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Karrierefrauen im Kino - eine Lachnummer?

SchnabelPower (Sophie Charlotte Rieger), Veröffentlicht am 19.07.2012, 08:50

Lady Vegas, der heute in unseren Kinos anläuft, erzählt die Erfolgsgeschichte einer Frau. Das ist ziemlich selten in Hollywood. Vom Tellerwäscher zum Millionär dürfen in der Regel nur Männer aufsteigen. Wieso eigentlich?

Rebecca Hall telefoniert sich in Lady Vegas zum Erfolg Rebecca Hall telefoniert sich in Lady Vegas zum Erfolg © Wild Bunch

Die US-Amerikaner sind stolz darauf, dass es in ihrem Land möglich ist, vom unterbezahlten Tellerwäscher zum berühmten Millionär aufzusteigen. Kein Wunder, dass diese Idee auch den Plot zahlreicher Filme bildet. Allerdings sind es in den meisten Fällen männliche Protagonisten, deren Erfolgsgeschichte erzählt wird. Und steht doch einmal eine Frau im Mittelpunkt, dann werden ihre Errungenschaften weggelacht. So ist auch die Hauptfigur in Lady Vegas kaum mehr als eine Witzfigur. Beth (Rebecca Hall) kommt mittellos und unbedarft ins große böse Las Vegas. Doch statt als Cocktail-Kellnerin durchzustarten (was für ein Karriereplan!), tritt sie eine Stelle bei dem Berufsspieler Dink (Bruce Willis) an. Was genau Beth eigentlich für diese Arbeit qualifiziert bleibt relativ unklar, auch wenn ihr grundsätzlich eine mathematische Begabung zugestanden wird. Viel wichtiger aber ist, dass es sich bei Lady Vegas um eine Komödie handelt und Beth des Publikum eher zum lachen bringt, als dass sie jemand bewundern würde. Und mit diesem Schicksal ist sie nicht alleine!

Von eiskalten Karriereristen und erfolgversprechenden Liebeleien
Im letzten halben Jahr bescherte uns Hollywood mit Die Kunst zu gewinnen – Moneyball und The Ides of March – Tage des Verrats gleich zwei Geschichten von Männern, die mit Hilfe von Geschäftssinn und Ehrgeiz die Karriereleiter erklimmen. In beiden Fällen wählten die Regisseure die Form des Dramas, um den Ereignissen den notwendigen Ernst zu verleihen. Ob Baseballmanager oder Polit-Berater, die porträtierten Männer nutzten ihre vielseitigen Fähigkeiten, um berufliche Erfolge einzufahren und damit das Publikum zu beeindrucken. Vergleichbare Filme, in denen Frauen die Hauptrollen spielen, suchte ich im Rahmen meiner Recherche vergebens. Mit viel Wohlwollen ließen sich noch am ehesten Einmal ist keinmal und Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum als Vergleiche heranziehen. Bei beiden handelt es sich jedoch nicht nur um Komödien, auch spielen die Liebesbeziehungen der Protagonistinnen eine weit größere Rolle als ihre berufliche Qualifikation.

Zugegeben: Es gibt auch rührselige Filme über männliche Aufsteiger. Das Paradebeispiel für den „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Plot ist wohl Das Streben nach Glück. Es hat eine Weile gedauert, bis ich hierfür eine weibliche Entsprechung gefunden habe und so ganz zufrieden bin ich mit dem Vergleich noch immer nicht. Doch in Manhattan Love Story lässt sich zumindest ein ähnlicher Ansatz entdecken: Jennifer Lopez beginnt als mittelloses Dienstmädchen und eröffnet am Ende des Films gar ihr eigene Firma. Jedoch ist dies im Gegensatz zu Will Smiths steinigem Weg zum Erfolg nicht ihren eigenen Fähigkeiten zuzuschreiben, sondern lediglich ihrer günstigen amourösen Verbindung zu einem Millionär. So handelt es sich bei Manhattan Love Story weniger um eine echte Erfolgsstory als mehr um ein sexistisches Märchen à la Pretty Woman.

