Vincent will meer - wir auch

Plädoyer für den deutschen Film

Wir sind die Nacht
© Constantin Film
Wir sind die Nacht

Nur schwerlich lässt sich der deutsche Film mit wenigen Worten adäquat beschreiben, doch ist es an der Zeit, dass mal wieder jemand, wenn auch nur in einem Teilbereich, eine Lanze für ihn bricht. Keine Angst, ich werde keine Lobeshymnen auf Til Schweiger und seine nervtötenden Gören schreiben. Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass Keinohrhasen durch einen unglaublich komischen Jürgen Vogel in der Anfangssequenz brilliert. Danach hätte der Film auch enden können. Zugegeben, die Deutschen liegen bei der Produktion von Blockbustern nicht weit vorne, sofern sie denn irgendwo liegen. Jeder das, was er kann und was die Deutschen eben gut können, ist ein sehr authentisches Bild der vor allem jungen Realität abzubilden. Während in den USA die Collegekomödien an Stupidität kaum zu übertreffen sind, sind deutsche Jungfilmer emotional in stereotyper Sorge und bemühen sich immerhin um Anspruch.

Zusammen wachsen und Zusammenwachsen
Fatih Akin. Theoretisch bräuchte es kaum einer näheren Erläuterung, denn dieser Regisseur hat bahnbrechende Filme auf den deutschen Markt gebracht, die sich überwiegen mit der Integrationsproblematik auseinandersetzen. Vor allem seit den letzten Jahren gehören die Filme des deutsch-türkischen Regisseurs zu dem Standardrepertoire deutscher Filmfestivals. Fatih Akin zeigt Grenzproblematiken auf und plädiert für das Zusammenwachsen von Generationen und Kulturen. Daran hangelte sich erst zuletzt auch Almanya – Willkommen in Deutschland entlang. In den Hauptrollen seiner Filme sehen wir meistens Akins Lieblingsschauspieler Moritz Bleibtreu (Solino, Im Juli, Soul Kitchen).

Nachdem Dennis Gansel mit Das Phantom seinen ersten Polithriller auf die Leinwand brachte, kam der kommerzielle Erfolg mit Mädchen, Mädchen. Natürlich spricht er mit seinen Filmen nicht das Massenpublikum an, weiß jedoch, wie er sich gekonnt vor allem an das jüngere Publikum richtet. Der Film ist kein Glanzwerk, aber einfach nett und nicht grottig. So auch geschehen mit Napola – Elite für den Führer und Die Welle. Die Filme bewegen sich auf grenzwertiger Ebene und wirken zum Teil ein klein wenig überheblich in der Vermittlung ihrer politischen Message, doch haben sie den sensiblen Touch, der dem Blockbuster-Kino einfach fehlt. Er erzeugt Identifikationspotential und selbst sein 2010 erschienener Vampirfilm Wir sind die Nacht wirkt nicht peinlich sondern überzeugt, trotz des vorherrschenden Twilight-Vampirfilm-Feldzuges auf internationaler Ebene vor allem durch Bild und Effekte. Selbst der konsequente Einsatz von Max Riemelt ist immer noch gerechtfertigt, macht Tim Burton es doch mit Johnny Depp nicht anders.

Noch vor einigen Jahren war Hans-Christian Schmid Wegbereiter dieser Generation (Crazy) und ist mittlerweile mit seiner Exorzismusgeschichte Requiem (2006) oder dem Kriegsverbrecher-Drama Sturm (2009) erwachsen geworden. 2007 griff er Robert Thalheim, Schüler des großen Rosa Von Praunheim, bei Am Ende kommen Touristen, der Geschichte eines Zivildienstleistenden in Auschwitz, unter die Arme.

Spurlos verschwundene Regisseure
Ein bisschen schade ist, dass einige Regisseure scheinbar nach einem erfolgreichen Film wieder verschwunden sind. Wo ist Sebastian Schipper, der mit Absolute Giganten zu seiner Zeit einen Meilenstein in Sachen Freundschaftsfilm und Kicker-Turniere erschaffen hat. Tom Tykwer war sowohl bei Absolute Giganten als auch Ein Freund von mir als Produzent dabei. Mit Drei hat Tykwer selbst erst letztes Jahr ein großartiges Drama abgeliefert, anknüpfend an seinen internationalen Erfolg mit Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders. Ebenso Benjamin Quabeck, dessen Abschlussfilm Nichts Bereuen ein treffsicheres Abbild der postpubertären Ahnungslosigkeit gewesen ist. Lieblingsschwiegersohn Daniel Brühl spielte die Hauptrolle und ist, glücklicherweise, nicht verschwunden und war erst letzten Monat in dem Fußball-Schulfilm Der ganz große Traum im Kino.

Lachen verboten
Was in Deutschland dagegen leider (noch) nicht funktioniert, sind die Komödien. Furchtbare Beispiele dafür sind Komödien wie Männersache mit Mario Barth oder Vollidiot mit Oliver Pocher. Da bleibt ein bisschen Hoffnung auf die deutsch-polnische Zusammenarbeit Polnische Ostern, der am 12. Mai 2011 bei uns anläuft. Ebenso bleibt zu hoffen, dass Olli Dittrich (an der Seite von Katja Riemann) nicht nur als Dittsche lustig ist. Die Relativitätstheorie der Liebe startet bei uns am 26. Mai 2011. Ganz besonders große Erwartungen schürt das Mutter-Tochter-Drama Das Blaue vom Himmel mit Hannelore Elsner und Karoline Herfurth. Auch"Til Schweiger (Til Schweiger)“:/people/til-schweiger Helferlein Matthias Schweighöfer (”Friendship! (Friendship!)":/movies/freundschaft-2) wagt sich an sein erstes Regiedebüt und wird im August mit What a Man zu sehen sein. Sehr gut funktionieren in Deutschland auch die etwas stark heimatgebundenen Dokumentationen. Ans Herz legen möchte ich euch Joschka und Herr Fischer, der trotz einiger Längen einen allumfassenden und unterhaltenden Rückblick auf die deutsche Geschichte liefert.

Den Rundumschlag könnt ihr euch übrigens mit dem Film Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation holen, in dem deutsche Regisseure (z.B. Fatih Akin) in Kurzfilmen sowohl ihr Können unter Beweis stellen als sich den deutschen Gesellschaftsproblemchen nähern. Achso und abschließend noch ein Bekenntnis: Ja, ich habe den Bushido Kinofilm gesehen. Nein, es ist mir nicht peinlich und ich finde ihn auch nicht grottenschlecht. Da existieren Filme wie World Invasion: Battle Los Angeles und es soll Diskussionen um die Daseins-Berechtigung von Zeiten ändern Dich geben?

Manchmal scheint es so, als ginge nur richtig schlecht oder richtig gut. Ebenso sieht es auch mit den Anhängern des deutschen Films aus, entweder ist es die große Liebe oder unendlicher Hass. Ich entscheide mich für die große Liebe und verzeihe auch die Patzer, und ihr?

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