Tatort - Ein Nachtkrapp geht um am Bodensee
the gaffer (Jenny Jecke), Veröffentlicht am 07.10.2012, 22:19
Klara Blum im Abseits in Tatort - Nachtkrapp
© ARD/SWR
Ist Klara Blum (Eva Mattes) daran Schuld, dass in Tatort: Nachtkrapp ein Kindermörder umgeht? Diese Frage stellt der neue Tatort vom Bodensee zumindest indirekt, in dem er einen alten Fall aufwühlt. Vor fünfzehn Jahren brachte sie einen mutmaßlichen Täter hinter Gittern, nun kommt es zu einem vergleichbaren Mord im selben Schullandheim. Die Schuldfrage durchzieht diesen neuen Fall der erfahrenen Ermittlerin. Doch obwohl Regisseur Patrick Winczewski und Autorin Melody Kreiss besonders gegen Ende starke Bilder finden, bleibt auch dieser Konstanzer Tatort in den Fesseln seiner Konventionen gefangen. Souveränität geht hier einher mit einer gewissen Altersmüdigkeit.
Lokalkolorit: Das Schullandheim Sonnenhain kommt seinem Namen nicht wirklich nach. Kalt und verlassen wirken die Gemäuer des Heims, genauso wie die von Nebelschwaden durchzogene Landschaft rund um den Bodensee. Die lebhaften Kinder, die zu Beginn noch Fußball spielen, wirken in dieser verlassenen Gegend fast fehl am Platz. Dass hier das ein oder andere dunkle Geheimnis gehegt und gepflegt wird, überrascht nicht. So passt es, dass die sonnige Alpenlandschaft ausgerechnet dann Überhand gewinnt, als Klara Blum mit ihrem früheren Wunschtäter und damit ihrer eigenen Schuld konfrontiert wird. Die Wahrheit kommt sprichwörtlich ans Licht.
Mehr: Tatort – Borowski und der stille Gast
Plot: Der Nachtkrapp geht um. Das ist zumindest die Geschichte, mit der sich die Jungen vorm Einschlafen gruseln. Am nächsten Morgen ist einer von ihnen tot, doch war es das Wesen aus den Schauermärchen, der in Freiheit befindliche verurteilte Sexualstraftäter oder doch der nette Sohn des Heimleiters mit dem, nachgewiesenermaßen offensichtlichen, Milchgesicht. Um jedem Klischee zumindest scheinbar aus dem Weg zu gehen, wird wenigstens der Pfaffe in diesem Tatort schnell ausgeschlossen. (Nur weil einige von uns vom rechten Weg abgekommen sind, heißt das nicht, dass sie alle von uns diffamieren können.)
Unterhaltung: Zugegeben atmosphärische inszeniert, verlässt sich Tatort – Nachtkrapp in seiner zweiten Hälfte leider all zu sehr auf hanebüchene Wendungen. Der Hauptverdächtige Nussbaum (Hansa Czypionka) scheint es seinem unschuldig verurteilten Kollegen aus Tatort: Hochzeitsnacht nachmachen zu wollen und entführt mal eben die Kommissaren, um die Polizei zu erpressen und sich in trauter Zweisamkeit äußerst glaubhaft in die Gedanken eines Kindermörders hineinzuversetzen. Ja, so gewinnt einer Vertrauen, der 15 Jahre im Gefängnis saß! Eine Konfrontation Klara Blums mit ihrem eigenen Versagen in Gestalt dieses Mannes ist eine dramaturgische Notwendigkeit für die eher phlegmatische Veteranin. Aber muss besagtes Treffen so konstruiert wirken?
