Justice League: Snyder-Cut-Sensation ebnet den Weg für die Zukunft des Kinos

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26.05.2020 - 09:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Nach Jahren des Hoffens wird der Snyder-Cut von Justice League tatsächlich veröffentlicht. Ein großer Schritt für das Verhältnis zwischen Kino und Streaming, dem weitere Beispiele folgen könnten.

Vor wenigen Tagen wurde eines der größten Film-Mysterien der jüngeren Vergangenheit plötzlich doch noch Realität. Nach Jahren, in denen sich Fans und Stars von Zack Snyders DC-Filmuniversum für dessen unveränderte Schnittfassung von Justice League eingesetzt haben, wird der Synder-Cut des Blockbusters nun tatsächlich veröffentlicht.

Von Warner soll Zack Snyder nochmal zwischen 20 und 30 Millionen US-Dollar bekommen, um seine persönliche Justice League-Vision fertigstellen zu können. 2021 wird der Snyder-Cut dann beim Warner-Streamingdienst HBO Max veröffentlicht, ersten Vermutungen zufolge entweder als rund 4-stündiger Film oder in kleinere Portionen aufgeteilt als Mini-Serie.

Genauso aufregend wie der Mythos rund um den Snyder-Cut selbst ist jetzt der Durchbruch dieser künstlerischen Vision. Viel wird so auch über den aktuellen Zustand der Kinolandschaft und zukünftige Veröffentlichungsstrategien erzählt.

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Der Snyder-Cut von Justice League ist eine Errungenschaft der Fans

Die Veröffentlichung des Snyder-Cuts durch Warner ist ein Meilenstein, was den modernen Einfluss der Fan-Kultur betrifft. In letzter Zeit gab es immer wieder mal ähnliche Entwicklungen, bei denen die Stimmen der Fans erhört wurden und wesentlich zur Veränderung eines Films beigetragen haben.

Ein Beispiel ist der Sonic the Hedgehog-Film, bei dem Fans nach der Veröffentlichung des ersten Trailer so lautstark gegen das Aussehen des blauen Igels gewettert haben, dass das Studio Paramount den Film verschoben und das Design der Figur nochmal überarbeitet haben.

Im Vergleich dazu wirkt der Snyder-Cut-Durchbruch aber noch deutlich gewaltiger. Hier wird kein Detail in einem geplanten Film überarbeitet, sondern ein komplett neues Werk veröffentlicht, das eigentlich schon sicher in den Untiefen eines Studio-Archivs begraben war.

Den größten Anteil daran trug ein einzelner Hashtag, der als #ReleasetheSnyderCut über Jahre regelmäßig in sozialen Netzwerken wie Twitter auftauchte und sich als massive Fan-Bewegung hinter die vorerst gescheiterte Justice League-Vision von Zack Snyder stellte.

Selbst Stars des Blockbusters wie Ben Affleck, Gal Gadot und Jason Momoa wurden schließlich auf den Hashtag aufmerksam und benutzten ihn ebenfalls, um sich mit den DC-Fans und dem Regisseur weiterhin zu solidarisieren.

In einem umfangreichen Artikel des Hollywood Reporters  bedankte sich Zack Snyder nach der offiziellen Snyder-Cut-Ankündigung erneut bei den Fans, ohne die dieser Schritt nicht möglich gewesen wäre, und betonte die Besonderheit dieser Entwicklung:

Diese Rückkehr zu den Wurzeln und die Verwirklichung meiner einzigartigen Vision meines Films in diesem Format und in dieser Länge ist beispiellos und ein mutiger Schritt.

Der Zustand der aktuellen Filmlandschaft wird durch den Snyder-Cut definiert

Die Entscheidung von Warner, den Snyder-Cut doch noch für den eigenen Streamingdienst zu veröffentlichen, ist für den Konzern auch ein taktischer Schritt, der viel über die aktuelle Filmlandschaft aussagt. Mehr und mehr agieren Streamingdienste wie Netflix längst auch als Filmstudios, die hinter großen Produktionen als Konkurrenz zum klassischen Kino-Modell stehen.

