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Tatort - Borowski und der Fall Uwe Barschel

the gaffer (Jenny Jecke), Veröffentlicht am 14.10.2012, 21:45

Ein alter Fall lässt Borowski im neuen Tatort aus Kiel keine Ruhe. Da sich das Ableben von Uwe Barschel vergangene Woche zum 25. Mal jährte, bietet der umstrittene Tod des früheren Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein den perfekten Aufhänger.

Auf den Spuren von Uwe Barschel - Tatort - Borowski und der freie Fall Auf den Spuren von Uwe Barschel - Tatort - Borowski und der freie Fall © NDR/ARD

Die Tatort -Autoren lassen sich gern von aktuellen Schlagzeilen inspirieren. Doch selten geschieht dies so direkt wie in Tatort: Borowski und der freie Fall. Anstatt durch die Änderung von Namen und Details um die realen Geschehnisse herumzutänzeln (wie etwa in Tatort: Wie einst Lilly), müssen sich Borowski (Axel Milberg) und Brandt (Sibel Kekilli) mit einem fiktionalen und einem echten Todesfall auseinandersetzen. In Kiel wird ein Autor tot aufgefunden, der Verbindungen in höchste Kreise pflegte und offenbar den Tod von Uwe Barschel aufrollen wollte.

Lokalkolorit: Von der düsteren Pastell-Orgie des letzten Borowski-Tatorts ist bei Tatort – Borowski und der freie Fall nichts mehr geblieben. Das passt auch, denn diesmal tauchen wir nicht in die dunkle Seele eine Killers ein. Der neue Tatort aus Kiel konzentriert sich eher auf den Plot, gibt sich als klassischer Krimi mit zeitgeschichtlichem Einschlag. Dementsprechend fallen weder die sonnige Darstellung der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins noch jene von Genfer Nobelhotels sonderlich auf. Warum auch, verkriechen sich die Hauptverdächtigen doch lieber in ihre Scheinwelten, die mal als düstere TV-Studios, mal als klinisch perfekte Familienhäuser daherkommen.

Mehr: Tatort – Borowski und der stille Gast

Plot: Ein Toter in Kiel reißt alte Wunden auf. Zunächst geraten seine Ex-Frau, die Moderatorin Ulla Jahn (Marie-Lou Sellem), und der frisch gebackene Minister Karl Martin v. Treunau (Thomas Heinze) unter Verdacht. Doch schon bald wittert zumindest Marie Brandt einen viel größeren Fall. Denn vor 25 Jahren war das damals noch quicklebendige Mordopfer in Genf und das zur selben Zeit wie Uwe Barschel. So führt der straff gezurrte Krimi Borowski und seine junge Kollegin in die Schweiz und sogar in das Zimmer 317 im Hotel Beau-Rivage, in dem im Oktober 1987 der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein tot aufgefunden wurde. Während Brandt von Anfang an ganz heiß auf den bis heute ungeklärten Fall Uwe Barschel ist, fällt es Borowski zunehmend schwerer, sich der Faszination der Verschwörungstheorien zu entziehen.

Unterhaltung: Obwohl Tatort – Borowski und der freie Fall sich der Aufgabe entzieht, den Tod Barschels wenigstens fiktional aufzuklären, haben wir es hier doch mit einem spannenden Krimi zu tun. Denn der eigentliche Fall rund um einen schwulen Spitzenpolitiker, der sich nicht outen will, und eine Moderatorin, die alles für ihr Image in die Wege leiten würde, bietet genügend Zündstoff und Überraschungen. Wenn Thomas Heinze zu Beginn seelenruhig in der Wohnung des Toten steht und die Arroganz der Macht heraushängen lässt, schreit er nur so nach dem Prädikat Mörder. Wie bei Ulla Jahn auch entfaltet der Tatort nach und nach sein Lügengebäude, das Macht und Ansehen wahren soll. Bei beiden stürzt es schließlich ein, allerdings wirkt es nur bei Treunau wie ein Befreiungsschlag.

