Homeland und das Paradies weiblichen Heldentums
the gaffer (Jenny Jecke), Veröffentlicht am 01.02.2013, 09:21
Claire Danes als Carrie Mathieson und ganz ohne Cry Face
© Showtime
Ich könnte jetzt meckern darüber, dass Sat.1 die amerikanische Serie Homeland mit einem dürftigen Sendeplatz abspeist, was mal wieder typisch für das deutsche TV-Geschäft ist. Andererseits muss soviel schlechte Laune am Freitagmorgen nun wirklich nicht sein. Seien wir doch froh, dass die deutschen Zuschauer endlich die gefeierte Serie mit Claire Danes und Damian Lewis im Free-TV entdecken können. Immerhin bietet Homeland, dessen deutsche Erstausstrahlung am Sonntag 22:15 Uhr beginnt, eine der widersprüchlichsten weiblichen Heldinnen der letzten Jahre. Und das gerade weil es eigentlich gar keine so große Rolle spielt, dass die CIA-Agentin Carrie eine Frau ist.
Das amerikanische Mainstream-Kino bietet zu Recht immer wieder Angriffsfläche für Kritik an der Darstellung von Frauen. Dagegen finden sich im Fernsehen in den Staaten geradezu paradiesische Zustände. Denn während Blockbuster ein vornehmlich junges, männliches Publikum ansprechen, ist die Zielgruppe von Networks und Pay-TV-Anbietern in den Staaten weitaus vielfältiger und vor allem eines: erwachsener. Diesem Umstand verdanken wir den viel beschriebenen Boom von Qualitätsserien, der in den letzten Jahren über den Atlantik schwappte. Eben jene Shows begeistern andererseits mit vielschichtigen weiblichen Charakteren, wie sie in Hollywood-Produktionen nur selten in der ersten Reihe auftauchen. An aufgespritzten Gesichtern mangelt es trotzdem hier nicht. Aber schon an der Filmografie von Edie Falco (Oz, Die Sopranos, Nurse Jackie) lässt sich die Toleranz gegenüber gestandenen Darstellerinnen ganz wunderbar ablesen, spielt sie schließlich auch mit 49 noch die TV-Leading Lady. Ob Liz Lemon (30 Rock), Leslie Knope (Parks and Recreation), Kara Thrace (Battlestar Galactica), Sydney Bristow (Alias – Die Agentin) oder Alicia Florrick (Good Wife): Quer durch alle Genres glänzen Serien mit Frauen, welche die Rolle als Eye Candy von sich weisen und sich durch ihre exzentrischen, bewundernswerten oder abstoßenden Entscheidungen ins Gedächtnis des Fernsehzuschauers schreiben. Mit dem Start von Homeland 2011 beim Pay-TV-Sender Showtime gesellte sich eine außergewöhnliche Heldin dazu.
Wie der Titel schon andeutet ist Homeland ein Spionagethriller des Post-9/11-Zeitalters. DIe CIA-Agentin Carrie Mathison erhält den Tipp, dass ein amerikanischer Kriegsgefangener im Irak zum Terror-Netzwerk al-Quaida übergelaufen ist. Als der Marine Nicholas Brody (Damian Lewis) aus der Gefangenschaft befreit wird, fällt ihr Verdacht auf den Familienvater, der als Kriegsheld gefeiert wird. Um es gleich vorweg zu sagen: Carrie ist das, was der Amerikaner gemeinhin als pain in the ass bezeichnet. Carrie ist keine gänzlich unsympathische Figur, aber wie ihre Seelenverwandte Maya in Zero Dark Thirty geht sie ihren Vorgesetzten (u.a. Mandy Patinkin) durch ihre Hartnäckigkeit an der Grenze zur Paranoia gehörig auf die Nerven. Vorschriften biegt sie ohne Rücksicht auf menschlichen Anstand oder auch nur die Karrieren ihrer Kollegen zurecht, um der vermeintlichen Wahrheit näher zu kommen. Sie ist eine Getriebene, verfolgt von einer undefinierbaren Schuld, oder wie es im prätentiösen Vorspann Mantra-artig heißt: We all missed something that day.
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- Teil 1: Homeland und das Paradies weiblichen Heldentums
- Teil 2: Das Cry Face schlägt wieder zu
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Kommentare
über Homeland und das Paradies weiblichen Heldentums
Obolos Fri, 01 Feb 2013 21:04:29 -0000
Kommentar löschenRichtig vielversprechend, diese Serie! :)
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dbeutner Fri, 01 Feb 2013 14:34:03 -0000
Kommentar löschenSehe die Sache ziemlich anders: "Im Gegensatz zu vielen weiblichen Charakteren werden Carries emotionale Schwankungen jedoch nicht aus einer klischeehaften Vorstellung von Weiblichkeit heraus begründet." Die Darstellung der "kranken" Seite geht ins extrem "hysterische", was - zumal unter dem spezifischen Stil von Claire Danes Spiel - doch arg stereotyp daher kommt. Habe mich daher auch immer gewundert, warum das nicht mehr kritisiert wird (einschließlich der darstellerischen Leistung von Danes, die ich klar überbewertet finde; die Figur ist vielleicht sehr gut angelegt, aber die Darstellung finde ich sehr mittelmäßig).