Vom Aufstieg der Männer und Niedergang der Frauen
Widmen sich Kinofilme dem Portrait berühmter Persönlichkeiten, kann natürlich nicht auf Frauen verzichtet werden. Die eine oder andere Dame hat ja in der Tat Großes vollbracht und das will das Kino glücklicher Weise nicht vollkommen verschweigen. Vergleichen wir jedoch beispielsweise das Künstlerportrait Walk the Line mit dem französischen Pendant La Vie en rose fällt auf, dass ersteres Johnny Cash auf dem Höhepunkt seiner Karriere entlässt, während Edith Piafs filmische Biographie ihre Hauptfigur bis zum Tod begleitet. Auch Die Eiserne Lady, die wohl stärkste Kinofrau dieses Jahres, verkommt am Ende ihres Leinwandauftrittes zu einer dementen alten Oma. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit sportlichen Erfolgen auf der Leinwand. Russell Crowe gelingt in Das Comeback – Für eine zweite Chance ist es nie zu spät ein gefeiertes Box-Comeback, während Hilary Swank in Million Dollar Baby das Zeitliche segnen muss. Da drängt sich der Verdacht auf, dass der Erfolg von Frauen im Film nur dann akzeptabel ist, wenn der Zuschauer auch ihren Niedergang miterleben kann. Mit ihrem Tod ist die Welt wieder im Gleichgewicht, als wäre der bewundernswerte Weg der Protagonistin nur ein Ausrutscher des Universums gewesen.

Und was machen die deutschen Frauen so?
Die klassische Erfolgsgeschichte, wie die US-Amerikaner sie gerne verfilmen, ist in Deutschland schon aus rein kulturellen Gründen seltener. Und geht es doch mal um den beruflichen Aufstieg einer Filmfigur, wird dieser geschlechtsunabhängig gerne in eine Komödie gepackt. Einen Unterschied gibt es aber doch, denn während Bushido in Zeiten ändern Dich von niemand Geringerem als Uli Edel ein Portrait gewidmet wurde, warte ich noch immer vergeblich auf die filmische Biographie von Sabrina Setlur (ok, ob ich das wirklich sehen will ist eine andere Frage, aber hier geht es ums Prinzip!). Wenn überhaupt von Erfolgsstorys im deutschen Kino gesprochen werden kann, wäre auf der Männerseite als jüngstes Beispiel der Film Blutzbrüdaz zu nennen, in dem Sido in einer – natürlich vollkommen fiktiven – Geschichte, vom mittellosen Rapper zum Hip Hop Star aufsteigt. Erfolgreiche Frauen sahen wir im deutschen Film vor etwa einem Jahr in Eine ganz heiße Nummer. Was die kleine Feministin in mir dazu sagt, dass die Damen hier mit Telefonsex ans große Geld kommen, muss ich wohl nicht ausführen.

Sinn- und Ursachensuche: Wie viel Emanze darf „frau“ sein?
Vielleicht ist es ja vollkommen überflüssig, solche Vergleich anzustellen und sich über die Ergebnisse zu entrüsten. Als ich mit der Recherche für diesen Artikel begann, suchte ich hauptsächlich einen Aufhänger, um ein paar Zeilen zu Lady Vegas zu schreiben. Je mehr ich jedoch las, desto lauter schrie die kleine Feministin mir „Hängt sie!“ und trampelte mit ihrem „Frauen an die Macht“-Banner durch mein Kleinhirn. Aber Schreien und Meckern alleine reichen natürlich nicht aus. Viel wichtiger ist doch jetzt die Frage nach dem Warum. Es lässt sich ja nicht einmal behaupten, dass die erwähnten Filme über Frauen nur das Produkt männlicher Filmemacher seien. Phyllida Lloyd saß bei Die Eiserne Lady auf dem Regiestuhl und Julie Anne Robinson ist für Einmal ist keinmal verantwortlich. Aber was ist es dann, das Filmemacher davon abhält, ernstzunehmende Filme über erfolgreiche Frauen zu produzieren, die nicht mit dem Niedergang oder gar Tod ihrer Protagonistinnen enden? Ist die Konkurrenzfähigkeit weiblicher Karrieristinnen wirklich so bedrohlich, dass sie in der kulturellen Repräsentation verschwiegen oder kleingeredet werden muss? Ich mag das noch nicht so richtig glauben.

