Mein Herz für Klassiker

Ich, Der Dünne Mann und Barbesuche mit Hund

Myrna Loy und William Powell in Der Dünne Mann
© Warner
Myrna Loy und William Powell in Der Dünne Mann

Die Komödien im Hollywood der 30er Jahre waren glamourös, stilsicher und voller Humor. Die Kriminalfilme im Hollywood der 30er Jahre waren dunkel, ernst und voll seriöser Detektive. So könnte man denken. Mit dieser Tradition bricht Der dünne Mann von W.S. Van Dyke und kombiniert beide Genres auf einzigartige Weise.

Der ehemalige Detektiv Nick Charles (William Powell) wird von einer alten Bekannten (Maureen O’Sullivan) gebeten, ihr zu helfen, den vermissten Vater zu finden. Was als harmlose Suche beginnt, wird schnell zur Jagd auf einen gefürchteten Mörder. Mehrere Leichen tauchen auf, mysteriöse Begebenheiten tragen sich zu und falsche Geständnisse werden gemacht. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Nora (Myrna Loy) und Hund Mr. Asta gelingt es Nick jedoch, das Rätsel zu lösen und den Täter zu entlarven.

Warum ich Der Dünne Mann mein Herz schenke
Der Dünne Mann gewann mein Herz, als ich ihn zum ersten Mal sah. Oder genauer: als Nick und Nora Charles ihren ersten Auftritt hatten. Nick sitzt, wie es so seine Art ist, an der Bar und spricht dem Alkohol gut zu. Er unterhält sich mit seiner alten Bekannten über das Verschwinden ihres Vaters. Die Szene wechselt und ein Hund an der Leine schleift eine gut aussehende, mit Weihnachtseinkäufen bepackte Frau hinter sich her in die Bar. Sie wird darauf hingewiesen, dass Hunde nicht erlaubt seien. Keuchend erwidert sie, dass sie nicht den Hund, sondern der Hund sie mitnähme. Nachdem der Hund sein Ziel erreicht hat – sein Herrchen – schlichtet Nick die Situation und erklärt, es sei sein Hund… achja und im übrigen auch seine Frau. Nach einem ironisch-schlagfertigen Wortwechsel setzen sich die beiden, um einen Martini zu trinken. Nora bestellt umgehend noch fünf weitere, um mit ihrem Ehemann auf demselben Stand zu sein.

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Der 1934 für MGM produzierte Kriminalfilm war der erste der sechsteiligen Filmreihe, in denen Mr. und Mrs. Charles ermittelten. In mehr als einer Hinsicht war dieser ein herausragendes Beispiel seiner Zeit. Albert Hackett und Frances Goodrich schrieben basierend auf Dashiel Hammetts Romanvorlage ein geistreiches, witziges und spannendes Drehbuch. Die beiden Hauptcharaktere sind liebenswert und agieren auf Augenhöhe. Obwohl Gleichberechtigung im Hollywood der 30er Jahre nicht selbstverständlich war, zieht sich diese wie ein roter Faden durch alle sechs Filme. Dabei spielt Myrna Loy so elegant und charmant, dass die unkonventionelle Art ihres Charakters dabei in der Gesellschaft nicht aneckt. Im Gegenzug legt William Powell seine Rolle ein wenig exzentrisch und mit hohem Alkoholkonsum an. Fortwährend versuchen sie sich gegenseitig auszuspielen und geraten dabei in brenzlige Situationen, aus denen sie sich nur gemeinsam wieder befreien können. Beide werden zu einem außergewöhnlichen Paar ihrer Zeit, das sich ideal ergänzt.

Warum auch andere Der Dünne Mann lieben werden
Die Oscar-Jury liebte den Dünnen Mann nicht. Obwohl der Film in mehreren Kategorien nominiert war, bekam er keinen Oscar. Allerdings kommt hier jeder große Krimifan auf seine Kosten. Der klassische Hardboiled-Krimi wird hier voll ausgeschöpft. Ein mysteriöses Verschwinden und ein Mord zu Anfang, mehrere Fährten, die sich als falsch erweisen und die Lösung des Falls am Ende durch den smarten Detektiv komplettieren den Plot. Allerdings wird das Schema durchbrochen, indem Nick Charles nicht allein, sondern immer mit Hilfe seiner Frau ermittelt. Auch der ironische Humor und die ausgesprochene Schlagfähigkeit der beiden trägt dazu bei.

Warum der Dünne Mann die Jahrzehnte überdauert
Der Dünne Mann ist eindeutig ein Film seiner Zeit. Das Amerika der 30er Jahre gibt ihm ein einmaliges Flair, dominiert vor allem durch die Ausstattung des Films. Gleichzeitig ist Der Dünne Mann aber auch zeitlos. Das kommt vor allem daher, dass Nick und Nora Charles den Mittelpunkt der Filme darstellen. Da sie in einer relativ gleichberechtigten Partnerschaft leben, kann ich mich auch heute noch leicht mit ihnen identifizieren. Spannend ist dieser Aspekt vor allem dadurch, dass die Handlung erst einsetzt, wo die meisten romantischen Komödien, im Hollywood der 30er bis 2013, aufhören: mit Liebe und Hochzeit. Vor allem aber sorgt die Qualität der Dialoge und des Spiels dafür, dass ich mir Der Dünne Mann immer wieder gern anschaue. Das denkt sich wohl auch Regisseur Rob Marshall, der den Film so zeitlos findet, dass er ihn demnächst mit Johnny Depp neu verfilmt.

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