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Jack Arnold, der SciFi- und Horrorfilmexperte

Der Schrecken vom Amazonas
© Universal/moviepilot
Der Schrecken vom Amazonas

25 Jahre mag es nun her sein, dass ich als kleiner Junge von vielleicht 10 Jahren zum ersten Male einen Film von Jack Arnold gesehen habe. Es muss ein einprägsames Erlebnis gewesen sein, denn ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen. An einem Donnerstagabend im Rahmen einer Jack-Arnold-Reihe, die im Wochenrhythmus ausgestrahlt wurde, sah ich zusammen mit meinem Vater um 20:15 Uhr auf WDR 3 Der Schrecken vom Amazonas. Ein nur schwer zu durchdringender Dschungel, eine Handvoll Menschen auf einem alterschwachen Boot, das müde, aber unaufhaltsam einen entlegenen Flussarm des Amazonas hinunterschippert bis schließlich das Ziel der Reise, die “schwarze Lagune” erreicht wird. Dort stößt die Gruppe auf den prähistorischen Kiemenmenschen und die Geschichte nimmt in dieser unheilvollen Atmosphäre ihren Lauf. So habe ich dies damals als Kind wahrgenommen. Mittlerweile ist Der Schrecken vom Amazonas zu einer liebgewonnenen Erinnerung an vergangene Tage der Kindheit geworden. Immer, wenn ich ihn sehe, beschleicht mich dieses nostalgische Gefühl, das kaum in Worte zu fassen ist. Am ehesten wohl noch als Gefühl des einen stets begleitenden Momentums, in dem die Gewissheit des Vergänglichen doch unauslöschlich gegenwärtig ist.

Doch nähern wir uns diesem Jack Arnold an, der einige der eindrucksvollsten Science-Fiction- und Horrorfilme der 50er Jahre schuf. Jack Arnolds Todestag (1912 – 1992) jährt sich in diesem Jahre zum zwanzigsten Mal und längst gilt er als der vielleicht bedeutendste Genre-Regisseure jener Zeit. Nicht, weil die Geschichten, die er erzählte und meist selber schrieb, wesentlich besser waren als die vergleichbarer Werke, sondern weil er schlichtweg der fähigste und handwerklich beste B-Film Regisseur in diesem Genre war. Seine Vorliebe für den deutschen Expressionismus der 20er Jahre, den Universal schon in den Horrorklassikern der 30er Jahre huldigte, klang in seinen Werken immer wieder durch das effektive Spiel von Licht und Schatten an. Schauplatz seiner Filme war mehrmals die Wüste. In dieser Umgebung konnte Arnold seinen Werken den gewünschten Grundton verleihen: Weite, Einsamkeit, eine tote, trostlose Welt, in der im Verborgenen doch die Gefahr lauerte, die den Unvorsichtigen zum Verhängnis werden sollte. Darüber hinaus thematisierte er in vielen seiner Filme wissenschaftlichen Fortschrittsglauben und deren unkontrollierbare Auswüchse.

Doch warum stießen gerade solche Themen auf ein gesteigertes Interesse beim Kinopublikum der frühen 50er Jahre? Um diese Frage zu beantworten, bedarf es eines kurzen Rückblicks. das Interesse des Kinopublikums in den frühen 50er Jahren?
Nachdem das Genre in den 30er Jahren, insbesondere durch Universal (Frankenstein, Dracula, Die Mumie, Der Unsichtbare) und MGM (Die Maske des Fu Manchu, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Freaks – Mißgestaltete), aufblühte, folgte in den 40er Jahren durch zahlreiche handwerklich minderwertige, billig produzierte Fortsetzungen der Universal-Klassiker der unaufhörliche Untergang. Der Wolfsmensch (1941), ein vergleichsweise schwacher Vertreter der erfolgreichen Universalwerke der 30er Jahre, das Horrorremake Arzt und Dämon (1941) und die Kooperation von Produzent Val Lewton mit Regisseur Jacques Tourneur (Katzenmenschen (1942), Ich folgte einem Zombie (1943)) waren einige der wenigen Glanzlichter in dieser an Höhepunkten armen Dekade des amerikanische Horrorfilms, der Mitte bis Ende der 40er Jahre nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwand.

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