Frauen im Actionfilm – Teil 2

Herbe Frauen mit knappem Bikini & Betonfönfrisur

Pam Grier als Doffy
© MGM/UA Home Entertainment
Pam Grier als Doffy

Blaxploitation ist ein Subgenre des Exploitationfilms, das sich hauptsächlich an ein schwarzes Publikum in den amerikanischen Städten richtete und dies auch dadurch tat, dass es sich deren Milieu und Lebenskontexte zum Thema oder mindestens zum Hintergrund machte. Dass schwarze Schauspieler, die hier erstmals auf breiterer Basis als Hauptdarsteller im amerikanischen Kino sichtbar wurden, weniger Gage kosteten als ihre weißen Kollegen, mag dazu beigetragen haben, dass sich auch die Geldgeber für das Subgenre begeistern konnten. Zugleich waren die Filme aber natürlich auch Symptom der politischen Diskussionen in den USA zu jener Zeit – Alltagsrassismus etwa ist nicht selten explizit Thema in Blaxploitationfilmen.

Sex und Gewalt und starke Frauen
Die schwarzen Actionheldinnen, die nun die Leinwand betraten, sind ziemlich beeindruckende Figuren. Der Exploitationfilm verspricht gerne Sex und Gewalt, und so sind die Protagonistinnen schöne, starke Frauen – auch das schon ein Stereotyp, das nicht frei von Rassismen ist –, die zwischen ihren Rachefeldzügen natürlich noch Zeit für mindestens einen liebevollen Moment im Bett zubringen mussten. In dem ziemlich großartigen Ein Fall für Cleopatra Jones freilich geht das sogar locker als selbstbestimmte Sexualität durch – die amerikanische Geheimagentin entscheidet selbst, wann sie mit einem Mann ins Bett geht. Nur scheint es hier ein dauerhafter Partner zu sein – die Promiskuität eines 007 ist für Geheimagentinnen tabu, daran hat sich auch bis heute im Grunde nichts geändert.

Die vielleicht ikonischste Heldin des Blaxploitationfilms (es gab noch einige mehr: TNT Jackson etwa, oder Sheba Baby) ist natürlich Coffy – Die Raubkatze, gespielt von Pam Grier – im weitesten Sinne geht es hier auch um eine rape-revenge-Geschichte, auch wenn die Drogensucht von Coffys kleiner Schwester der Auslöser für ihren Rachefeldzug ist. Coffy ist äußerst ambivalent – ein brutaler Film, der seine Protagonistin oft als sexuelles Objekt inszeniert und doch als starke Figur aus dem Blutbad hervorgehen lässt. Aber wäre es eine Lösung, sie stattdessen brav keusch zu zeigen?

Das Püppchenkommando
Wie uninteressant das sein kann, sehen wir etwa an Filmen wie Das Kommando der Frauen von 1973, in dem die Spezialeinheit “The Doll Squad” (so auch der Originaltitel des Streifens) gegen einen Bösewicht losgeschickt wird. Die Frauen dieser Einheit laufen zwar einen Großteil der Zeit im Bikini herum und tragen zeitgemäße Betonfönfrisuren, sind aber bis auf diese vagen Schauwerte völlig entsexualisiert und, für den Film noch schlimmer, völlig unsouverän in ihrem Job.

Gleichzeitig liefert der Film damit bereits eine Grundstruktur, die sich dann in einer Fernsehserie wie 3 Engel für Charlie manifestierte. Denn selbst das 2000 erschienene Kino-Remake dieser Serie eierte immer noch um das Problem herum, seine Protagonistinnen möglichst sexy erscheinen zu lassen, ohne je etwas anderes sein zu wollen als im emphatischen Sinne amerikanisch-familientauglich. Oder anders ausgedrückt: No sex, please.

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