Tiefgang: Die Schuld, jene, die sie abwälzen auf andere und jene, die sich in sie hineinsteigern, durchzieht diesen Tatort. Vom Gottesmann, der die Tür aufließ, über den Jungen, der das Bett tauschte, bis hin zum Täter, der sich am Ende das Leben nimmt. Tatort – Nachtkrapp entfaltet ein ganzes Netz von indirekt Beteiligten, die durch Unachtsamkeit oder wider besseres Wissen eine unglaubliche Tat begünstigten und damit nun Leben müssen. Klara Blum gehört dazu, ebenso wie Nussbaum, der einst den Jungen in den Wald gehen ließ, den Täter sah, aber nicht handelte. Von seinem vergrößerten Figurenensemble bleibt der ansonsten jedoch vorhersehbare Tatort überfordert. Der sonst so erfrischende Perlmann wirkt überflüssig, der Handlungsstrang des Schweizer Ex-Geheimdienstlers Lüthi läuft nirgendwohin. Erst wenn Klara Blum am Ende ins neblige Wasser watet, um den Jungen Moritz und im Grunde auch ihr Seelenheil zu retten, findet der Tatort für kurze Zeit zu sich.
Mord des Sonntags: Wir sehen nicht, wie Beat getötet wird, doch die nüchternen Erzählungen des Gerichtsmediziners tun ihr Übriges.
Zitat des Sonntags: “Wo ist der Junge? – ”Beim Nachtkrapp."
Wieder einmal ein durchschnittlicher Tatort aus Konstanz war das. Oder seht ihr das anders?
News aus der Rubrik Tatort
Deine Meinung zum Artikel Tatort - Ein Nachtkrapp geht um am Bodensee
Bitte logge dich ein oder registriere dich um einen Kommentar zu schreiben.
Deine Meinung zum Artikel Tatort - Ein Nachtkrapp geht um am Bodensee
Kommentare
über Tatort - Ein Nachtkrapp geht um am Bodensee
pietrzikd Mon, 08 Oct 2012 17:25:29 -0000
Kommentar löschenEin Tatort, der von Anfang an sehr düster wirkt. Immer ist Nebel am Bodensee, die Farben sind nicht so satt und die Story ist erschreckend. Ich habe mich beim Schauen irgendwie unwohl gefühlt, oft überkam mich eine Gänsehaut, was bei dem Thema um Kindesmord wohl klar ist. Sehr schwere Kost sozusagen. Am heftigsten empfand ich eine Szene, bei der, ich will gar nicht zu viel verraten, ein Monolog über die Schönheit von unter 13 jährigen Jungen gesprochen wurde, da lief es mir eiskalt den Rücken runter, weil es so gut gespielt war, dass man fast gedacht hat, der Mensch meint das wirklich so. Ich habe selten einen so guten Tatort gesehen, der ein Thema so ernst und s dunkel behandelt, dass jeder Thriller dagegen einpacken kann.
http://nachgebloggt.de/2012/09/03/tatort-nachtkrapp-tv-tipp/
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
FilmFreeza Mon, 08 Oct 2012 15:18:11 -0000
Kommentar löschenHat mir überhaupt gar nicht gefallen.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
seniorem Mon, 08 Oct 2012 13:51:02 -0000
Kommentar löschenWann legt den endlich mal einer der Endführer die Blum um, wenn die den Zettel am Fuß hat gibts von mir 10 Punkte
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Narrisch Mon, 08 Oct 2012 11:19:21 -0000
Kommentar löschenIch frage mich aber warum hier jede Woche der Tatort groß angelegt einer Kritik unterzogen wird? Wann gabs den das letzte mal einen wirklich richtig guten Tatort zu sehen? Ich meine richtig gut? Das ist gefühlte 1000 Jahre her ich jedenfalls erinnere mich diffus an die 90er. Diese Serie hat es schon lange nicht mehr verdient das über sie berichtet wird. Das ist nur noch Verschwendung von Steuergeldern und hat seit Jahren keinerlei Existensberechtigung mehr.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 11 Antworten
the gaffer Mon, 08 Oct 2012 11:57:24 -0000
Antwort löschenDas ist, wie so vieles im Leben, Ansichtssache. Der letzte, der mir richtig gut gefallen hat, was Falsch verpackt aus Wien. Es ist böse von Lars Kraume hatte es allerdings auch in sich.
