Plädoyer für ein frisches Science-Fiction-Kino
Beeblebrox (Matthias Hopf), Veröffentlicht am 09.10.2012, 08:50
Das Kinojahr 2012 war voll von heiß erwarteten Blockbustern wie The Dark Knight Rises und Prometheus – Dunkle Zeichen und mit Filmen wie beispielsweise die J.R.R. Tolkien -Adaption Der Hobbit – Eine unerwartete Reise stehen noch weitere Filme dieser Größenordnung an. Während die Box-Offices-Hits jedoch an ihrem Erwartungsgehalt zugrunde gehen, sind es die kleineren Filme, die aus dem Nichts auftauchen und mit ungeahnter Präzision begeistern. Looper, der neuste Film von Rian Johnson, gehört genau zu diesen Filmen, die niemand so richtig auf dem Schirm hatte, aber trotzdem sehenswert sind. Doch was macht den Science-Fiction-Action aus, der auf einmal in aller Munde ist und wie hebt er sich von der üblichen Genre-Konkurrenz ab?
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Science-Fiction-Blockbuster – Sklave des audiovisuellen Franchise-Kinos
Ein kurzer Blick auf die Auswürfe des Science-Fiction-Kinos der vergangenen Jahre auf Blockbuster-Ebene zeigt, dass trotz hoher Budgets wenig Überzeugendes als Endprodukt auf den Leinwänden zu sehen war. Natürlich bietet sich im besagten Genre vor allem die optischen Schauwerte als Aushängeschild an. Trotzdem scheint es, als würden sich die großen Player hinter überbordenden Effektgewittern verstecken, um nicht vorhandene Substanz zu kaschieren. Zuletzt läutete James Cameron mit Avatar – Aufbruch nach Pandora demonstrativ 3D als technische Innovation und wiederaufflammenden Trend ein, allerdings konnte der Mega-Blockbuster neben der dritten Dimension nur eine zweidimensionale Geschichte präsentieren, die von eindimensionalen Figuren bevölkert war. Ebenso erreichte Tron Legacy bezüglich der audiovisuellen Ebene ein bemerkenswertes Niveau, wusste aber im Endeffekt auch keine mitreißende Story mit einfallsreichen Elementen zu erzählen.
Neben Schauwerten gibt es jedoch bei den meisten Science-Fiction-Blockbustern eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind Teil eines Franchise. Während alle zwei Jahre ein neuer Ableger vom Roboter-Spaß Transformers die Erde erreicht, erstickte nicht zuletzt auch fast Prometheus – Dunkle Zeichen an seiner Franchise-Bindung. Im Rausch der Eindrücke konnte sich der Film nicht genau entscheiden, ob er lieber ein eigenständiges Universum aufbaut oder sich auf seinen Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt -Ursprung besinnt. Des Weiteren dominieren Remakes und Reboots wie Total Recall oder Der Tag, an dem die Erde stillstand das Geschehen im Science-Fiction-Film, die – abgesehen von einer technischen Generalüberholung – der bereits sowieso schon bekannten Geschichte keine neuen Facetten abgewinnen können. Unter diesen Umständen ist ein Preboot à la Planet der Affen: Prevolution die absolute Ausnahme, denn hier paart sich Blockbuster-Niveau und eine erzählenswerte Geschichte, die ihr totgeglaubtes Franchise sogar nach sechs (!) Filmen mit neuen Aspekten bereichern kann.
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- Teil 1: Plädoyer für ein frisches Science-Fiction-Kino
- Teil 2: Ambitioniert am Scheideweg gescheitert
- Teil 3: Der Spagat zwischen Indie & Mainstream
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Kommentare
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stefan!!! Wed, 10 Oct 2012 06:15:44 -0000
Kommentar löschenFreu mich schon den Film zu sehen!
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Martiall_Arts Tue, 09 Oct 2012 21:21:12 -0000
Kommentar löschenich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen warum Looper so gehypt wird. An dem Film ist absolut nichts außergewöhnlich. Im Gegenteil. Er hat selbst für einen Zeireisefilm erstaunliche Logiklöcher. Angefangen beim Grund, aus dem es Looper gibt...
