Jahresrückblick 2012

Meine Schauspielerin des Jahres - Charlize Theron

Mein Star des Jahres - Charlize Theron
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Mein Star des Jahres - Charlize Theron

Ich muss gestehen: Mir ist gar nicht aufgefallen, dass Charlize Theron Ende 2011 aus einer mehrjährigen Karrierepause auf die Leinwand zurückkehrte. Wahrscheinlich trägt der späte deutsche Start von The Road daran eine Mitschuld. Wie dem auch sei, die vergangenen 12 Monate kommen einem im Nachhinein nicht wie ein Comeback vor, sondern eher so als würde sich eine Meisterin mal wieder im Turniebetrieb die Ehre geben, weil sie es… kann. Mit Young Adult, Snow White and the Huntsman und Prometheus – Dunkle Zeichen lieferte sie einen Dreischlag ab, der ihre Vermögen belegte, nahtlos zwischen Over the Top-Blockbustern und schwierigen Charakterrollen hin und her zu springen.

Charlize Theron 2012 zur Schauspielerin des Jahres zu ernennen, gleicht dem Zuspätkommen zu einer Party, die schon als MySpace-Geheimtipp die Runde machte. Mit ihrem Oscar für Monster sorgte sie bereits 2003 für Wirbel. Doch wie bei vielen preisgekrönten, noch nicht in der Ruhe des Alters angekommenen Darstellern stieß mich damals ihr Arbeitsethos ab. Im Grunde glich sie Russell Crowe, der einige Jahre wie der ernsthafteste Mann in Hollywood daherkam und in so gut wie jeder Rolle nach einer Goldstatuette schrie. Nichts langweilt allerdings mehr, als bei einem Film zu merken, wie sehr sich ein Darsteller anstrengt. Charlize Theron ist allerdings noch nicht auf das The Man with the Iron Fists -Level an Spielfreude angekommen, das der frühere Gladiator gerade beherbergt. Vielleicht ist das auch besser so.

Im Blockbuster Snow White and the Huntsman gab sie dieses Jahr immerhin schon köstlich überdreht die böse Hexe, die mit der jungen Konkurrenz (Kristen Stewart) nicht zu Rande kommt. Wer könnte es ihr verübeln? Wie sie da in einer One-Woman-Show vor ihrem CGI-Spiegel das ganze Drama einer alternden Frau offenbart, die weder Status noch Jugend hinter sich lassen kann, hebt ihre Leistung zugleich ab vom üblichen Overacting-Spaß, den sich andere Stars in ähnlich großen Produktionen leisten. Dass dem überstilisierten Märchen überhaupt Leben innewohnt, ist zu großen Teilen der geborenen Südafrikanerin zu verdanken.

Charlize Theron scheut die abstoßenden, die kalten Figuren nicht. Das wissen wir spätestens seit Monster. Damit dürfte sie eine Nische für Altersrollen entdeckt haben, die bei Frauen in Hollywood ja leider schon ab 40 ansetzen. In Prometheus war sie als robotergleiche Meredith Vickers zu sehen, das berechnende, rationale Gegenstück zur träumerischen Heldin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace). Aus dem Kälteschlaf erwacht, ergibt sich die herrische Vickers erst einmal in Liegestützen, während der erst später untermauerte Ehrgeiz aus jeder Pore ihres Körpers tropft. Vielmehr als der ebenfalls nicht ganz unbescholtene Android David (Michael Fassbender) gleicht Vickers dem menschenförmigen Automaten Ash (Ian Holm) in Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt.

Dank des deutschen Kinostarts bleibt Young Adult von Jason Reitman jedoch die Rolle des Jahres für Charlize Theron. Der Film über eine Jugendbuchautorin, die in ihrer Heimat wieder mit einer alten Liebe anbandeln will, steht und fällt mit seiner Hauptdarstellerin. Ohne Rücksicht auf Verluste wird auch in diesem Film mit dem (weiblichen) Altern abgerechnet, wobei die Sympathie zur Heldin Mavis schnell auf der Strecke zu bleiben droht. Dass wir ihren verbalen Ausfällen auf diesem Selbstfindungstrip ohne Endstation gewogen bleiben, liegt vor allem an Charlize Theron. Die spielt, ohne um Mitleid zu heischen, ihre Figur als Mensch und nicht als Pointenquelle eines starken Drehbuchs. Young Adult bekräftigt auf jeden Fall, dass die Oscar-Preisträgerin weder eines Diätmarathons bedarf, noch eines Kilos Maske, um die Narben auf einer Seele zu entblößen. Deswegen küre ich sie zu meiner Schauspielerin des Jahres 2012.

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