Auch Autor Travis Bean weist in einem Forbes-Artikel  auf die Sonderstellung von Warner hin, die das Unternehmen mit seinem neuen Streamingdienst HBO Max durch diesen Schritt einnimmt. Der Snyder-Cut von Justice League ist nicht einfach vergleichbar mit einer der vielen Originalproduktionen von Netflix, Amazon Prime oder Disney+.

Stattdessen erscheint auf dem Streamingdienst von Warner dann ein Werk, das im Hollywood-System von Warner selbst noch zurückgehalten wurde und von möglichst niemandem gesehen werden sollte. Die Entscheidung, den Snyder-Cut jetzt für den eigenen Streamingdienst zu veröffentlichen, sagt viel über den Zustand der gegenwärtigen Filmlandschaft aus.

Ein Comicfilm-Blockbuster, der als erster Teil eines geplanten Zweiteilers schon zwischen 3 und 4 Stunden lang ist und Zuschauer mit einem überwiegend düsteren, hoffnungslosen Tonfall konfrontieren soll, war im Kino 2017 noch undenkbar. Bei einem Streamingdienst im Jahr 2021 sind derartig gewagten, eigenwilligen Ansätzen keine Grenzen mehr gesetzt.

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Der Snyder-Cut von Justice League ist womöglich erst der Anfang

Die Veröffentlichung des Snyder-Cuts könnte jedoch erst den Beginn einer neuen Entwicklung markieren. Vielleicht kommt es dadurch zu einer ganzen Welle an nachträglich veröffentlichten Werken und vor allem Visionen, die unter erschwerten Bedingungen nie die Leinwand eines Kinos erblicken durften. Wer weiß, welche ungeahnten Schätze sich über die Jahrzehnte noch in den Archiven der Studios angesammelt haben.

Nach der offiziellen Ankündigung der Snyder-Cut-Veröffentlichung wurde auf Twitter direkt mehr oder weniger scherzhaft auch die Veröffentlichung von David Ayers Suicide Squad-Cut gefordert. Der DC-Blockbuster war von einem ähnlichen Schicksal wie Justice League betroffen und kam nur nach massiven Änderungen in die Kinos. Von der ursprünglichen Vision des Regisseurs ist selbst im etwas längeren Extended Cut des Films nicht mehr viel zu sehen.

Dass #ReleaseTheAyerCut aber nicht einfach nur ein Scherz auf Social Media-Plattformen ist, stellte David Ayer jetzt nochmal selbst klar. In einem Tweet antwortet er auf die Frage von Collider-Redakteur Steven Weintraub, ob Warner nicht auch Ayers Suicide Squad-Cut für HBO Max veröffentlichen könnte:

Das ist eine gute Frage. Meine Schnittfassung wäre leicht fertigzustellen. Es wäre eine unglaubliche Katharsis für mich. Es ist auslaugend, einen Arschtritt für einen Film zu bekommen, der kompletten zerschnitten wurde. Der Film, den ich gemacht habe, wurde niemals gesehen.

Um die eigene Position auf dem hart umkämpften Streaming-Markt weiter zu stärken, könnte Warner den Ayer-Cut von Suicide Squad auch noch für HBO Max veröffentlichen.

Tatsächlich könnte sich unter anderen Streamingdiensten und Studios hierdurch aber auch ein neuer Trend entwickeln, der künstlerischer Freiheit und persönlichen Stimmen im Filmgeschäft inmitten von risikoarmen Cinematic Universes, Franchises und Marken völlig neuen Aufschwung verleiht. Nur eben nicht mehr im Kino.

Wie schätzt ihr die Entwicklung und Bedeutung des Snyder-Cuts fürs Kino an sich ein?

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