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A.V. Tue, 09 Oct 2012 22:42:48 -0000
Antwort löschenLooper gibt es, damit man einen Film über Sie machen kann^^ Diesen Selbstzweck gibt es immer in Filmen: Warum gehen die Teenies in den gruseligen Wald? Warum hört niemand auf den warnenden Wissenschaftler? Warum ruft niemand die Polizei...
jacker Tue, 09 Oct 2012 12:13:44 -0000
Kommentar löschenAn opulenter Bilderflut finde ich erstmal wenig verwerfliches, die war immer schon ein Teil von Science-Fiction, die frühen Filme hatten einfach den Vorteil, dass sie a) noch eher die Möglichkeit hatten Geschichten das erste mal zu erzählen bzw. Effekt-technisch immer wieder innovativ zu sein und b) häufig (aber eben nicht immer) ein wenig mehr Wert auf Plot und Charakterzeichnung gelegt wurde.
Schade ist es nur wenn so gar nichts hinter der hübschen Fassade steckt.
Aber eenn man ehrlich ist hat man auch sehr hohe Ansprüche mittlerweile, bei älterem Stoff ist man (zumindest ich) da etwas weniger kritisch.
Nicht dass es schlecht ist hohe Ansprüche zu haben, aber häufig wird das Fehlen von Charakteristiken als Kritikpunkt genannt, die bei älteren Filmen ebenfalls sekundär waren.
Als erwähnenswerten neuen Sci-Fi-Streifen würde ich noch "Source-Code" nennen.
Ich weiß nicht, ob die Geschichte jetzt ganz neu war (denn z.B. an "Deja Vu" hat sie mich erinnert) trotzdem war der Stoff packend umgesetzt!
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alex023 Tue, 09 Oct 2012 19:44:00 -0000
Antwort löschenNaja, ich wüsste dann gern deine Definition von "überraschend". (Keine Sorge, ich mochte den Film auch.)
jacker Wed, 10 Oct 2012 13:06:26 -0000
Antwort löschenJa, sonderlich überraschend wirklich nicht, ABER man hat auch einfach schon sooo viel gesehen, das wirklich überraschen auch nicht mehr sehr einfach ist!
A.V. Tue, 09 Oct 2012 09:20:01 -0000
Kommentar löschenJa der Wunsch nach frischer Science-Fiction besteht,
aber ich muss zugeben, ich hätte auch gerne mal wieder "große" Science-Fiction Blockbuster, in der Art wie ich es als klassisch empfinde.
Ich habe bspw. seit Star Wäre keine Weltraumschlachten mehr gesehen (Iron Sky wäre alles was mir da einfällt.), die Filme spielen fast immer auf der Erde.
Dabei wäre doch bei jetzigem Effekteniveau der Zeitpunkt für ordentliche Space-Operas gekommen.
Auf sowas hätte ich mal Bock !
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Wissen Tue, 09 Oct 2012 10:53:09 -0000
Antwort löschenEine richtige Space Opera muss sich dann den Vergleich mit Star Wars und Star Trek stellen. Diese beiden Vertreter haben einfach eine zu große Fan-Base mit zuviel Einfluss, als das sich irgendwelche Studios trauen würden jemanden gegen diese großen Franchises antreten zu lassen, die Angst eines Vergleichs und das wahrscheinlich daraus resultierende Floppotential würde mich als Studioboss auch scheuen lassen.
Star Trek geht jetzt einen neuen Weg, in dem es eine alternative Zeitlinie verfolgt, aber im Grunde ist es immer noch das selbe Universum mit Altbekanntem.
A.V. Tue, 09 Oct 2012 22:37:08 -0000
Antwort löschenJa, ich glaube das trifft den Nagel auf den Kopf.
gabee666 Tue, 09 Oct 2012 09:08:03 -0000
Kommentar löschensehr kritische analyse des genres. und sehr gute bechreibung der nachteile der doch vermeindlichen blockbuster! looper hat mich persönlich sehr geflasht. danke für den text!