Immerhin – und mit diesem positiven Ausblick möchte ich hier enden – gibt es Grund zur Hoffnung. Mit Erin Brockovich hat Steven Soderbergh einst einen wirklich starken weiblichen Leinwandcharakter erschaffen, der sich mit Hilfe der eigenen Fähigkeiten hocharbeitet. Und The Help, wenn auch aus der Perspektive afroamerikanischer Frauen zweifelhaft, zeigt das erfolgreiche Wirken einer begabten Frau. Es gibt sie also, die Karrieristinnen. Vielleicht braucht das Kino einfach noch ein bisschen Zeit, sie angemessen darzustellen.

Welche beruflichen Erfolgsstorys weiblicher Leinwandcharaktere fallen Euch ein? Was glaubt Ihr, warum Karrierefrauen im Kino so rar sind?


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Emilio Arnau

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Nach der psychoanalytischen Abteilung der Filmtheorie wird die Frau in den Filmen Hollywoods stets als fetischisiertes Objekt der Begierde dargestellt; dabei befriedigt sie ein oder zwei der Urtriebe, Lust und Aggression. Das würde erklären weshalb weibliche Biographien mit dem Untergang beendet werden - allerdings muss ich auch sagen, dass mir dieser Weg eine Biographie zu beenden weitaus konsequenter und somit besser vorkommt als das übliche Rocky-Sieg-Faust-in-die-Höhe-Endstandbild.

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Flibbo

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Haha, die gute alte Gender-Diskussion. Ich werd mich hüten!
Na gut, nur so viel: Frauen kommen in Filmen allgemein weniger vor als Männer, achtet einfach mal drauf - daher gilt das auch für Karrierefrauen. Genauso wie Frauen in allen anderen Vorzeigepositionen des Lebens weniger vorkommen. Ist halt so, dumm gelaufen. Frauen ziehen tendentiell im Hintergrund die Fäden, muss ja auch jemand machen!

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Markbln

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Hier ein paar Tipps für Leute mit Nachholbedarf zum Thema:

Vergissmeinnicht 2010
Das Schmuckstück 2010
Up in the Air 2009
Beim ersten Mal 2007
Geheime Staatsaffären 2006
Krieg der Frauen 2006
Mein Weg zu dir 2003
Chocolat 2000
Single Bells 1997
Die akte Jane 1997
Female Perversions 1996
Grüne Tomaten 1991
Das Schweigen der Lämmer 1991
Working Girls 1988
Die Bankiersfrau 1980

abgesehen von den Spitzenkarrieren aus Denver Clan, Sex and the City, Club der Teufelinnen und den ganzen Biopics über weibliche Stars, die aus der Gosse kamen: Dreamgirls, Tina-Whats love got to do etc pp.

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Markbln

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Darum gings aber hier nicht.


FumerTue

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Worum ging es dann? Ich hab doch nur aus reinem Interesse mal wissen wollen, wie viele dieser Filme eigentlich eine Frau zum Regisseur hatten. Ist das jetzt verboten?


Ben Kenobi

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Schöner und leider in fast allen Punkten zutreffender Beitrag. Endlos lesenswerter als Mr. Vegas' Kolumne. Mehr davon!

