Meckern über die 60. BerlinaleBearbeiten

Veröffentlicht am 22.02.2010, 09:35

Gestern ging die 60. Berlinale mit dem Publikumstag vorbei und allerorten sind Bilanzen der Kritiker zu lesen. Die lassen kein gutes Haar am Wettbewerb: Die Berlinale würde sich immer mehr selbst ins Abseits stellen.

Der Goldene Bär Der Goldene Bär © Berlinale

Glamour fehlte auf der 60. Berlinale. Zwar waren Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio da, um ihren Film Shutter Island außer Konkurrenz vorzustellen, auch Shahrukh Khan liess sich blicken: Das war es dann aber schon. Glanz und Glamour vermissen die Filmkritiker aber nicht, es ist eher die fehlende Filmkunst, die ihnen aufstösst.

Zwar freut sich Michael Althen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über den Gewinnerfilm Bal – Honey, der immerhin noch akzeptabel ist, aber Filmgeschichte schreibt die Berlinale nicht. Ihm fehlt es bei der Wettbewerbs-Auswahl an Ambition, “irgendetwas Neues zu entdecken oder auch nur Anschluss zu halten an Entwicklungen oder Namen, zu denen man im Einzelnen stehen kann, wie man will, die aber zumindest von einer Mehrheit derer, die sich dafür interessieren, weltweit für relevant gehalten werden.”

Dominik Kamalzadeh vom Standard sieht es ähnlich: “Anders als die Auswahl anderer größerer A-Festivals ist jene der Berlinale eine, welche die Dynamiken des Weltkinos nur unzureichend wiedergibt. Zu wenige Regisseure mit unverwechselbarem Stil treffen auf zu viele Varianten eines Kinos, das sich in Beliebigkeit erschöpft, kaum etwas riskiert.” Für Anke Westphal von der Berliner Zeitung gibt es keine “Entschuldigung für die Vielzahl eher lauer Filme im Wettbewerb des Jubiläumsjahrgangs. Nicht selten gibt sich die Berlinale nämlich mit der dritten Wahl einer inzwischen nur zweiten Regie-Liga zufrieden.”

Auch Cristina Nord von der taz ist enttäuscht. Für sie überwog das Belanglose das Anregende bei weitem. “Das Traurige daran ist, dass dies seit Jahren so geht. Dieter Kosslick und sein Auswahlteam setzen zu oft auf den Thesenfilm statt auf den in Bildern denkenden Film, zu oft auf das Offenkundige statt auf das Subtile, zu oft auf gemütliches Arthouse statt auf herausforderndes Autorenkino.” In die gleiche Kerbe schlägt Rüdiger Suchsland auf Artechock “Insgesamt fällt die Bilanz des Gesamtfestivals einmal mehr mau aus: An die enttäuschenden Wettbewerbe, die eher Kino-Moden nachrennen – drei Jahre nach Cannes liefen und gewannen nun auch in Berlin rumänische Filme – als sie zu begründen und Neues zu entdecken, hat man sich unter Dieter Kosslick leider gewöhnen müssen. Schwerer wiegt der generelle Bedeutungsverlust des Festivals im Vergleich zu Cannes und Venedig.”

Was meint Ihr? Ist das Meckern auf höhem Niveau? Oder ist die ganze Kritik an der Berlinale gerechtfertigt?


Ines Walk (Ines Walk)

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Julio Sacchi

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Es waren übrigens auch Brosnan und McGregor da. Julianne Moore. Amanda Peet. Für die Starfuckers da draußen.

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alanger

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und depardieu, swinton...

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alanger

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der wettbewrb hat mich in den letzten jahren auch kaum interessiert (die filme die ich hätte sehen wollen kamen eh ins kino). ich habe dieses jahr nur einen film auf der ganzen berlinale sehen können und der war aus dem wettbewerb und den fand ich gruslig (ich weiß schon nichtmehr wie der heißt ...episodenfilm über muslime in deutschland). viel toller fand ich immer die retro (zb. obwohl ich nicht DER kubrick-fan bin fand ichs klasse das alles auf großer leinwand zu sehen, vor 6/7? jahren oder im letzten jahr die 70mm filme), die specials, das forum. da hat mich aber diesmal wenig gerissen, leider.


alanger

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ups, überschnitten. sorry.


