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Nicolas Cage - Nachruf auf eine Karriere

the gaffer (Jenny Jecke), Veröffentlicht am 11.01.2011, 08:50

Nach der Kritikerschelte ist Season of the Witch mit Nicolas Cage nun auch ein kommerzieller Misserfolg. Während die Welt ein neues Trashspektakel wittert, trauern wir um ein großes Schauspieltalent.

Nicolas Cage in Season the the Witch Nicolas Cage in Season the the Witch © Relativity Media

Es begab sich zu einer Zeit, da gewann Nicolas Cage einen Oscar für Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod . Wir schrieben das Jahr 1995. Der Neffe des Regie-Gotts Francis Ford Coppola hatte zuvor mit David Lynch, Joel und Ethan Coen und Norman Jewison gedreht. Er hat die grauenvollen Folgen des Alkoholismus unvergesslich auf die Leinwand gebracht und uns in Arizona Junior zum Lachen animiert. Kurz gesagt: Nicolas Cage war auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt und noch längst nicht das Gespött der ganzen Film-Community geworden. Ein Blick auf das Einspielergebnis seines neuen Films Der letzte Tempelritter und, was noch mehr schmerzt, auf die Kritiken, fordert heute jedoch nur ein trauriges Fazit: Nicolas Cage hat entweder sein Mojo verloren oder braucht ganz dringend Geld.

Die Sache mit dem Geld ist gar nicht so abwegig. Einige Millionen Dollar schuldet Nicolas Cage der US-Steuerbehörde IRS. Immobliengeschäfte und übertriebenes Shopping sind Schuld an den finanziellen Problemen. Der Mann besaß schließlich mal ein bayrisches Schloss! Doch kann das als Ausrede für mieses Overacting und/oder Lustlosigkeit in unterirdischen Projekten durchgehen? Kann das der Grund dafür sein, dass mehr Menschen über seine Frisur reden, als über seinen Job?

Begeben wir uns also zurück zu jenem schicksalhaften Moment im Jahre 1995. Von den Kritikern gelobt, von den Oscars verwöhnt, dachte sich Nicolas Cage, dass es eigentlich ziemlich cool ist, verdammt viel Geld zu verdienen. Dass tiefschürfende Dramen meist nur dürftige Schecks liefern, wissen wir alle und auch Nic wusste ganz genau Bescheid. So kam es schon im folgenden Jahr zu einer wundersamen Mutation: Aus Nicolas Cage, dem Schauspieler, wurde Nicolas Cage, der Actionheld. Die Blockbuster-Trias The Rock – Fels der Entscheidung, Con Air und Im Körper des Feindes folgte und seitdem müssen wir ambitionierte Projekte wie die Nadel im Heuhaufen seiner Filmografie suchen.

Klar, Nicolas Cage drehte auch mal mit Martin Scorsese (Bringing Out the Dead – Nächte der Erinnerung), aber immer häufiger überwog im neuen Jahrtausend die Anzahl unansehbarer Action- und Familienfilme diejenige der Lichtblicke. Spätestens mit dem überaus sinnlosen Remake Wicker Man – Ritual des Bösen im Jahr 2006 begann dann seine haarige Talfahrt. In all ihren Facetten brachte und bringt diese die Internetgemeinde zum Lachen, während sich die Kritiker im Kinosessel winden. Wer kennt nicht die Zusammenstellungen der Frisurenexzesse des Herrn Cage? Der Mann ist endgültig zur Lachnummer geworden, wie erst kürzlich das Video Nicolas Cage Losing His Shit bewies.

Einen der am besten bezahlten Hollywoodstars zu bedauern, fällt schwer. Angesichts seines offensichtlichen Talents gilt es dennoch, ein paar cineastische Tränen für den Mann zu vergießen, der uns vor nicht allzu langer Zeit in Adaption gleich doppelt begeisterte. Die Zukunft jedenfalls sieht nicht rosig aus. Im Internet hat Nicolas Cage seine Würde längst verloren. Dass er daran nicht ganz unschuldig ist, bestätigen leider auch seine anstehenden Rollen. Statt im Fahrwasser der positiven Resonanz auf Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen weiter zu arbeiten, dreht Nicolas Cage Actionschwachsinn wie Drive Angry und das mit Abstand überflüssigste Sequel der letzten Jahre: Ghost Rider 2: Spirit of Vengeance. Wir können also nur hoffen, dass Nicolas Cage irgendwan einmal eine Millionenspende zuteil wird, die alle seine Schulden beseitigt. Oder eine deftige Standpauke.

Bis dahin bleibt uns nur die Spekulation. Gibt es noch Hoffnung für Nicolas Cage?


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