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RobinliebtFilme

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Da hat wohl wieder jemand die Küchentür aufgelassen... ;)

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Markbln

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Ausgerechent die schlimmste Filme mit weiblichen Hauptakteuren zu nennen...ihh, da wirds einem ja schelcht.
Wo sind hier die Amzonen von Russ Meyer, die Dominas und Emanzen von Fassbinder, Tarantino, die Lesben aus L-Word, die Ripleys und erstmal die ganzen Kommissarinnen der deutschen Glotze?
Emanzipierte "Karriere" wird hier offenbar allein mit beruflichem Hochklettern im Job übersetzt. Wenn das mal nicht ne bürgerliche Sicht ist. Auf jeden Fall mir zu einseitig.
Weibliche Hauptfiguren sehe ich außerdem täglich und auch genug. Sowohl superstarke als auch supersscheiße. Genau wie beim männlichen Pendant.
Wenns um die Arbeitsbedingugen für Frauen im Fimbusiness geht, habe ich keine Ahnung. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

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TexasTomBoe

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http://www.youtube.com/watch?v=ZOb0bErcDyg&feature=related

nur für dich...


ihre-herrlichkeit

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Wunderschön.


ihre-herrlichkeit

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[ACHTUNG! SPOILER ZU THE WRESTLER!]
"Russell Crowe gelingt in Das Comeback – Für eine zweite Chance ist es nie zu spät ein gefeiertes Box-Comeback, während Hilary Swank in Million Dollar Baby das Zeitliche segnen muss." So ganz stimmt das nicht. Mickey Rourke hat in "The Wrestler" ebenfalls das Zeitliche gesegnet.
Aber im Groben gebe ich dir Recht. Das Problem sehe ich in folgenden Gründen:
- Verglichen mit Männern gibt es nach wie vor viel weniger erfolgreiche Frauen. Sei es, dass sie von sich aus weniger Motivation dazu haben oder dass die Chefetagen es nicht zulassen.
- Das Frauenbild ist nach wie vor verzerrt: Frauen werden entweder als eiskalte Monster (von der Leyen) dargestellt oder einfach nur als schutzbedürftige Zicken, die einfach nur die große Liebe und anschließend im besten Falle noch zum Mutterglück finden müssen, um von ihrer "wahnwitzigen" Karriereidee abzuspringen.
- Niemand interessiert sich für erfolgreiche Frauen. Frauen haben weiterhin in Filmen einfach nur gut auszusehen. Erfolgreiche, gut aussehende Frauen sind selten. Die meisten Frauen schaffen es zwar, aufgrund ihrer Attraktivität bei bestimmten Positionen bevorzugt zu werden, aber ganz oben sitzen eher unterdurchschnittlich attraktive Frauen, da diese das sensible Männersystem weniger "durcheinander" bringen können. Siehe Merkel. Ist mal doch eine attraktive Frau dabei, ist sie eine Maschine wie die von der Leyen.

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ihre-herrlichkeit

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Das ist Geschmackssache. Ich bin mir sicher, dass einige Männer sie attraktiv finden würden, wäre sie nicht so unsympathisch und kalt.


Andy Dufresne

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Gut möglich.Wenn sie nett wäre, wäre sie schon ne gute Pertie für jemanden in ihrem Alter, aber eine MILF wäre sie trotzdem nicht :D


stalker

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Karrierefrauen im Kino, muss das sein? All die Karrieremänner sind doch schon schlimm genug.

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Punsha

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Also ich wäre froh darüber, wenn ich den ganzen Tag zu Hause wäre, essen kochen und mich um die Kinder kümmern könnte, während der Mann das Geld einbringt.

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ihre-herrlichkeit

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Ichundso: Du bist soooo kluk! ♥


*frenzy_punk<3

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Da will ich ihre-herrlichkeit mal zustimmen.
Ich persönlich würde ja drauf gehen mit nur einem Kind im Haus. Oder das Kind würde drauf gehen weil ich mit Kindern überhaupt gar nichts anfangen kann. :(
Klar ist es schön, daheim zu sein aber offen gestanden kann das auch ziemlich fad werden. Außerdem bin ich jemand der Freiheit liebt und von irgendjemanden abhängig sein zu müssen wäre die Hölle für mich :)

ach und Punsha: Sind Emanzipationsdebatten nicht spannend? ;)


