Aufreger der Woche

Stars kämpfen für die Mobbing-Doku Bully

Der Kampf gegen das R-Rating
© The Weinstein Company/Buena Vista International/moviepilot
Der Kampf gegen das R-Rating

Was gäbe es nicht wieder für Gründe, sich richtig aufzuregen. Der aus Quotengeilheit gewählte rassistische Titel des neuesten Sat.1 Abfalls beispielsweise. Eine solche Produktion gucken wir aber nicht mit dem Arsch an, sie hat die ganze Aufmerksamkeit einfach nicht verdient. Viel wichtiger ist die Auflehnung gegenüber der MPAA, die mal wieder demonstriert hat, wie verschoben ihre Altersempfehlungsgrundlagen sind.

Die Anti-Mobbing-Dokumentation Harte Schule, in der ein paar Schimpfworte vorkommen, steht im Mittelpunkt beim Aufreger der Woche.

Schimpf und Schande
Seit Wochen wird über den von Lee Hirsch gedrehten Film Harte Schule diskutiert, weil die Motion Picture Association of America der Doku ein R-Rating verpasst hat. Die Empfehlung lautet somit, dass Jugendliche unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung Erwachsener sehen sollten. Aber warum dieses harte Rating? Zeigt Harte Schule etwa Sexszenen? Oder brutale Kriegsverbrechen? Nein, nichts davon. Der Film handelt von Mobbing in Schulen, weswegen das ein oder andere Schimpfwort vorkommt. Und das betrachtet die MPAA als extrem gefährdend. Dass eine Dokumentation, die sich mit Verleumdung auseinandersetzt, auch einige unfeine Wörter beinhalten muss, scheint für das Rating-Syndikat kein hinreichender Grund zu sein, die eigene Entscheidung zu überdenken. Regisseur Lee Hirsch und Produzent Harvey Weinstein weigerten sich, dennoch die Schere anzulegen, um doch noch ein PG-13 zu bekommen. Stattdessen bringen sie den Film konsequenterweise ohne Rating ins Kino.

Prominente Unterstützung
Ein solches Vorgehen bringt erfahrungsgemäß einige Schwierigkeiten mit sich, da die großen Lichtspielhäuser nur bewertete Filme zeigen. Harte Schule hat jedoch einen großen Vorteil: zahlreiche Stars wie Meryl Streep, Johnny Depp oder Justin Bieber haben sich gegen die unverhältnismäßige Einstufung ausgesprochen, zumal diese verhindert, dass das eigentliche Zielpublikum den Film anguckt. Die prominenten Unterstützer könnten dafür sorgen, dass die Kinobetreiber der restriktiven Politik der MPAA die kalte Schulter zeigen. Es wäre ein Schritt hin zur realistischeren Bewertung von Filmen. Dass „schmutzige Wörter“ ähnlich kritisch bewertet werden wie Gewalt, entbehrt jeglicher Logik. Der düstere Fantasy-Actionfilm Zorn der Titanen hat beispielsweise ein PG-13-Rating bekommen, die zotige Komödie American Pie – Das Klassentreffen ist mit einem R versehen worden. Eine Unverhältnismäßigkeit in Reinkultur.

Scheinwelt vs. Realität
Dass ein Dokumentarfilm, der ein immens wichtiges Thema behandelt und eine Realität abbildet, in der – auch wenn es die Altersfreigabewürfler der MPAA nicht wahrhaben wollen – Schimpfworte nun mal vorkommen, ein solches Rating bekommt, zeigt überdeutlich, wie ernst solche Empfehlungen genommen werden sollten. Die zuständigen Personen achten ganz offensichtlich mehr darauf, dass eine Scheinwelt aufrecht erhalten wird, als dass sie sich mit dem eigentlichen Sinn eines solchen Films auseinandersetzen. Oder wie es Katy Butler, die die Petition für eine niedrigere Freigabe initiiert hat, ausdrückte: „Die MPAA sagt, sie behält das R-Rating bei, solange diese Sprache nicht entfernt wird. Aber nichts, abgesehen von Bildung und Enthüllung, kann sie aus den Hallen und Spielplätzen von Schulen entfernen, wo gemobbte Schüler sie jeden Tag hören.“

Es gilt zu hoffen, dass auch andere Filmemacher den Mut besitzen, sich von der Rating-Diktatur zu befreien und dabei Unterstützung von Stars und Kinobetreiben bekommen. Es kann nicht sein, dass ein solch ungleiches Maß bei Bewertungen angelegt wird.

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