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Sexismus in Cannes – Palmen sind Männersache

Sind Regisseurinnen in Cannes noch immer unterlegen?
© Paramount Pictures/Llenroc Productions
Sind Regisseurinnen in Cannes noch immer unterlegen?

Insbesondere im vergangenen Jahr ging es in Cannes hoch her. Dass im offiziellen Wettbewerb nicht eine einzige Frau mit ihrem Film vertreten war, sorgte für anhaltende Diskussionen. Eine feministische Gruppierung namens „La Barbe“ veröffentlichte im Internet eine Petition, in der sie das Festival beschuldigte, Frauen auf ihr Äußeres zu reduzieren. Statt sie als Filmemacherinnen in den Wettbewerb zu integrieren, dürften sie lediglich als Moderatorinnen oder adrette Begleiterinnen auf dem roten Teppich fungieren. „La Barbe“ und ihre Mitstreiterinnen bekamen so viel Öffentlichkeit, dass Programmdirektor Thierry Frémaux keine andere Wahl hatte, als zu den Anschuldigungen Stellung zu beziehen. „Ohne Frage sollten Frauen im Kino mehr Raum bekommen“, sagte er. „Aber das ist keine Frage, die in Cannes und im Monat Mai geklärt werden kann.“ Des Weiteren führte er aus, dass er bei der Auswahl der Filme in keinem Fall auf das Geschlecht des Filmemachers achten würde.

So weit so gut. Aber was sollen wir mit dieser Zusicherung anfangen, wenn doch dieses Jahr trotz all der vergangenen Proteste nur eine einzige Frau, namentlich Valeria Bruni Tedeschi, mit ihrem Film im Wettbewerb vertreten war? Heißt das jetzt, dass es einfach nicht genug weibliche Regisseurinnen gibt? Oder produzieren Frauen einfach schlechtere Filme, die nicht den Anforderungen eines renommierten Festivals wie Cannes entsprechen?

Ich kann und will das einfach nicht glauben. Deshalb bin ich während meines Aufenthalts in Cannes vergangene Woche den Dingen auf den Grund gegangen.

Die Quahl der Wahl – Das große Mysterium des Filmprogramms
Der erste Schritt meiner Recherche, die noch vor dem Abflug nach Cannes begann, war es den Auswahlprozess der offiziellen Selektion zu ergründen. Ich wollte wissen, wer denn eigentlich für die Zusammenstellung der Filme verantwortlich sei. Doch leider gibt die Homepage des Festivals darüber keine Auskunft und auch die zuständige Pressebetreuung war mir keine große Hilfe. Wen ich auch fragte, ich wurde immer wieder an Programmdirektor Thierry Frémaux verwiesen, der doch aber unmöglich alleine diese umfangreiche Aufgabe bestreiten konnte. „Thierry Frémaux ist in der Tat die Person, die Ihre Fragen beantworten kann“, schrieb mir seine Assistentin. Doch nachdem ich Ihr mitgeteilt hatte, für welches Medium ich recherchierte, wurde schnell deutlich, dass ein Interview nicht in Frage käme. Aus Zeitgründen natürlich. Immerhin durfte ich Herrn Frémaux ein paar Fragen per Email stellen. Auf die Antwort warte ich bis heute.

Warum ist der Auswahlprozess ein derartiges Geheimnis? Gibt es wirklich eine Verschwörung, ein rein männliches Komitee, das selbstverliebt und heimlich Jahr für Jahr männlich dominierte Programme zusammenstellt? Die fehlende Transparenz an dieser Stelle lässt so etwas in jedem Fall vermuten.

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