Ichundso

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Dieses Phänomen ist wohl eher symptomatisch für die Frauendarstellungen in Hollywood insgesamt, aber genau da liegt ja das Problem. Es gibt den sogenannten Bechtel-Test, den ein Film nur dann besteht, wenn sich irgendwann im Film zwei weibliche Charaktere mit Namen auch nur ein paar Sekunden über etwas anderes als Männer unterhalten. Von den 9 oscarnominierten Filmen letztes Jahr haben ganze 2 den Test bestanden. Geschichten über Frauen sind immer noch eine Seltenheit und selbst wenn sie hin und wieder ein paar coole Sprüche ablassen können, kommen viele Rollen über Eyecandy-Status nicht hinaus. Und wenn mal ein Film über einen starken weiblichen Hauptcharakter gedreht wird, der genauso wie alle Menschen seine Fehler hat, Dinge falsch sieht und vorlaut ist, dann kommen wieder die ganzen Männlichkeitspenner aus ihren Löchern und schreien: Feministischer Scheiß und Rotzgöre und was weiß ich. Juno hat es vorgemacht.

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Kängufant

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Ich glaube, es ist noch einen Tacken schlimmer als die Reaktion eines ach so männlichen Publikums: Wenn mal ein Film mit einer starken, nicht übersexualisiert und auf Männer zugeschnittenen Frau erfolgreich ist - dann wird von Filmbossen immer noch kein Grund gesehen, die üblichen Darstellungsmuster mal zu überdenken, denn das war ja nur ein Zufallstreffer.


Lorion42

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Danke für den Verweis auch den Bechdel-Test! Großartiger Test und erschreckende Ergebnisse. Gibt es sogar eine OnlineDatenbank zu... immerhin bestehen 53% der Filme den Test *g*


doctorgonzo

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In "Fast Food Family" spielt Christina Applegate eine Highschoolschülerin, die auf Umwegen auch Karriere macht, es ist zwar eine etwas platte Komödie, aber der Charakter ist deutlich sympathischer als wenn Julia Roberts als Anwaltsgehilfin rumläuft.

Des Pudels Kern hat sicherlich auch was mit der Ökonomie Hollywoods zu tun. Vom durchschnittlichen Kinopärchen geht oft maximal die weibliche Hälfte in einen Film mit weiblicher Hauptfigur (selbst bei "Million Dollar Baby" waren die beiden markanten alten Säcke ja die eigentliche Attraktion). Und wenn sie überhaupt in einen Film gehen, in dem es primär um Karriere und weniger um Action und Romantik geht, dann eben eher in einen mit männlicher Hauptfigur und möglicherweise einen niedlichen weiblichen Co Star, oder das, was der Durchschnitt als niedlich erachtet.

Dass aber die innere Feministin der Autorin sich ausgerechnet daran hochziehen kann, dass in der leichten Komödie "Eine ganz heiße Nummer" Frauen (aus eigenem Antrieb und in Eigenregie) mit Telefonsex Geld machen, stößt mir ein wenig negativ auf. Sollen Filme in der Konnotation Sex/Geld weiterhin exklusiv schmierige Luden mit bescheuerten Outfits und Mercedes Cabrios zeigen oder sind wir soweit, dass Frauen (auch in Filmen) ihre eigenen Entscheidungen treffen können, womit sie Geld verdienen, selbst wenn es "Sex" ist?

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SchnabelPower

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Nun ja, generell würde ich mich mehr über einen Film freuen, in dem weibliche Charaktere Karriere machen, ohne dabei auf ihre sexuelle Anziehungskraft zurückzugreifen. Wenn eine Frau durch Intelligenz und Qualifikation die Erfolgsleiter erklettert, ist das in meinen Augen etwas ganz anderes, als wenn sie besonders professionell in den Hörer stöhnt.


doctorgonzo

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Das ist doch zumindest eine greifbare Aussage. Da gehe ich soweit mit, obwohl durchaus nicht frei von Können ist, wenn die Damen im angesprochenen Film soetwas aufziehen. Der ursprüngliche Post Deinerseits klang da schon eher nach einer Anklage im "Emma" Stil, danke für die Relativierung.


