Mein Herz für Klassiker

Ich, Der Mann mit der Todeskralle & Bruce Lee

Enter the Dragon
© Golden Harvest
Enter the Dragon

Eine Schar von Schülern bildet im Kreis sitzend einen Ring. Zwei Kämpfer erheben sich. Sie verbeugen sich vor ihrem Meister. Dann verbeugen sie sich voreinander und nehmen eine Kampfstellung ein. Es stehen sich Kung Fu-Legende Bruce Lee und der junge, zur damaligen Zeit noch unbekannte Sammo Hung Kam-Bo gegenüber. Die Kamera zoomt auf das ernste und entschlossene Gesicht Lees. Einen Moment kann der Zuschauer noch innehalten, bevor die ersten Fäuste und Tritte ihr Ziel finden und sich der damals schon etwas kräftigere Sammo Hung geschlagen geben muss. Allein diese Eröffnungssequenz ist für sich genommen schon ein Höhepunkt und legt den Ton für die folgenden Fights des Films fest.

Der Mann mit der Todeskralle ist eine wahre Offenbarung für Fans des Martial Arts-Films. Nicht nur, dass er das Opus Magnum des verstorbenen Bruce Lee ist, nein, er stellt auch die Weichen für alle folgenden Kung Fu-Filme, die amerikanisches Actionkino mit asiatischer Kampfkunst verbinden. Somit ist es fast schon selbstverständlich, dass ich mein Herz für Klassiker Kampfkunstkoryphae Bruce Lee mit seinem Meisterwerk Der Mann mit der Todeskralle schenken muss. Auch wenn die Story eher Nebensache ist, möchte ich sie euch nicht vorenthalten. Lee begibt sich auf die exotische Inselfestung des Gangsterbosses Han, der eine Martial-Arts-Schule als Tarnung für Opium-Schmuggel und Prostitution benutzt. Um den Mord an seiner Schwester zu rächen, dringt Lee unerkannt in diese Hochburg ein und nimmt an Hans brutalem Martial-Arts-Turnier teil.

Warum ich Der Mann mit der Todeskralle mein Herz schenke
Es sind Kindheitserinnerungen, die mich diesen Film lieben lassen. Schon als kleiner Steppke wurde ich auf Bruce Lee aufmerksam, verschlang seine – leider viel zu wenigen – Filme, las und schaute seine Biographie und meldete mich ganz euphorisch bei einem Karateverein an. Mein Zimmer war ähnlich geschmückt wie das der Hauptfigur Jason aus Karate Tiger. Dort ein Poster von Bruce Lee, in der Ecke meine Karatesachen und die Nunchakus auf meinem Bett. Ach, Nunchakus, wie habe ich sie geliebt und wie gerne hätte ich sie beherrscht wie mein großes Vorbild Bruce Lee. Meine Karatetrainingsphase war zwar schneller wieder beendet, als sie angefangen hat, aber meine Begeisterung für den Sport selbst und das Kung Fu-Genre brach bis zum heutigen Tage nicht ab.

Der Mann mit der Todeskralle ist einer dieser Klassiker, die ich schon zigmal gesehen habe und bei denen ich weiß, dass ich sie noch zig weitere Male sehen werde. Ich kann mir immer wieder ansehen, wie Bruce Lee und seine einzigartigen Kampfkünste perfekt in Szene gesetzt werden. Ich kann mir immer wieder ansehen, wie dieser Meister seines Fachs mit atemberaubender Geschwindigkeit und nur einem Schlag seinen Gegner außer Gefecht setzt. Ich kann mir immer wieder ansehen, wie Bolo Yeung, den ich als Bösewicht immer mochte, besonders in Bloodsport – Eine wahre Geschichte und Geballte Ladung, seinen typischen Killerblick aufsetzt und selbst den Fernsehzuschauer das Fürchten lehrt.

Ja, an diesem Film stört mich nichts, nicht die abgehalfterte, schon sehr oft gesehene Story, nicht die schon hundert Mal vorher und unzählige Male nachher gesehene Rache-Motivation der Hauptfigur, nicht die magere Schauspielkunst und auch nicht die nicht immer synchron laufenden Toneffekte. Der Mann mit der Todeskralle hat Fehler und ist sicherlich nicht der Inbegriff von Perfektion. Doch wenn wir unser Herz verschenken, dann lieben wir auch die kleinen Macken des Filmes.

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