Am Ende des Tages
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Beim gestrigen Tatort: Am Ende des Tages überzeugte Regisseur und Autor Titus Selge mit einer soliden Inszenierung voller Dramatik, die allerdings etwas spannungsarm daherkam. Die Frankfurter Kommissare Charlotte Sänger und Fritz Dellwo mussten in ihrem letzten Fall die Unschuld ihres unter Mordverdacht stehenden Ex-Chefs Rudi Fromm beweisen, der in Form eines kompromisslosen Racheengels von seiner Vergangenheit eingeholt wurde.
Foto-Show: die Bilder zum Tatort
Der Pensionär stiehlt den Kommissaren die Show
Im 18. und gleichzeitg letzten Auftritt von Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf als Frankfurter Tatort-Kommissar-Duo standen die Zeichen von vorne bis hinten auf Abschied. Was schon der Titel andeutet, fand seine Fortsetzung in der zwischen Ruhestand und neuen Kräften wechselnden Besetzung des Frankfurter Polizeipräsidiums. Da ging Erich Fromm als bisheriger Chef der Mordkommission in Pension und wurde von einer widerlichen Witzfigur mit Fliege abgelöst. Auch in ihren wie immer bissigen Dialogen nahmen Sänger und Dellwo ihren bevorstehenden Abgang vorweg. Die beiden harmonierten gewohnt souverän, wurden aber von Peter Lerchbaumer als Erich Fromm an die Wand gespielt. Das wurde besonders in der Schlussszene deutlich, als Fromm die beiden Kommissare überlistete und dem Klischee-Bösewicht zum entscheidenden Showdown à la High Noon gegenüberstand. Allerdings kündigte Sänger ein derartiges Ende mit einer vorherigen Erwähnung des Westernklassikers bereits an, weshalb das schon in Ordnung ging.
Verschenktes Potential nach starkem Beginn
Mit einem Paukenschlag wurden wir gleich zu Beginn schockiert: Der in einer Zweckehe lebende Fromm vergnügte sich mit seiner (etwas jüngeren) Geliebten und wurde von einem geheimnisvollen Fremden überrascht, der die Gespielin kaltblütig niederschoss. Zwar kannten wir den Täter sofort, aber mehrere Fragezeichen versprachen Spannung: Wer ist der Mann? Warum mordet er? Was will er? Wie wird Fromm reagieren? Leider hielt sich diese Ungewissheit nur für kurze Zeit, denn relativ schnell wurde klar, dass eine altbekannte Geschichte dahintersteckte: Der in der Vergangenheit verurteilte Verbrecher rächte sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am Polizisten. Schade, denn hier wurde wertvolles Potential verschenkt. Dass Fromm der Mörder sein könnte, wie die Ermittler lange Zeit rätselten, schloss sich für den Zuschauer sowieso von Anfang an aus.
Überzeugende Leistungen der Darsteller
Dennoch blieb der Unterhaltungsfaktor bestehen, was vor allem an Peter Lerchbaumer lag, der seine auf eigene Faust ermittelnde Figur absolut glaubwürdig verkörperte und mit dramatischer Tiefe ausstattete. Auch die weiteren Darsteller agierten solide: Jördis Triebel überzeugte als schauspielernde Tochter mit schlechtem Verhältnis zum Vater ebenso wie Barbara Focke als Ehefrau auf dem Papier, die dem gebeutelten Helden in seiner Not beistand. Für komische Momente sorgten der unfähige Schleimer als Nachfolger Fromms sowie eine junge Polizeianwärterin, die den Kommissarveteranen Dellwo anhimmelte. Beide Figuren wurden bewusst übertrieben angelegt und erfüllten ihren Zweck als Running-Gags, ohne selbstverständlich für die Handlung relevant zu sein.
Fazit: Titus Selge verschaffte Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf mit einer soliden Inszenierung einen würdigen Abschied. Zwar konnte Am Ende des Tages die Spannung nicht immer aufrecht erhalten und bediente sich hier und da gängiger Klischees, aber die packende Dramatik und die durchweg guten darstellerischen Leistungen machten diese Schwächen wieder wett.
Wie hat Euch der Tatort: Am Ende des Tages gefallen?
3headedmonkey (Juri D.) 2010/09/06 07:00:00
Kommentare
über Spannungsarmer Abschied in dramatischem Gewand
Kommentar schreibenannaberlin 2010/09/06 10:10:07
Kommentar löschenLahmer Tatort, bin froh, dass Sawatzki weg ist.
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Oosabachbad 2010/09/06 10:56:34
Kommentar löschenJa,sie ist keine Figur in diesem Tatort.Es gibt bessere Darsteller die da hinein gepaßt hätten.
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philopee 2010/09/06 12:27:14
Kommentar löschenJörg Schüttauf war für mich schon gern anzusehen. Die Figur kam immer irgendwo sympatisch rüber.
Aber Sawatzki und Lerchbaumer waren für mich schon immer solche Unsympathen dass ich mich jetzt doch irgendwie erleichtert fühle...
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trudeliese 2010/09/06 12:48:28
Kommentar löschenSchade, dass es der letzte Tatort aus Frankfurt war. Und genau diese Besetzung, Sawatzki und Schüttauf, haben mir immer ganz besonders gefallen, nicht so Null Acht Fünfzehn, wie viele andere Tatortkommissare.
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doctorgonzo 2010/09/06 13:01:19
Kommentar löschenSchüttauf sollte man innerhalb des Tatort-Universums ruhig weiter einbinden, wenn er denn will. Sawatzki hingegen hat mich noch in keinem ihrer Fälle umhauen können.
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Mir hat diese Frankfurter Konstellation immer gefallen, es war immer Krimi auf hohem Niveau. Eine rigorose Spannung zwischen den markanten und gebeutelten Hauptcharakteren, Fälle nicht von der Stange, ein feiner Humor, der der gängigen Schenkelklopfer-Mentalität in Deutschland widerstand. Über die Realität muss man nicht reden, würden Krimis zeigen, wie die Polizei wirklich arbeitet, würde es keine Zuschauer geben, es wäre zu langweilig.
Der Tatort "Am Ende des Tages" stand ganz im Zeichen des Abschieds von dieser zu Recht beliebten Tatort-Konstellation. Wer hier die Spannung vermisste, hat wohl eingeschränkte Anforderungen an den Begriff "Spannung". Diese kann auch ohne Action un dohne die Frage "Wer war's" entstehen, nämlich dann, wenn ein Wettlauf zwischen Polizei und Täter stattfindet.
Wie würde es mit der Tochter weitergehen? Würde Fromm selbst zum Täter werden? Welche Rolle spielte die zwielichtige Bardame? Meines Erachtens wurde viel Spannungspotenzial ausgenutzt.
Das Ende dieser Reihe machte gemeinerweise Lust auf mehr, ein furioser Ausstieg, bei dem man dringend auf ähnlich hochwertige Nachfolger hofft, anders als in Leipzig, wo Regen nicht mal durch Traufe ersetzt wurde.
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