Ohne Marvel wäre Black Panther: Wakanda Forever ein Meisterwerk

Black Panther: Wakanda ForeverDisney
12.11.2022 - 08:30 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Wie geht Black Panther ohne Chadwick Boseman weiter? Wakanda Forever findet eine beeindruckende Antwort – die leider vom MCU überschattet wird.

Dass Black Panther: Wakanda Forever seit dem 09. November 2022 überhaupt in deutschen Kinos laufen kann, ist eigentlich ein Wunder. Nach dem Tod von Hauptdarsteller Chadwick Boseman brauchten die Verantwortlichen nicht nur einen Nachfolger für den Anzug von T'Challa, sondern auch einen Plan, wie es mit der Geschichte weitergehen sollte. Erste Kritiken zeigen: Die Ausnahmesituation wurde zufriedenstellend gelöst.

Nachdem ich Wakanda Forever innerhalb weniger Tage gleich zweimal gesehen habe (und der Film dauert 160 Minuten!), bleibt bei mir neben jeder Menge Tränenflüssigkeit in den Augen aber vor allem eine Erkenntnis: Dieser Film könnte eines der interessantesten, emotional herausforderndsten Projekte der letzten 10 Jahre sein – wäre er kein Marvel-Film.

Black Panther: Wakanda Forever muss als Film das Unmögliche schaffen – und scheitert trotzdem nicht

Angela Bassett ist als Königin Ramonda in Wakanda Forever eine Naturgewalt

Als wäre es nicht schon Herausforderung genug, mit Black Panther an einen Film anzuknüpfen, der für viele eine popkulturelle Revolution dargestellt hat und als erster Marvel-Film für den wichtigsten Oscar nominiert war, muss Wakanda Forever gleich mehrere Dinge unter einen Hut bringen, die sich eigentlich nicht unter einen Hut bringen lassen:

  • Chadwick Boseman UND T'Challa einen Abschied schenken, der dem Impact von Schauspieler und Figur gerecht wird
  • einen würdigen neuen Black Panther etablieren
  • Namor (Tenoch Huerta) als neuen Antagonisten mit komplexer Hintergrundgeschichte inklusive Unterwasser-Reich einführen
  • Iron Man-Nachfolgerin Riri Williams (Dominique Thorne) vor dem Start ihrer Disney+-Serie Ironheart vorstellen
  • sich nach dem sehr losgelösten ersten Teil gegenüber dem MCU öffnen, ohne die eigene Identität zu verlieren

Dass Regisseur Ryan Coogler unter diesen Umständen überhaupt etwas abgeliefert hat, was irgendwie zusammen funktioniert, ist außergewöhnlich. Dass der Film trotz hektischen Sprüngen zwischen Standard-Marvel-Story und echtem Trauma so atemberaubend ist (Die Kostüme von Ruth E. Carter! Der Soundtrack von Ludwig Göransson! Die schauspielerischen Leistungen von insbesondere Letitia Wright und Angela Bassett!), ist kaum zu begreifen.

Ich kann mich an keinen MCU-Film erinnern, der mich einerseits so tief berührt hat und andererseits so ... frustrierend Marvel ist.

Erst Moon Knight, dann Wakanda Forever: Im MCU ist kein Raum für echte Tragödien

Black Panther: Wakanda Forever – Clip Angriff aufs Labor (Deutsch) HD
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Am ehesten vergleichen lässt sich Wakanda Forever mit Moon Knight. In der Disney+-Serie spielt Oscar Isaac gleich mehrere Persönlichkeiten im gleichen Körper, die sich mit unterdrückten Traumata auseinandersetzen müssen. Moon Knight war so erfrischend menschlichbis plötzlich der unvermeidbare CGI-Matsch-Kampf kommen musste. Das ist unterhaltsam, klar, aber unterm Strich doch wieder das Gleiche: Gut gegen Böse, fast immer gewinnt gut. Was eben besonders dann schade ist, wenn die Serie oder der Film so viel mehr Potenzial gehabt hätte.

Black Panther 2 hätte ein emotionales Meisterwerk über den Umgang mit Verlust und Tod in einer Welt sein können, in der außerirdische Bedrohungen, rachsüchtige Gottheiten und das Ende des Universums, wie wir es kennen, zur Tagesordnung gehören. In der die potenzielle Auslöschung allen bekannten Lebens so alltäglich ist, dass sie fast trivial erscheint, und dass der Verlust eines einzigen geliebten Menschen sich trotzdem so anfühlen kann, als würde die eigene Welt für immer enden. Bis man schließlich einen Weg findet, mit dem Schmerz weiterzuleben und vielleicht sogar Stärke daraus zu ziehen.

Diese Momente scheinen immer wieder durch und sorgten im proppenvollen Kinosaal für lautes Schluchzen, erleichtertes Aufatmen und begeistertes Klatschen und Johlen. Ich war den Tränen nahe, als ich den Saal verlassen habe – und voller Dankbarkeit dafür, dass diese besondere Geschichte zumindest ansatzweise Raum bekommen hat. Doch wie viel besser hätte diese Erfahrung noch sein können, hätte man sich getraut, auf den großen Bösewicht und die PR-Kampagne für Ironheart zu verzichten, die zwar Lust auf die kommende Serie macht, aber wenig zu tun bekommt? Leider dürfen selbst Black Panther und Ryan Coogler das marvelsche Stahlskelett nicht sprengen.

Stattdessen ist Wakanda Forever "nur" das, was man auf dem rasiermesserdünnen Grat zwischen durchkapitalisiertem Spektakel und der unkommerziellen Schwere des Menschseins bestenfalls erwarten kann: ein sehr guter Marvel-Film.

Black Panther-Diskussion im Podcast: Ein würdiger Abschied für Chadwick Boseman?

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In der neuesten Ausgabe des wöchentlichen FILMSTARTS-Podcast Leinwandliebe  sprechen Moderator Sebastian, Yves von Moviepilot und FILMSTARTS-Redakteur Pascal über den Marvel-Blockbuster Black Panther 2. Ob Chadwick Boseman hier ein würdiger Abschluss geboten wird und ob der Film darüber hinaus auch funktioniert, erfahrt ihr im Podcast.

Wie fandet ihr Black Panther: Wakanda Forever?

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