Tina Scheidt

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Hättest du den Vergleich bei Manhattan Lovestory nicht selbst gebracht, ich hätte es dir mit Sicherheit vorgeworfen. Der Vergleich hinkt ja wohl wirklich auf allen vieren ;-)
Und mir schwebte die ganze Zeit beim Lesen Erin Brockovich vor, mit der du ja den "Sack zugemacht" hast.
Sehr schön geschriebener Artikel, der genau das aufgreift, was mir schon lange durch den Kopf geht.
Anne Hathawy muss selbsredent erkennen, wie sehr sie sich zum Negtiven hin verändert hat ("Der Teufel trägt Prada") und muss ihre Karriere quais aufgeben. Tolle Freunde und tolle Sicht auf ihre Entwicklung!
Aber da wären noch Melanie Griffith und Sigourney Weaver in "Die Waffen der Frauen", die um das Herz von Harrson Ford und um ihre Karriere kämpfen. Die eine erfolgreich, die andere weniger. Ok, man könnte hier vorwerfen, dass Melanie ihre Karriere nur durch die Hilfe und Unterstützung von Harrison Ford und dann noch eines von ihr beeindruckten Partners von Harrsion erhält. Dennoch macht hier eine Frau Karriere.
E-mail für dich zeigt, wie eine Buchladenbesitzerin (Meg Ryan) gegen den Buchriesen Tom Hanks zuerst unterliegt, aber zum Schluss hin sieht man, dass "Die ganze Stadt ihren Namen geflüstert hat", die Jobangebote nur so ins Haus flattern und sie sehr viele Möglichkeiten hat, sich zu verwirklichen und Karriere zu machen. Aber es wird sehr offen gehalten.
Ganz klar sehe auch ich, wie sehr die Männer eher die Karrieren machen als die Frauen und mir wollen keine Filme mehr einfallen, wo dem entgegengewirkt wird. Ich halte dein Banner mit in die Höhe! ;-)

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ihre-herrlichkeit

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Wenn Frauen erfolgreich sind, dann im Modebusiness (süßes Püppchen mit Rehaugen und guck mal, wie gut ihr die Sachen stehen) oder als "große Schauspielerin/Star" (Coyote Ugly). Brech.


Tina Scheidt

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Die Schauspielerinnen, die auch mal andere Rollen erhalten oder auch wenn sie älter werden noch gute Angeboten bekommen, kanns du meist an den Fingern einer Hand abzählen. Leider.


martin89

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Ich hätte auch nichts gegen mehr Filme wie Erin Brockovich, wenn sie gut sind.

Aber du hättest in deinem Text vllt auch Filme wie About Schmidt oder There Will Be Blood erwähnen können, in denen der Aufstieg von Männern kritisch dargestellt wird.

Ansonsten hat das ganze schon seine Ursache, glaube ich. Frauen sind nun mal immer noch die Mütter und Kinderaufzieher, was so auch einen natürlichen Ursprung hat und darum gibt es eben weniger weibliche Autoren und Regisseure -> weniger weibliche Hauptfiguren.

Wird sich wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten weiter ändern.

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Lorion42

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Aufstieg und Fall gibt es auch bei Männern zu Genüge. Sind auch meist interessantere Geschichten als solche, die sich nur um den Aufstieg drehen. Wäre Million Dollar Baby wie Rocky wäre er nichts besonderes mehr und untergegangen. Erst durch den Fall wird der Geschichte etwas hinzugefügt, das wirklich besonders ist.
Insgesamt gibt es relativ wenig neuere Filme, die sich nur um den Aufstieg drehen. Dazu kommt, dass Frauen einfach viel seltener Hauptfigur sind.

Dass die meisten Hauptfiguren männlich sind, hängt mMn damit zusammen, dass die meisten Drehbuchautoren männlich sind. Autoren schreiben meistens von Figuren des eigenen Geschlechts. Figuren des anderen Geschlechts kommen oft unglaubwürdig herüber.

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