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Bob Loblaw Tue, 09 Oct 2012 08:00:03 -0000
Kommentar löschenIch habe Looper noch nicht gesehen, aber er macht einen guten Eindruck. Trotzdem kommt es mir so vor, dass der Film auch nur klassiche Killer/Action-Szenen mit den typischen Zeitreise Paradoxien/Klischees mischt.
Der stärksten Mainstream Science-Fiction aus der letzten Zeit war auf jeden Fall "Die Tribute von Panem". Die Frische + Originalität kam wohl auch daher, dass er nicht auf das männliche, actionorientierte Blockbusterpublikikum ausgerichtet ist... den habt ihr in eurem Text gar nicht erwähnt.
Auch "Seelen" macht da einen guten Eindruck.
Das hochgelobte District 9 hat mir zwar auch gefallen, aber der witzige Dokumentar-Stil hält sich auch nur am Anfang und spätestens in der 2. Hälfte haben wir wieder konventionelle Alien Action.
Bei den Low-Bugdet/Indie Filmen gebe ich euch Recht. Monster und vor allem Moon waren sehr nett, wenn auch typische Erstlingswerke. Da wird bestimmt in Zukunft auch noch einiges auf uns zukommen.
In Time und "Der Tag an dem die Erde still stand" sind übrigens meiner Meinung nach viel besser als ihr Ruf !!
:)
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alex023 Tue, 09 Oct 2012 19:42:25 -0000
Antwort löschen"Trotzdem kommt es mir so vor, dass der Film auch nur klassiche Killer/Action-Szenen mit den typischen Zeitreise Paradoxien/Klischees mischt."
Nein, ist nicht so.
Joeyjoejoe17 Tue, 09 Oct 2012 21:02:15 -0000
Antwort löschenParadoxons halten auch in Looper Einzug, klar. Aber sie stören nur wenig, und die emotionale Seite des Films ist erstaunlich groß und sehr gelungen. Anschauen lohnt sehr.
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Bruce Willis
Beteiligt an 91 Filmen (als Akteur, Autor, Produzent, Regisseur und Lieder) und 8 Serien
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So sehr ich mich auf diese Auseinandersetzung mit dem Sci-Fi-Genre gefreut habe, so ernüchtert bin ich nach dem Lesen.
Mit dieser faktischen Gleichsetzung von "Mainstream = konventionell = langweilig; Indie = unkonventionell = interessant" tappt der Autor leider in die selbe Fallgrube, gefüllt mit langweiligen Konventionen und generalisierten Vorhersehbarkeiten, die er dem Mainstream so ankreidet. Die angesprochenen Ausnahmen (Apes, Apollo) sollen seine Regel dabei nur bestätigen, wobei es schon ziemlich Czupke erfordert "Apollo 13" überhaupt ins Genre SciFi einzuordnen (dann ist auch "Iron Sky" Science Fiction). Wieso also nicht einfach den verunglückten Indiestreifen "Cargo" als Beispiel anführen.
Letztlich stellt der Autor mit seinem diffusen Indie-Mainstream-Raster in erster Linie seinen eigenen Geschmack zur Schau, als eine differenzierte Auseinadersetzung mit dem SciFi-Genre zu betreiben. Dazu passt beispielsweise auch die Bewertung von "Inception" als "bedingt überzeugend", der bekanntermaßen selbst vom großen Teil der Kritik abgefeiert wurde.
Der vorgeschlagene Brückenschlag zwischen Indipendent und Mainstream, den Looper (Budget 30 Mio) ja darstellen soll, ist dann auch ein bissl zu schön, um das Allheilmittel für das SciFi-Genre zu sein. Ich sage an dieser Stelle nur mal "In Time" (Budget: 40 Mio) und "Source Code" (Budget: 32 Mio) anführen.
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