Polizeiruf Kritik

Polizeiruf 110 - Olga Lenski in einer anderen Welt

Polizeiruf 110 - Eine andere Welt
© ARD/rbb
Polizeiruf 110 - Eine andere Welt

Pünktlich zum Ende der Schwangerschaftspause bekommt es Olga Lenski (Maria Simon) mit Teenagern zu tun, die ihre Eltern an der Nase herumführen. Doch die Partynächte in der Disco enden für ein Mädchen tödlich. Gemächlich manövrieren Lenski und Krause (Horst Krause) zwischen Eltern, an denen das Erwachsenwerden ihrer Kinder vorbeigegangen ist und jenen, die ihren Nachwuchs in Kälte ersticken. Das Endergebnis Polizeiruf 110: Eine andere Welt mag nicht immer in seinen Bann ziehen, richtet dafür aber einen angemessenen Willkommensgruß an die zurückkehrende Kommissarin.

Lokalkolorit: Während die Eltern im Glauben einschlummern, dass sich ihre Töchter bei züchtigen Mädchenabenden amüsieren, machen diese in Wirklichkeit die Discos der Umgebung unsicher. Polizeiruf 110 – Eine andere Welt wandelt vom Feierpalast hin in die Heime der Jugendlichen, die mal warm und gemütlich, mal kalt und technokratisch wirken oder, wie im Falle des allein gelassenen Dennis (Joel Basman), völlig verwahrlost. Dass dieser sich nun ausgerechnet in die heimelige Wohnung von Lenski und ihrem Kind flüchtet, können wir ihm da kaum übel nehmen.

Polizeiruf 110 - Olga Lenski in einer anderen Welt (15 Bilder)

Plot: Die Leiche eines jungen Mädchens wird auf einem Schrottplatz gefunden. Schon kommt heraus, dass sie ihre letzten Stunden mit Schulfreunden in einer Disco verbracht hat. Um gesellschaftlich bzw. öffentlich-rechtlich relevant zu erscheinen, wird auch noch die Modedroge Liquid Ecstasy ins Spiel gebracht. Das Krimisujet beschränkt sich allerdings nicht auf die Jugendlichen, die sich gegenseitig mit Dogen abfüllen, um Spaß zu haben. Merke: Wenn Herbert Knaup mitspielt, dann nicht, weil ihm das Herumstehen in kargen Designerhütten so unglaublich viel Spaß macht.

Unterhaltung: Nach dem extrem skurrilen Polizeiruf 110: Die Gurkenkönigin kehrt mit Olga Lenski wieder etwas Ruhe in den Polizeiruf aus Brandenburg ein. Das zurückgenommene Tempo des Krimis könnte der ein oder andere als Langeweile auslegen. Die vergleichsweise abgeklärten Ermittlungen passen allerdings ganz hervorragend zur frisch gebackenen Mama Lenski, die sich auf der Suche nach den wahren Umständen rund um den Tod des jungen Mädchens mit unterschiedlichsten Familienentwürfen auseinandersetzen muss, die allesamt kaum erzieherische Früchte zu tragen scheinen.

Tiefgang: Die andere Welt, von der im Titel des Polizeirufs die Rede ist, bleibt den Eltern von Hanna, Jan oder dem gewalttätigen Dittsche auf ewig verschlossen. Trotzdem verlegen sich Autor Clemens Murath und Regisseur Nicolai Rohde nicht darauf, sich auf dem Klischee des außer Rand und Band geratenen Kindes auszuruhen. Vielmehr präsentieren sie ein differenziertes Bild familiärer Kommunikation, etwa wenn Hanna (Lotte Flack) langsam den Mut aufbringt, um ihren Eltern von ihrer Vergewaltigung zu berichten oder Jan (Jannik Schümann) für seinen Vater nur noch ein bezeichnendes Schweigen übrig hat, als dessen Schuld offenbar wird. An der Hilflosigkeit angesichts der Tragödie kommen sie alle nicht vorbei, erst recht jener Vater nicht, der mit dem Baseballschläger auf die ungeschoren davonkommenden Jungen zugeht, die seine Tochter unter Drogen gesetzt und missbraucht haben.

Mord des Sonntags: Notdürftig in einem Rohr versteckt, liegt die Leiche des schwangeren Mädchens auf dem Schrottplatz.

Zitat des Sonntags: “Bist du jetzt gekommen, um mir zu sagen, was für ein Arschloch ich bin?”

Polizeiruf – Eine andere Welt ragt zwar nicht aus der Masse heraus, glänzt aber mit einer gut aufgelegten neuen alten Kommissarin.

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