David Strathairn in Good Night, And Good Luck
© Kinowelt
Niemand hielt seine Zigarette so cool und lässig wie Humphrey Bogart in der Hand, ohne ihre Zigarettenspitze in Frühstück bei Tiffany wäre Audrey Hepburn nicht zum Kult geworden und wer hat nicht gelacht über die nikotinsüchtigen Aliens in Men in Black. Rauchen ist – trotz aller Verdrängung der Raucher aus dem öffentlichen Raum – in Filmen nicht tabu, es wird gequalmt, was das Zeug hält und das Thema ist dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt sogar eine ganze Filmreihe wert.
Das US-Center “For Tobacco Control Research” wollte es 2004 genau wissen und schaute sich Tausende von Filmen aus rund 50 Jahre Filmgeschichte an. Ihr niederschmetterndes Ergebnis: 10,9 Zigaretten pro Filmstunde werden in aktuellen Produktionen geraucht. Eine Schande, ein Rückschritt in die dunklen 1950er Jahre, da wurde die Leinwand weniger mit Rauch umhüllt. Auch in Deutschland wird viel geraucht, mehr, als im internationalen Vergleich, sagt eine Studie mit dem Titel “Verbreitung des Rauchens im deutschen Fernsehen und in deutschen Kinofilmen”, die 2005 erstellt wurde. Ein deutscher Kinoheld greift im Laufe des Films durchschnittlich 14,5 Mal zur Zigarette, ein spanischer nur halb so oft.
Das Rauchen soll also aus dem Film verschwinden, sagen die Gesundheitsapostel. Geschafft haben sie es bisher nicht. Während immer weniger Menschen rauchen, greifen die Helden in deutschen und amerikanischen Filmen zunehmend zur Zigarette. Glimmstengel sind aus dramaturgischen Gründen oft unverzichtbar und vielleicht therapieren die Drehbuchautoren dabei ja ihre eigene Sucht. Und das Rauchen hat sich durch die Zeiten verändert: Galt es in den 1930er Jahren für Frauen als verrucht und sexy, zur Zigarette zu greifen, dient das Rauchen heute häufig als Vehikel der Kontaktaufnahme. Böse Buben haben immer schon mehr geraucht als andere und auch gute Kommissare stehen ziemlich lange rum, wenn zehn Kippen vor ihren Schuhen liegen.
Und der schönste Raucherfilm des letzten Jahres ist wohl Thank You for Smoking. Oder fallen Euch da noch andere ein?
Ines Walk (Ines Walk) 2008/02/02 10:18:00
0 Mitgliedern gefällt diese News
Kommentare
über Qualm und Dunst im Film
Kommentar schreibenBatzman 2008/02/02 13:11:26
Kommentar löschenNaja mit Rauchen direkt hat "Thank you for Smoking" ja nicht soviel zu tun, das ist ja nur der Aufhänger für seine wohlwollende Darstellung der Spin-Doctors... Als Gimmick haben sie im ganzen Film ja niemanden Rauchen lassen, außer John Wayne in einem alten Filmausschnitt.
In Filmen jetzt aufs Rauchen zu verzichten halte ich auch für Gedöns. Filme sind als dramaturgisches Mittel einfach viel zu wertvoll, als das man auf sie verzichten sollte und ich glaube daß Hollywood wesentlich fragwürdigere Botschaften vermittelt, die eher eingedämmt gehören. Was Michael Bay u.a. in ihre Filme packen ist viel gefährlicher als jeder Glimmstengel.
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Batzman 2008/02/02 15:18:34
Kommentar löschen[edit: Soll natürlich heißen Zigaretten sind als dramaturgisches Mittel...]
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
btk 2008/02/03 13:10:24
Kommentar löschenObwohl, in Thank you for smoking, raucht "Naider" ja. aber man sieht ihn nie mit einer Zigarette im mund oder in der Hand. Ich hasse sowieso gesundheits apostel. Warum fängt man nicht an und verbietet den filme machern das ihre darsteller "Fettige Lebensmittel" essen? das Problem mit dem gewicht wird ja, durch das das immer weniger rauchen, zum neuen Gesundheitsproblem nummer 1. Oder warum darf man immer noch autos in Filmen fahren die 25 l brauchen auf 100 km (Hummer)? Doch am schluss ist es für mich eine Freiheit des Resigeurs. Die Welt ist nunmal nicht perfekt. Find ich schon gut das sie sie auch so zeigen.
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Deine Meinung zum Artikel Qualm und Dunst im Film
Bitte logge dich ein oder registriere dich um einen Kommentar zu schreiben.



Thank you for smoking ist an Zynismus wohl kaum zu toppen!
Der Kern der Sache ist, das Filme immer das Leben oder zumindest den Menschen imitieren und es gibt nun mal rauchende Menschen, die Diskussion über Rauchen im Film ist meines Erachtens äußerst lächerlich.
Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten