Jahresrückblick 2012

Mein Schauspieler des Jahres - Channing Tatum

Mein Star des Jahres - Channing Tatum
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Mein Star des Jahres - Channing Tatum

Diesseits von RPattz und KStew gibt es in gewissen nicht näher genannten Filmcommunities kaum verhasstere Schauspieler als Channing Tatum. Irgendwas an dem in Alabama geborenen und in Mississippi und Florida aufgewachsenen Ex-Model und Nun-Filmstar ruft bei manchen Cineasten offenbar eine automatischen Abstoßreaktion hervor, als hätte sich da ein Fremdkörper in den Film gestohlen, der gleich wieder hinausbugsiert werden muss. Zugegeben, vor etwa zwölf Monaten ging es mir ganz ähnlich. Doch 2012, das inoffizielle Jahr des Channing Tatum, hat mich eines besseren belehrt.

Als bekannt wurde, dass Channing Tatum zum neuen Darling von Steven Soderbergh aufgestiegen war und die beiden gleich mehrere Filmprojekte miteinander verwirklichen wollten, wurde mir zunächst einmal schlecht. Doch Soderbergh, der schon Pornostars und MMA-Kämpfer in Hauptdarsteller verwandelt hatte, bewies einmal mehr sein Casting-Talent. In Haywire ließ sich Charming Potato gleich in der ersten Sequenz stilvoll von Gina Carano vermöbeln, keine Selbstverständlichkeit für einen angehenden Actionstar. Unter der Regie von Soderbergh entspannte sich Tatum nämlich spürbar vor der Kamera, was in Magic Mike unübersehbar Früchte trug.

Der von Tatums Erfahrungen inspirierte Stripper-Film mutierte zu einem der Überraschungserfolge der vergangenen Monate. Magic Mike schmeichelte seinen physischen wie schauspielerischen Talenten. Magic Mike bildete die ideale Gelegenheit, um sich abseits effektschwangerer Blockbuster ein Image zu festigen, ein Schritt, an dem viele Konkurrenten scheitern. Wie Channing Tatum auch gibt sich Mike als Junge von nebenan, der mit seinem Äußeren punktet, ohne, wie ein Alex Pettyfer, zum langweiligen Schnösel zu verblassen. Tatums Sex Appeal ist spätestens seit diesem Jahr amtlich (obwohl es viele nicht nachvollziehen können). Trotzdem wirkt der Mann, der auch mal zugibt schauspielerische Defizite zu besitzen, nahbar. Wichtiger noch: Wie Mike, der von seiner eigenen Firma träumt, hat Tatum einen Plan.

Ein Star zu werden in Hollywood, scheint einfach, einer zu bleiben, um so schwerer. Mit Magic Mike, Haywire und dem kommenden Side Effects hat sich Channing Tatum zur Soderbergh-Muse hochgearbeitet. Dass er willens ist, gewohnte Pfade zu verlassen, bewies er dieses Jahr außerdem mit 21 Jump Street an der Seite von Jonah Hill, der viel amüsanter ausfiel, als es das Remake einer 80er Jahre Serie eigentlich verdient. Hier wie auch als Host von Saturday Night Live nahm er sein Jock-Image auf die Schippe und legte eine Selbstironie an den Tag, die andere Stars erst viel zu spät in ihrer Karriere für sich entdecken (siehe Tom Cruise in Tropic Thunder).

Obwohl oder gerade weil er kontinuierlich unterschätzt wird, hat Channing Tatum dieses Jahr durch geschickte Karriereplanung den Sprung in die A-List der Hollywood-Stars geschafft. Dem Franchise-Eintrag G.I. Joe: Die Abrechnung wurden gar Reshoots zuteil, um Tatums Rolle zu vergrößern. Das mag als Sinnbild dieses Aufstiegs gelesen werden. Denn trotz der beteiligten großen Namen wie Bruce Willis und Dwayne Johnson sollen sich offenbar alle Chancen auf ein Tatum-zentrisches Sequel offengehalten werden. 2012 dürfte ihn noch nicht in einen Oscar-Kandidaten verwandelt haben und wahrscheinlich ist das gar nicht nötig. Der unaufhaltsame, aber sympathische Aufstieg des bodenständigen Channing Tatum nötigt gerade vor dem Hintergrund der schnelllebigen Hollywood-Maschinerie Respekt ab.

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