Tut der Qualität der Serie aber keinen Abbruch. Schön, dass ich wohl nicht der einzige bin, der eher in Saul die Überfigur sieht. DER ist toll!
Homeland ist sicher nichts, woran man sich in 20 Jahren noch erinnert, also keiner der GANZ großen Sterne. Aber verdammt gute Unterhaltung mit einigen Highlights. Definitiv nichts für eine Synchronisation.
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Aragorn II Fri, 01 Feb 2013 12:50:40 -0000
Kommentar löschenhomeland <3
saul : wisdom: 10 beard:10 skill: mumbling :D :D :D
kleiner tipp an alle, schauts euch in englisch an, die qualität ist immer deutlich höher als in synchros
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Tautou Fri, 01 Feb 2013 11:56:07 -0000
Kommentar löschenAuch hier gilt wieder: Das Bild spricht für sich selbst, denn Claire Danes ist ebenfalls die Zukunft des Fernsehens, als Temple Grandin war sie unglaublich. Ein schönes Plädoyer für die Quote, auch in Serien. Und wenn die Homeland-Recaps obendrein von einer Frau geschrieben werden (wenn sie denn geschrieben werden), drehe ich komplett am Rad. Also Jenny, Dienstagmorgen will ich hier etwas lesen, you can't let that happen again. Allahu Akbar.
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the gaffer Fri, 01 Feb 2013 13:08:24 -0000
Antwort löschenAlso wenn meine Erkältung nicht dazwischen kommt, solltest du lieber schon Montag vorbeischauen. ;)
Tautou Fri, 01 Feb 2013 14:20:41 -0000
Antwort löschenUi, das ist ja quasi live! Ich werde da sein.
Impeesa Fri, 01 Feb 2013 10:57:01 -0000
Kommentar löschenSchöner Artikel, jetzt freu ich mich erst richtig auf die Serie!
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Sonse Fri, 01 Feb 2013 10:40:01 -0000
Kommentar löschenJa, nur in der zweiten Staffel war sie leider nicht mehr ganz so interessant. Ich hoffe das lag wirklich nur an Danes' Schwangerschaft, weshalb Carrie zwangsläufig etwas in den Hintergrund treten musste und gewisse Plotentwicklungen stattfanden bzw. breitgetreten wurden. Oh, und gerne mehr Saul bitte!
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Bubbles Fri, 01 Feb 2013 13:00:37 -0000
Antwort löschenSaul ist der Ruhepol und somit auch der tollste Charakter. Klasse Schauspieler!
Sonse Fri, 01 Feb 2013 14:56:13 -0000
Antwort löschenPatinkin hat leider den Ruf eine ziemliche Diva zu sein, die schon diversen Serien davongelaufen ist. Ich bin schon arg froh, dass ihn Homelands Erfolg bisher zu halten scheint.
David "Noodles" Aaronson Fri, 01 Feb 2013 10:06:08 -0000
Kommentar löschenKlingt aber auch ein bisschen seltsam, durch bipolaren Störung eine 'der vielschichtigeren Charaktere der jüngeren Serien-Geschichte' schaffen zu wollen... aber vllt. irre ich mich ja auch
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Mein Senf Fri, 01 Feb 2013 09:08:26 -0000
Kommentar löschenDer Artikel wildert ja schon beinahe in Sophies Welt :-)
Jedenfalls habe ich nun keinen Grund mehr, mich der Serie zu entziehen (nachdem mein Kumpel mir schon seit Wochen in den Ohren hängt, die endlich mal zu starten). Wird definitiv angesehen.
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the gaffer Fri, 01 Feb 2013 09:16:11 -0000
Antwort löschenDa ich hier schon vor der lieben Sophie besagtes Feld beackert habe, bin ich mir keiner Schuld bewusst.^^ Hiermit hänge ich dir übrigens auch in den Ohren, der Serie endlich mal eine Chance zu geben. Anschauen! :b
Weiterführendes zum Artikel ?
Jenny Jecke hat was mit Medien studiert und lebt in Berlin. Bei moviepilot spekuliert sie mit und für euch über die Zukunft des Kinos. Mit drei anderen Filmfans bloggt Jenny außerdem über alte, neue, hübsche und hässliche Filme. Für das Magazin AGM schreibt sie eine Action-Kolumne und via Twitter könnt ihr sie fragen, was das alles soll. Über Anregungen, Themenvorschläge oder Kritik freut sie sich immer.






Ich freu michr richtig auf die Serie!! Hab schon viel darüber gelesen und möchte sie jetzt endlich sehen!
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