kronenhummer Mon, 08 Oct 2012 13:14:08 -0000
Antwort löschenGerade in den letzten Jahren ist der Tatort wesentlich vielfältiger geworden und bietet viele neue Ideen und Ansätze. Für das jeweilige Budget dieser Fernseh(!)-Filme sind da häufig sehr sehr gute Exemplare herausgekommen. "Der Weg ins Paradies", "Nie wieder frei sein", "Weil Sie böse sind", "Borowski und der coole Hund", all das sind für mich Beispiele aus dem aktuellen Jahrzehnt, die bei Spannung, Atmosphäre und Technik fast jeden Hollywood-Film alt aussehen lassen.
Narrisch Mon, 08 Oct 2012 14:23:58 -0000
Antwort löschenVielfältig langweilig, ja das würde ich so unterschreiben. Mir reicht es nicht wenn in einem Jahrzehnt gerade mal 1 dutzend guter Tatortfolgen rauskommen. Ich finde 1 oder 1,5 Millionen Euro für eine Tatort Folge jetzt nicht ganz so günstig wie von dir und zahlreichen anderen immer wieder behauptet wird. Mit diesem Geld könnte man einiges auf die Beine stellen. Wenn ich schon diese grauen, winzigen deutschen "Amtszimmer" sehe, diesen tristen Tschernobyl Look, die eingeschlafene Kamera im entsetzlichen Horrorlicht in dem selbst ein attraktive Kommissarin ungesund und hässlich aussieht frage ich mich für wen diese Krimis eigentlich gemacht werden.
the gaffer Mon, 08 Oct 2012 14:30:23 -0000
Antwort löschenFür die 7 bis 9 Millionen Leute, die sie jeden Sonntag gucken. ;)
kronenhummer Mon, 08 Oct 2012 14:36:22 -0000
Antwort löschenMuss ja nicht jeder den deutschen Fernsehkrimi mögen. Auf ca. 8 Mio Zuschauer gerechnet, ist der finanzielle Einsatz pro Zuschauer aber sicher überschaubar. Deine Beispiele mögen bei manchen Exemplaren sicher zutreffen, gerade der diskutierte Bodensee-Tatort ist meist wirklich vergessenswerte Durchschnittsware, aber ist längst nicht mehr Standard. Wie kommt eigentlich jemand, der nicht einen Tatort bewertet hat, zu seinen Aussagen?
Narrisch Mon, 08 Oct 2012 14:57:29 -0000
Antwort löschenNur weil ich hier wenige oder gar keine Fernsehserien bewerte heißt das noch lange nicht das ich mir diese nicht anschaue..... Alarm für Cobra 11 (eine furchtbare Serie) hat 5 Millionen Zuschauer und ist handwerklich besser gemacht als so mancher Tatort. Eigentlich erschreckend. Wie auch immer wir kommen hier nicht auf einen Nenner, ich stehe auf gutgemachte Fernsehunterhaltung wie sie HBO oder TNT produziert und weniger auf gebührenfinanziertes Staatsfernsehen, ich streite nicht ab das es ab und an einen guten Tatort gibt nur für das viele Geld erwarte ich mehr, viel mehr.
Khold88 Mon, 08 Oct 2012 16:54:36 -0000
Antwort löschenNatürlich ist man von Serienknallern auf HBO und TNT verwöhnt. Da kostet die Staffel Game of Thrones beispielsweise gerne mal gute 60 Millionen Euro. Klar ist die Qualität herausragend, ohne Frage, aber der Vergleich hinkt, da sich hier Bezahl- und Free-TV gegenüber stehen. Mit Cobra 11 genau das selbe. Privat gegen öffentlich Rechtlich. Ich selber halte von vielen (auch neueren) Tatort Episoden wenig, es gibt mit Borowski und evtl. dem Münster-Ermittlern gerade noch ein paar, die mir sehr gefallen, wobei Münster immer mehr an Klamauk erinnert und stark abbaut. Auch der Saarland-Tatort gefiel mir immer gut, vllt. zu gut. Ich glaube, dass man von der Serie Tatort für dieses Budget keineswegs mehr erwarten kann. Vieles ist herausragend gemacht, vieles eben auch nicht. Abwarten, vllt. kann dich ja auch nur unser Exil-Hollywooddarsteller Til Schweiger überzeugen, weil da steckt mit Sicherheit ein wenig mehr Geld drin. Qualität wird jedoch auch dort nicht ausreichend vorhanden sein, da bin ich mir ziemlich sicher.