Tiefgang: Mag die finale Auflösung des Mordes etwas banal wirken (es ging ums Geld), gelingt es Regisseur und Co-Autor Eoin Moore (Polizeiruf 110: Stillschweigen), den Mythos Barschel in seinem ganzen Frustrationspotenzial aufleben zu lassen, inklusive verschwundener Koffer voller Beweismaterial. Borowski, damals 1987 Teil des Ermittlerteams, lässt sich wider besseren Wissens von Brandts Neugier anstecken. Die schleicht mit ihrem Tablet-Computer durch die Gänge des Hotels Beau-Rivage, als würde an jeder Ecke das finale Beweisstück warten, das endlich Licht ins Dunkel bringt, endlich eine Erklärung für jenes Foto liefert, das sich auf dem Cover des Sterns ins Bewusstsein der bundesdeutschen Öffentlichkeit brannte. Wie so oft, wenn sich die Geschichte gegenüber den Erklärungsversuchen der Nachwelt als unnachgiebig erweist, stehen Brandt und Borowski am Ende mit nichts als einem gestärkten Bewusstsein für Paranoia da.

Mord des Sonntags: Found Footage mag ein ausgelutschtes Stilmittel sein, aber die beklemmend wirkenden (fiktionalen) Videoaufnahmen aus dem Hotelzimmer Barschels sowie der kurze Reißschwenk über seinen leblosen Körper in der Badewanne sorgen für mehr Gänsehaut als das Gros der Tatorte, die in letzter Zeit zu sehen waren.

Zitat des Sonntags: “Entschuldigung, haben sie gerade unser Gespräch belauscht?”“Ich darf das. Ich bin Kriminalist.”

Mich hat dieser Verschwörungsthriller von einem Tatort von Anfang an mitgerissen. Aber ging es euch auch so?


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über Tatort - Borowski und der Fall Uwe Barschel


Filmkenner77

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Deutlich schwächer als der letzte Kieler Tatort, der einer der Highlights des Jahres war.

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jacker

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Ich schaue nur ganz selten "Tatort", aber dieses mal habe ich es als die pure Langeweile empfunden.
Keinerlei Spannung, leere und wenig knackige Dialoge und ein Plot der mir viel zu konstruiert, aber in der Auflösung dann unglaublich banal vorkam.
Drehbuch, aber auch Kamera und Inszenierung sind in der Folge einfach schwach.

Manche Szenen waren schon gut gemacht (z.B. Kekilli als Tablet-Detektivin), das konnte aber auch nichts mehr raus reißen.

4.0 hat der ganz allgemein von mir bekommen, als Krimi nur ein 'Mückenstich'!

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Kalkwerker

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Das war einfach die schwächste Folge, seit Borowski den alten Passat abgelegt hat, geht es bergab.
Die sonst so durch ihr unangepasstes Verhalten so interessante und coole Partnerin nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Ich bin kein Tatort-Fan, aber Borowski und die noch viel bessere, aber zum Umdenken zwingende Rostocker Polizeiruftruppe, waren immer das Zuschauen wert, aber diese Folge des Tatorts, einfach zu unglaubwürdig und mit schlechten Dialogen ausgestattet. Mir fehlt der alte Borowski, der unabhängig von der Story, mit seiner ruhigen, abgeklärten Art immer ein Sympathieträger war.
Manchmal ist weniger doch mehr.

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Sinister Kid

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Ich fand den Tatort diesmal sehr lahm. Spannung baute sich bei mir nicht auf. Der Fall Barschel wurde aufgerollt, am Ende kam nichts dabei heraus – was allerdings auch nicht zu erwarten war.
Die Geschichte hatte zuviele Schwerpunkte und wirkte so ziemlich zerfranst: der schwule Minister, die imagebewusste Moderatorin, die Fall Barschel, der tote Autor auf der Suche nach Ruhm... Der Zuschauer bekam einen Haufen Kram erzählt, die Hälfte davon löste sich am Ende über den Aufschneider Meval in Luft auf – gebannt hat das kaum.

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fabel

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Phänomenal? Nein, das war das komplette Gegenteil von phänomenal.

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fabel

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Nö.:D


kronenhummer

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Ich freu mich schon auf deinen Verriss. :)
Fand den auch ziemlich schwach...


Khold88

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Mit einem Wort: Phänomenal. Ein wirklich bis zum Schluss fesselnder und durchweg grandios inszenierter Tatort. Der eigentliche Fall wirkte zwar zunehmend nebensächlich, wurde aber durch Besetzung und Buch sinnvoll zu Ende gedacht/gespielt. Nun sollen sich doch bitte mal die Kritiker melden, die noch letzte Woche behaupteten, dass die ARD mit viel Geld wenig Gutes in der Spate Sonntagskrimi hervorbringt. Borowski ist aber allgemein einer der am besten produzierten Teile. Das unterstreicht nicht zuletzt die Zusammenarbeit vergangener Tage mit Krimi Experte Mankell. Ausnahmsweise mal Fernsehen zum genießen. Bitte mehr davon!

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