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Jack Arnold, der SciFi- und Horrorfilmexperte

guggenheim (Nils P.), Veröffentlicht am 29.01.2013, 08:50

Filmkenner77 hat uns einen Text zugesendet, der von Jack Arnold handelt. Von wem? Leider ist dieser bedeutende Filmemacher nicht mehr so bekannt, wie er es verdient hätte. Dieser Beitrag ändert das hoffentlich.

Der Schrecken vom Amazonas Der Schrecken vom Amazonas © Universal/moviepilot

25 Jahre mag es nun her sein, dass ich als kleiner Junge von vielleicht 10 Jahren zum ersten Male einen Film von Jack Arnold gesehen habe. Es muss ein einprägsames Erlebnis gewesen sein, denn ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen. An einem Donnerstagabend im Rahmen einer Jack-Arnold-Reihe, die im Wochenrhythmus ausgestrahlt wurde, sah ich zusammen mit meinem Vater um 20:15 Uhr auf WDR 3 Der Schrecken vom Amazonas. Ein nur schwer zu durchdringender Dschungel, eine Handvoll Menschen auf einem alterschwachen Boot, das müde, aber unaufhaltsam einen entlegenen Flussarm des Amazonas hinunterschippert bis schließlich das Ziel der Reise, die “schwarze Lagune” erreicht wird. Dort stößt die Gruppe auf den prähistorischen Kiemenmenschen und die Geschichte nimmt in dieser unheilvollen Atmosphäre ihren Lauf. So habe ich dies damals als Kind wahrgenommen. Mittlerweile ist Der Schrecken vom Amazonas zu einer liebgewonnenen Erinnerung an vergangene Tage der Kindheit geworden. Immer, wenn ich ihn sehe, beschleicht mich dieses nostalgische Gefühl, das kaum in Worte zu fassen ist. Am ehesten wohl noch als Gefühl des einen stets begleitenden Momentums, in dem die Gewissheit des Vergänglichen doch unauslöschlich gegenwärtig ist.

Doch nähern wir uns diesem Jack Arnold an, der einige der eindrucksvollsten Science-Fiction- und Horrorfilme der 50er Jahre schuf. Jack Arnolds Todestag (1912 – 1992) jährt sich in diesem Jahre zum zwanzigsten Mal und längst gilt er als der vielleicht bedeutendste Genre-Regisseure jener Zeit. Nicht, weil die Geschichten, die er erzählte und meist selber schrieb, wesentlich besser waren als die vergleichbarer Werke, sondern weil er schlichtweg der fähigste und handwerklich beste B-Film Regisseur in diesem Genre war. Seine Vorliebe für den deutschen Expressionismus der 20er Jahre, den Universal schon in den Horrorklassikern der 30er Jahre huldigte, klang in seinen Werken immer wieder durch das effektive Spiel von Licht und Schatten an. Schauplatz seiner Filme war mehrmals die Wüste. In dieser Umgebung konnte Arnold seinen Werken den gewünschten Grundton verleihen: Weite, Einsamkeit, eine tote, trostlose Welt, in der im Verborgenen doch die Gefahr lauerte, die den Unvorsichtigen zum Verhängnis werden sollte. Darüber hinaus thematisierte er in vielen seiner Filme wissenschaftlichen Fortschrittsglauben und deren unkontrollierbare Auswüchse.

Doch warum stießen gerade solche Themen auf ein gesteigertes Interesse beim Kinopublikum der frühen 50er Jahre? Um diese Frage zu beantworten, bedarf es eines kurzen Rückblicks. das Interesse des Kinopublikums in den frühen 50er Jahren?
Nachdem das Genre in den 30er Jahren, insbesondere durch Universal (Frankenstein, Dracula, Die Mumie, Der Unsichtbare) und MGM (Die Maske des Fu Manchu, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Freaks – Mißgestaltete), aufblühte, folgte in den 40er Jahren durch zahlreiche handwerklich minderwertige, billig produzierte Fortsetzungen der Universal-Klassiker der unaufhörliche Untergang. Der Wolfsmensch (1941), ein vergleichsweise schwacher Vertreter der erfolgreichen Universalwerke der 30er Jahre, das Horrorremake Arzt und Dämon (1941) und die Kooperation von Produzent Val Lewton mit Regisseur Jacques Tourneur (Katzenmenschen (1942), Ich folgte einem Zombie (1943)) waren einige der wenigen Glanzlichter in dieser an Höhepunkten armen Dekade des amerikanische Horrorfilms, der Mitte bis Ende der 40er Jahre nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwand.


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Kommentare

über Jack Arnold, der SciFi- und Horrorfilmexperte


cpt. chaos

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Schön geschrieben und äußerst informativ - eine regelrechte Huldigung an diese nostalgische Filmgattung! Selbstverständlich habe ich ebenfalls diverse der von dir aufgezählten Filme gesehen, bei den meisten ist es inzwischen über dreißig Jahre her.
Einige hatte ich mir bereits vorgemerkt, manche konnte ich meiner Merkliste nochmal zufügen.
Übrigens habe selbst ich mittlerweile einige ältere Filme verhältnismäßig hoch bewertet - weißt ja, für mich ist schon ein Film, der von mir eine 7 bekommt etwas Besonderes, während anderweitig die gleiche Punktzahl vergeben wird, mit dem Kommntar: "Kann man sich mal ansehen, wenn gerade nichts Besseres läuft!"...

