Kommentar der Woche

Hollywood wird zum Albtraum

"It's no longer your film."
© moviepilot/Universal
"It's no longer your film."

In unserem Traum der…, Verzeihung: In unserem Kommentar der Woche möchten wir euch in wöchentlichen Sitzungen mit den besten Kommentaren hypnotisieren, die wir finden können. Die Voraussetzungen dafür können beinahe alle Kommentare erfüllen – egal ob für Filme, Serien, Personen, News, oder sonstwelche Wiedergänger, gleichgültig ob Hirngespinst, alternative Realität, Tagtraum, Nachtmahr oder eingebildete Freunde, die euch gelegentlich ins Ohr flüstern. Ihr könnt mich per Nachricht gerne gelegentlich auf einen Kommentar, der euch besonders gut gefallen hat bzw. euren absoluten Lieblingskommentar auf moviepilot, hinweisen. Inspirieren lassen wir uns gerne, wie auch diese Woche.

Der Kommentar der Woche
Punsha öffnet die mysteriöse blaue Box und widmet sich Mulholland Drive von David Lynch. Ein Film, dessen Bedeutung jeder für sich selbst finden muss:

Ein Tanzwettbewerb wird zur Eintrittskarte nach Hollywood und schon fängt das große Träumen an. Der Traum, ein Star zu werden, der Traum von einer Villa mit Swimming Pool und zwei süßen Chiwawas, der Traum von Tennis vormittags und Golf am Nachmittag, der Traum in allen Zeitungen zu stehen, der Traum ein Idol für andere zu sein – Nichts von alldem wird wahr werden. Nein, Hollywood wird zum Albtraum. David Lynchs zuerst verschleierte, letztlich jedoch kaum offensichtlichere Abrechnung mit der Traumfabrik kann bzw. muss man als ein cleveres zweiteiliges Konstrukt sehen, ein Spiel mit dem Publikum, mit der Hoffnung und mit der Zeit, das den Zuschauer für lange Zeit im Dunkeln tappen lässt und schließlich den emotionalen Sturzflug der letzten halben Stunde umso deprimierender macht. Naomi Watts ist eine Wucht. Die Flucht in aussichtsreiche Tagträume, in denen alle Mitmenschen nett und zuvorkommend sind, die Schuldigen die letzten Deppen darstellen und Karriere und Liebe Hand in Hand einer gesegneten Zukunft entgegentreten, wird zur Farce, sobald sie von der knallharten Realität wieder eingeholt werden, wenn eine Seele am schwärmerischen Mythos Hollywoods jämmerlich zugrunde geht. David Lynch tarnt die träumerische erste Hälfte, den Hauptteil des Films, mittels eher unerheblichen Story-Elementen und rätselhaften Details, die der eigenen Interpretation obliegen, als einfachen Mystery-Thriller, um letztendlich das halbe Drehbuch über Bord zu werfen und dem Film eine schockierende wie substantielle Note zu verleihen. Doch damit nicht genug: In einem letzten selbstzerstörerischen Akt der Wut, der Enttäuschung und der Eifersucht werden daraufhin Figuren, Namen und Leben ausradiert, sodass am Ende absolut nichts mehr übrig bleibt – außer ein geplatzter Traum.

Den Kommentar findet ihr übrigens hier.

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