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Homeland und das Paradies weiblichen Heldentums

Claire Danes als Carrie Mathieson und ganz ohne Cry Face
© Showtime
Claire Danes als Carrie Mathieson und ganz ohne Cry Face

Ich könnte jetzt meckern darüber, dass Sat.1 die amerikanische Serie Homeland mit einem dürftigen Sendeplatz abspeist, was mal wieder typisch für das deutsche TV-Geschäft ist. Andererseits muss soviel schlechte Laune am Freitagmorgen nun wirklich nicht sein. Seien wir doch froh, dass die deutschen Zuschauer endlich die gefeierte Serie mit Claire Danes und Damian Lewis im Free-TV entdecken können. Immerhin bietet Homeland, dessen deutsche Erstausstrahlung am Sonntag 22:15 Uhr beginnt, eine der widersprüchlichsten weiblichen Heldinnen der letzten Jahre. Und das gerade weil es eigentlich gar keine so große Rolle spielt, dass die CIA-Agentin Carrie eine Frau ist.

Das amerikanische Mainstream-Kino bietet zu Recht immer wieder Angriffsfläche für Kritik an der Darstellung von Frauen. Dagegen finden sich im Fernsehen in den Staaten geradezu paradiesische Zustände. Denn während Blockbuster ein vornehmlich junges, männliches Publikum ansprechen, ist die Zielgruppe von Networks und Pay-TV-Anbietern in den Staaten weitaus vielfältiger und vor allem eines: erwachsener. Diesem Umstand verdanken wir den viel beschriebenen Boom von Qualitätsserien, der in den letzten Jahren über den Atlantik schwappte. Eben jene Shows begeistern andererseits mit vielschichtigen weiblichen Charakteren, wie sie in Hollywood-Produktionen nur selten in der ersten Reihe auftauchen. An aufgespritzten Gesichtern mangelt es trotzdem hier nicht. Aber schon an der Filmografie von Edie Falco (Oz – Hölle hinter Gittern, Die Sopranos, Nurse Jackie) lässt sich die Toleranz gegenüber gestandenen Darstellerinnen ganz wunderbar ablesen, spielt sie schließlich auch mit 49 noch die TV-Leading Lady. Ob Liz Lemon (30 Rock), Leslie Knope (Parks and Recreation), Kara Thrace (Battlestar Galactica), Sydney Bristow (Alias – Die Agentin) oder Alicia Florrick (Good Wife): Quer durch alle Genres glänzen Serien mit Frauen, welche die Rolle als Eye Candy von sich weisen und sich durch ihre exzentrischen, bewundernswerten oder abstoßenden Entscheidungen ins Gedächtnis des Fernsehzuschauers schreiben. Mit dem Start von Homeland 2011 beim Pay-TV-Sender Showtime gesellte sich eine außergewöhnliche Heldin dazu.

Wie der Titel schon andeutet ist Homeland ein Spionagethriller des Post-9/11-Zeitalters. DIe CIA-Agentin Carrie Mathison erhält den Tipp, dass ein amerikanischer Kriegsgefangener im Irak zum Terror-Netzwerk al-Quaida übergelaufen ist. Als der Marine Nicholas Brody (Damian Lewis) aus der Gefangenschaft befreit wird, fällt ihr Verdacht auf den Familienvater, der als Kriegsheld gefeiert wird. Um es gleich vorweg zu sagen: Carrie ist das, was der Amerikaner gemeinhin als pain in the ass bezeichnet. Carrie ist keine gänzlich unsympathische Figur, aber wie ihre Seelenverwandte Maya in Zero Dark Thirty geht sie ihren Vorgesetzten (u.a. Mandy Patinkin) durch ihre Hartnäckigkeit an der Grenze zur Paranoia gehörig auf die Nerven. Vorschriften biegt sie ohne Rücksicht auf menschlichen Anstand oder auch nur die Karrieren ihrer Kollegen zurecht, um der vermeintlichen Wahrheit näher zu kommen. Sie ist eine Getriebene, verfolgt von einer undefinierbaren Schuld, oder wie es im prätentiösen Vorspann Mantra-artig heißt: We all missed something that day.

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