Chuchaqui

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Letztlich folgt nun einmal auch das Filmgeschäft einer kapitalistischen Logik. So werden die ambitionierten Hollywood-Produktion nicht nach Berlin kommen, wenn sie sich nicht für den Oscar disqualifizieren wollen und die großen Autorenfilmer werden nicht freiwillig auf die Chance verzichten, ihre neuen Werke in Cannes vorzustellen. Das Problem mit dem mauen Wettbewerb, so fürchte ich, liegt weniger in einer falschen Auswahl der Berlinale-Macher, sondern daran, dass wirklich große Filme gar nicht mehr eingereicht werden.

Die Nörgelei daran geht mir etwas auf die Nerven. Gerade die Filmkritik zeigt sich zu jeder Berlinale in ihrer schlechtesten Verfassung, beschwert sich über mangelnde Qualität, lässt sich kaum noch auf Filme ein und findet letztlich alles belanglos, was nicht der ganz große Wurf ist. In vielen "Kritiken" wird mehr über das Festival gejammert als über den zu besprochenen Film gesprochen. Die Berlinale hat sicherlich an Bedeutung verloren und wird es leider auch weiterhin tun, Spaß macht sie trotzdem noch und bietet über alle Sektionen hinweg noch immer viel starkes Kino. Die Kritik am Hauptwettbewerb mag berechtigt sein, ist aber meist nicht weniger plump ausformuliert als ihr Gegenstand.

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alanger

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wobei deutschland ja kein unwichtiger filmmarkt ist, sowohl was die reine kinoauswertung als auch den dvd/blurayerlös betrifft, bzw. die tv-rechte angeht. wenns also um wirtschaftliche zwänge geht könnte man das besser in die waagschale werfen. oder aber sich anders profilieren. ick wees es doch ooch nich.
auf jeden fall sind filme wie "dear hunters" oder "ai no korīda" leider nicht mehr im wettbewerb zu finden.


davidpm

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Ich kann das chronische Genörgel der Presse langsam nicht mehr hören. Ja, es stimmt, in Cannes sind viele namhafte Regisseure an der Tagesordnung im Wettbewerb. Als Festivalbesucher habe ich dort aber keine große Chance, den Premieren beizuwohnen. Anders ist dies auf der Berlinale. Ich habe mir viele Filme angesehen, auch viele aus dem Wettbewerb. Es waren schlechte dabei, so zum Beispiel Shahada, den 'alanger' wohl meinte, aber auch der prominent besetzte Greenberg mit Ben Stiller. Es waren aber auch großartige oder zumindest sehenswerte Filme ("If I Want To Whistle I Whistle", "Der Räuber", "Na Putu") dabei, die auf dem internationalen Filmmarkt vielleicht keine große Chance haben, aber interessiert mich das als Festivalbesucher? So habe ich doch die einmalige Chance, im Original, in technisch sehr gut ausgerüsteten Kinos mit großer Leinwand Filme zu sehen, die mir - wenn überhaupt - im Anschluss auf kleinen Leinwänden gezeigt werden. Tarantino und Jarmusch dagegen kommen eh ins Kino.
Losgelöst vom Wettbewerb waren vor allem in der Forumssektion z.B. mit "Winter's Bone", "Orly" oder "Im Schatten" fantastische Filme dabei. Meiner Meinung nach kann man also nach wie vor elf Tage lang tolle Filme sehen. Nach welchen Kriterien die Zuordnung zu den Sektionen erfolgt, ist mir auch manchmal schleierhaft, und so ist der Wettbewerb nicht das Maß aller Dinge, teilweise schlechter als das Forum. Aber ein solcher Abgesang auf den Wettbewerb ist doch unverdient. Einen Wunsch hätte ich aber auch für die Zukunft, vor allem für den Wettbewerb: Kino darf auch mal leicht sein, es wird dadurch nicht trivial. Auch ohne Missbrauch, Mord und Drogensucht, kann ein Film gut sein. Trotzdem: Mir hat's gefallen! Gerne wieder.

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