Jedenfalls ein prima Beitrag, dafür gibt´s von mir beide Daumen hoch! ;o)

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Filmkenner77

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Danke dir. Gerade erst gelesen.


cpt. chaos

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Ehre, wem Ehre gebührt!


nasenschleuder

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Sehr schön!

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Filmkenner77

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Danke.


el-deglabolo

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Sehr, Sehr cool! Ich bin auch eingefleischter Jack Arnold Fan. Besonders Mr. C finde ich echt genial!

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geroellheimer

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An die Donnerstag Abende kann ich mich auch noch erinnern. Vor dem Film gab es dann noch eine "Einführung" von Jack Arnold persönlich. "Schrecken schleicht durch die Nacht" ist vor ein paar Jahren ja nochmal im Free-TV gelaufen. Ich glaube auf "Das Vierte". Die anderen tauchen ja auch ab und zu mal irgendwo auf. Nur "Das Geheimnis des steinernen Monstres" ist schon seit ewigen Zeiten nicht mehr im frei empfangbaren gezeigt worden.
Genauso wie Montags Abends die uralten "Flash Gordon"- Serials mit Buster Crabbe gezeigt wurden. Zumindest im SWF (jetzt ja SWR). Muß so gegen 19.00 Uhr oder 19.30 gewesen sein. Aber die gibt es ja, erfreulicherweise, auf DVD.

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Filmkenner77

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Ich glaube, die "Einführungen" gab es immer erst nach den Filmen. Hier findest du noch zwei:
http://www.youtube.com/watch?v=jummLYeFt4I
http://www.youtube.com/watch?v=L4TUCKPapzQ
Sehr interessant, wie ich finde.

Flash Gordon habe ich damals auf RTL erstmals gesehen.


geroellheimer

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Jetzt wo Du es sagst, ist das durchaus möglich. Vorher waren damals ja eigentlich auch nur die Fernsehansagerinnen ;-)


HawkeyePierce

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Oh Mann, die öffentlich-rechtlichen 3. Programme waren damals vor rund 25-30 Jahren ein Hort voller wunderbarer Filme zu abendlicher Stunde. Mehr als 3 Programme gab es nicht und da waren diese Abende eine wunderbare Abwechslung zu den Mutantenstadeln und Traumschiffen der ARD und des ZDF.
Entweder waren es Audie Murphy- und Randolph Scott-Western oder die Filme Jack Arnolds!
Der Kiemenmensch war und ist immer noch geniales Gruselkino. Allein die Schwimmbewegungen und seine Art von unten aus den Pflanzen am Grund der Black Lagoon herauszukommen, um einen Taucher oder Schwimmer zu packen, sorgten echt dafür, dass ich lieber ins Schwimmbad ging, wo ich bis auf den Grund sehen konnte. Badeseen waren tabu!
Und über die Unheimlichkeit von "Tarantula" braucht man kein Wort zu verlieren - vor allem, wenn man Spinnen nicht leiden kann! Wenigstens bombt Clint Eastwood auch dieses Vieh weg!
Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel, der mich zurück an meine Kindheit und Jugend erinnert!

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Filmkenner77

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Es gab auch noch die Reihe mit allen Filmen des "Unsichtbaren" und die Frankenstein-Filme, die damals noch um 20.15 Uhr liefen. Herrliche Kindheitserinnerungen.


HawkeyePierce

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Oh ja, richtig! "Der Unsichtbare", "Der Unsichtbare kehrt zurück", usw. Herrlich! Und das auf meinem ersten Fernseher, der schwarz-weiß war und ne 33cm Diagonale hatte! Da hat s-w nie gestört! ;) Da geh ich doch gleich mal auf die Suche nach einer "Unsichtbaren-Box"!


xtheunknown

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jack arnold erzählt, die abende werde ich nie vergessen. die filme mag ich heute noch sehr und finde auch das sie im alter reifen. die filme haben so viel zu bieten das man es als kind nicht alles verstehen konnten.

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morlock

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Der Filmkenner macht seinem Namen alle Ehre.
Bin auch ein großer Jack Arnold-Fan. Neben John Carpenter einer der Größten des Genres. Filme wie Mr. C., der Kiemenmensch und Tarantula machen auch heute noch richtig Laune, trotz ihres Alters.
Tarantula finde ich besser als Formicula. In einem Interview hat Arnold mal angedeutet, dass er die Idee mit den Rieseninsekten/spinnen vorher hatte.
Dieser Film hat es mir besonders angetan, vielleicht auch weil ich den als Kind(1. oder 2. Klasse Grundschule)das erste Mal gesehen hatte und mich ganz schön gruselte.
Ich hatte mir dann immer vorgestellt, wie es wäre, wenn so ein Riesenvieh über die Dächer der benachbarten Häuser plötzlich krabbeln würde.

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Filmkenner77

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Stimmt. Aber den Text habe ich im Dezember eingereicht. ;-)


Filmkenner77

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Habe ich auch so verstanden. ;-) Meistens haben Texte einen Vorlauf von 1 bis 2 Monaten und man weiß nie, wann diese veröffentlicht werden. Von daher habe ich mich an das Entstehungsdatum des Textes gehalten. Und 20 hört sich auch besser an als 21. ;-)


Tina Scheidt

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Schön geschriebener Artikel! Auch ich habe schöne Kindheitserinnerungen an Jack Arnolds Werke und ganz besonders der Kiemenmann hatte es mir angetan. Schade, dass Jack Arnold so in Vergessenheit geraten ist!

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Filmkenner77

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Danke dir. Ich glaube, viele können noch etwas mit den Filmen anfangen, auch wenn der Name Arnold nicht mehr allen geläufig ist.


guggenheim

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