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Regisseur Sam Mendes seziert gesellschaftliche Auswüchse
Veröffentlicht am 14.10.2009, 14:17
Sam Mendes ist ein Spezialist für Tiefenbohrungen in der amerikanischen Gesellschaft, der bei den Mitgliedern der Oscar-Academy hoch im Kurs steht. Mit seinem neuen Film Away We Go – Auf nach Irgendwo wagt er sich auf bisher unbekanntes Terrain vor: Er hat der Geschichte über eine Suche eine große Portion Humor beigemischt. Was zeichnet die bisherigen Filme des britischen Filmemachers aus?
Sam Mendes ist ein Regisseur, der seine Schauspieler zu Höchstleistungen anspornt – Kevin Spacey, Annette Bening, Paul Newlan und Michael Shannon haben sich Oscar-Nominierungen bzw. -Gewinne in Filmen des britischen Filmemachers erarbeitet. Kein Wunder, denn Sam Mendes hat sich seine erste Sporen als Spielleiter an Theater- und Musicalbühnen verdient. Er suchte auch noch die Nähe zu den Brettern, die die Welt bedeuten, als er sich schon in Hollywood etabliert hatte. Immer wieder haben ihn klassische Stoffe angezogen, als Mitglied der Royal Shakepeare Company hat er sich früh mit den Stücken des wichtigsten englischsprachigen Dramatikers vertraut gemacht.
Der Durchbruch in Hollywood gelang ihm mit seinem Kinofilmdebüt American Beauty. Sam Mendes mikroskopierte darin eine amerikanische Vorstadtfamilie und ihr Umfeld. Unter seinem Vergrößerungsglas kamen Lebewesen zum Vorschein, die zwischen Leichenstarre und Hysterie von Familienpflicht zu Familienpflicht, von Highschool-Ritual zu Highschool-Ritual ziehen, ohne die suburbanen Konventionen zu hinterfragen. Doch das Blatt wendete sich: American Beauty handelte von Ausbruchsversuchen aus dieser starren Welt, von denen manche gelangen, andere hart bestraft wurden.
In Road to Perdition präsentierte sich Sam Mendes als detailverliebter Handwerker, der die Geschichte der letzten gemeinsame Reise – es ist gleichzeitig eine Flucht – eines Gentleman-Gangsters und seines Sohn mit ausgefeilten inszenatorischen Mitteln erzählte. Road to Perdition verlagerte den Focus von gesellschaftlichen Verflechtungen auf die Schuld und die Verantwortung eines Einzelnen.
Mit Jarhead – Willkommen im Dreck versuchte Sam Mendes, ein gesamtes Genre zu negieren: Er legte einen Kriegsfilm vor, der sein Publikum nicht mit großflächigem Gemetzel unterhalten wollte. In einer Szene führte er die ganze Film-Gattung vor: Junge Marines sehen sich Apocalypse Now an, feiern das Napalm-Bombardement samt Walküren-Ritt und sprechen die einschlägigen Zitate mit. Jarhead – Willkommen im Dreck hatte es an den Kinokassen und bei den Kritikern schwer und konnte nicht an den Erfolg von American Beauty anknüpfen.
In Zeiten des Aufruhrs kehrte Sam Mendes in die Vorstadt-Idylle zurück. Leonardo DiCaprio und Kate Winslet kämpften mit sich selbst, ihrer Beziehung und ihren Täumen. Im Gegensatz zu American Beauty war keiner der Fluchtversuche von Erfolg gekrönt.
In seinem aktuellen Film schlägt Sam Mendes optimistischere Töne an: Away We Go – Auf nach Irgendwo handelt von der Reise eines jungen Paares durch die USA. Sie wollen einen Ort finden, an dem sie sich endgültig niederlassen können, um ihr Kind groß zu ziehen. Die Vorzeichen seiner vorangegangen Filme hat Sam Mendes umgekehrt, denn Burt Farlander und Verona De Tessant unternehmen keine Flucht, sondern beginnen eine Suche.
Hier der Trailer zu Away We Go – Auf nach Irgendwo:
Wer auf der Suche nach seinem Lebensmittelpunkt ist, muss nicht unbedingt durch die USA reisen: Away We Go – Auf nach Irgendwo läuft am 15. Oktober in den deutschen Kinos an. Mehr dazu im Tobis Filmclub!
Malu (Martin Lukas) 2009/10/14 14:17:00
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