menschenvorfahren, die noch sehr affenartig wirkten, übrig geblieben und tritt als Schutzmechanismus und Nährstoffspeicher in der Embryonalentwicklung auf. In der Regel bildet sich das Fell auch wieder zurück, ehe das Kind geboren wird, aber manchmal läuft eben etwas schief und dann haben wir...Lupin. Aber eher dauerhaft und nicht nur bei Vollmond.

Im zweiten Harry Potter gibt es noch etwas, das tatsächlich auch unter dem Namen aus Buch und Film existiert und wirklich sehr legendenbehaftet ist und was die meisten von euch wahrscheinlich wissen: Die Alraune.


Diese Pflanzen existieren in der Realität, und abgesehen davon, dass sie nicht schreien können, sehen ihre Knollen wirklich irgendwo aus wie kleine, sehr verhutzelte Kinder. Mit viel Fantasie. Oft ähneln sie nur so etwas wie groben Strichmännchen, doch aufgrund enthaltener halluzinogener Stoffe und auch ihrer Einsetzbarkeit als Narkotikum hat sich die Alraune bzw. Familie der Mandragora schon früh in der Geschichte einen Platz im Herzen jeder Hobbyhexe gesichert.

Und zum Schluss noch was Niedliches. Wer die Bücher gelesen und den sechsten Teil gesehen hat, erinnert sich bestimmt an die Knuddelmuff-Neuzüchtung der Weasley-Zwillinge, die Minimuffs. Diese violetten oder pinken wandelnden Flauschbällchen, die nur niedlich quietschen und sonst eigentlich nicht viel tun? Der von Ginny hieß Arnold.


Gut, im Film waren sie etwas seltsam umgesetzt, grade das Gesicht sah eher unheimlich aus, aber von den Büchern her habe ich mir immer was sehr Putziges vorgestellt. Nein, es gibt keine Minimuffs, so leid mir das auch tut, ich hätte ja selbst gerne einen. Aber es gibt kleine Säuger, die ziemlich gut an sie herankommen. Die Honduras-Zwergfledermaus (Ectophylla alba) sieht so aus.

Diese niedlichen flugfähigen Plüschkugeln leben oft in Bananenstauden oder anderen großen Blättern, fressen nur Früchte, werden keine 5 cm groß und sind meiner Meinung nach schon erwähnenswert, einfach, weil sie der Ausbund an Niedlichkeit sind.

Ich hoffe, ich habe euch zumindest ein wenig begeistern können für die verrückten Dinge, die nicht einmal erfunden sind, sondern tatsächlich unserer Natur entspringen. Solltet ihr in irgendwelchen Fantasy-Streifen Wesen gesehen haben, die irgendwie sehr nach etwas aussehen, das wirklich existieren könnte, könnt ihr gern nachfragen, ich versuche, nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten und wälze auch gerne meine Lehrbücher :) Ich habe noch ein, zwei Erkenntnisse aus anderen Filmen, also wenn euch der Artikel hier gefällt, kann ich die auch noch raufstellen und mehr suchen. Sagt mir einfach, wie es ankommt :)

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"I'd be lost without my blogger." Ich blogge zwar nicht für Sherlock, aber immer gerne für euch ;)

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