Teil 2 von 2 Ich, Wilde Erdbeeren & der eiskalte Borg

Warum auch andere Wilde Erdbeeren lieben werden

Wilde Erdbeeren Wilde Erdbeeren © StudioCanal

Filme über alternde Männer, die auf große Fahrt gehen, sind mittlerweile nicht Außergewöhnliches mehr. Eine wahre Geschichte – The Straight Story, Mit Herz und Hand und andere behandeln genau dieses Thema. Victor Sjöströms Isak fällt aber aus dem Rahmen. Er lebt zwar noch und ist auch nicht todgeweiht wie die beiden Rentner aus Das Beste kommt zum Schluss, aber fühlt sich trotzdem, als ob er bereits im Grabe läge. Eine innere Leere plagt ihn. Die Krux ist, dass dies ein Generationen übergreifendes Problem in der Familie zu sein scheint. Seinem Sohn Evald geht es nämlich genauso, wenn wir den Worten seiner Frau glauben dürfen. Beide verstoßen mit ihrer schroffen, distanzierten Art die Frauen, die sie lieben. Karin verließ Isak einst für einen anderen Mann, und Marianne steht auch kurz davor, sich von dem jüngeren Borg zu trennen.

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Als der Professor und seine Schwiegertochter bei der Materfamilias anhalten, wird klar, wie unbarmherzig die Mutter von Isak ist. Die Atmosphäre, die sie erzeugt, wird dann auch von ihr selbst passend beschrieben, als sie erwähnt, dass es kalt im Zimmer sei und sie sich ihr ganzes Leben lang so gefühlt habe. Der alternde Wissenschaftler will eben diesen Teufelskreis durchbrechen, bevor er das Zeitliche segnet. Im Laufe der Geschichte entwickeln er und seine Schwiegertochter dann auch eine gewisse Sympathie füreinander. Am Ende ist zwar nicht alles perfekt, aber scheint sich zum Positiven zu entwickeln, und auch Isak erweckt den Eindruck, ein völlig anderer Mensch geworden zu sein. Ein derart sonniger Schluss ist in den Werken des schwedischen Filmemachers auch nicht alltäglich.

Warum Wilde Erdbeeren einzigartig ist
Dass Ingmar Bergman aus dem Theater kommt, merken wir bei Wilde Erdbeeren ganz deutlich. Statt imposanter Kulissen und beeindruckenden Spezialeffekten setzt der Regisseur lieber auf hervorragende Leistungen seiner Darsteller. Das Drama um den greisen Isak Borg ist dann auch bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzt. Bergman-Spezi Max von Sydow beispielsweise ist nur wenige Minuten zu sehen, aber wirft mit seinem Kurzauftritt ein völlig anderes Licht auf den Professor. Er erinnert sich nämlich an ihn als einen guten Landarzt. Wilde Erdbeeren ist eine Art frühes Roadmovie, das sich einfach nur der Landschaften zwischen Stockholm und Lund bedient und verstärkt auf seine Figuren. Isak Borg mag anfangs ein unliebsamer Misanthrop sein, und im Verlauf des Films wird auch deutlich, warum. Trotzdem lässt ihn Bergman nie zu einem absoluten Unsympath werden. Seine Mutter wird dafür als eiskalte Xanthippe inszeniert, während Marianne und die junge Sara, die Isak aufliest, neue Wärme in sein Leben bringen.

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Warum Wilde Erdbeeren die Jahrzehnte überdauerte
Wilde Erdbeeren ist nicht nur aufgrund der Preise bedeutend, die der Film damals in Berlin und bei den Golden Globes absahnte. Er ist auch wegweisend in seiner Verknüpfung von wirklichkeitsnahen und surrealen Elementen. Das Drama springt in Zeit und Raum, ohne sich jedoch jemals in seiner Komplexität zu verlieren oder etwas von seinem großflächigen Interpretationsspielraum preiszugeben. Wilde Erdbeeren ist gleichermaßen eine innere wie eine äußere Reise. Isak muss zur Zeremonie nach Lund, aber er muss letztlich auch bei sich selbst ankommen. Beides erreicht er am Ende. Dabei setzt Bergman nicht auf schnelle Kamerabewegungen oder ähnliche Spielereien, sondern gibt dem Geschehen die notwendige Zeit, um sich zu entfalten. Der Part des Professors war eine Paraderolle für den früheren Stummfilmregisseur Victor Sjöström und ein famoser Schlusspunkt der Karriere eines Mannes, der sich bereits 1921 mit Der Fuhrmann des Todes selbst ein Denkmal gesetzt hatte.

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Kommentare

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franticfury

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Wunderschöner Film, damals mein erster Bergman und es blieb nicht der letzte. Vielleicht sein lebensbejahendster Film und eins von unzähligen Meisterwerken in einer langen Karriere!

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