Narrisch Mon, 08 Oct 2012 18:52:43 -0000
Antwort löschenARD (Tatort) ist mitnichten Free-TV es ist Bezahlfernsehen und kostet 20 Euro im Monat! Games of Thrones hatte ich gar nicht als Vergleich herangezogen. Ich würde einen Tatort, was die Kosten betrifft eher mit Dexter Staffel 1 vergleichen wollen... Da kostete eine Folge Dexter knapp 2 Millionen Dollar und siehe da soweit weg ist das vom Tatort nicht, klar ist Dexter nur 45 Minuten lang aber die Unterschiede, in jeder Hinsicht, sind so prägnant das man das ganze nicht so einfach aufs Geld schieben kann. Es ist eine andere Philiosophie die im Gegensatz zur deutschen weltweit sehr erfolgreich ist. Aber das ist kulturpolitisch bei uns ja so gewollt.
Khold88 Mon, 08 Oct 2012 21:53:52 -0000
Antwort löschenWenn du meinst, dass die GEZ die selbe Politik wie ein TNT oder HBO vertreten, kommen wir nicht weiter. Wüsste auch nicht, wo man 20€ für die ARD zahlt, die Kosten sind doch sehr unterschiedlich und nach Menge und Besitz gestaffelt. Ich meine ich halte die GEZ für die größte Abzocke, die wir in Deutschland haben, aber das lassen wir mal außen vor. Game of Thrones fiel mir auch jetzt nur pauschal für den Sender HBO ein, hätte auch Band of Brothers etc. pp. nennen können, was kommerziell sehr erfolgreich ist. Aber da stehen auch Namen dahinter. Bei Dexter muss ich leider passen, ich weiß nur, dass die Serie sehr erfolgreich in den USA ist und in Deutschland wohl auch den einen oder anderen Abnehmer findet. Habe sie aber bisher selber leider nicht sehen können. Die andere Philosophie vertreten oder beschreiten die Deutschen Filme und Serienmacher leider zu oft. Deshalb kommt aus unserem Land auch wenig was über die Grenzen hinaus bekannt oder erfolgreich ist. Dennoch kann man Produktionen der ARD (nennen wir es halb-bezahl-Fernsehen) nicht mit Pay-TV aus den USA vergleichen. Die gesamten Prozesse von Finanzierung und Produktion haben dort, auch bei kleinen Budgets, doch wohl erhebliche Ausmaße, im Gegensatz zu den Deutschen. Ob das bei uns so gewollt ist, ist wohl die andere Frage, ich kannst mir schwer vorstellen. Man kann wohl eher sagen: Es muss so gewollt sein, sonst wars das einfach.
catinthebag Mon, 08 Oct 2012 23:03:23 -0000
Antwort löschenDer Vergleich mit Dexter ist leider eine "Milchmädchenrechnung" (mit Verlaub und liebe Grüsse an die Milchmädchengewerkschaft;-)).
Mit 1.5 Euro ist das Buget einer Dexterfolge mit 45 min sogar noch höher als inzwischen ein normaler 90 min Tatort. Da in den letzten Jahren die Drehzeit wegen den Bugetkürzungen auf durchschnittliche und brutale 22-23 Drehtage beim Tatort gesunken ist und ein Drehtag zwischen 30-60 Tausend Euro liegt, würden einige hunderttausend Euro mehr die Qualität erheblich steigern.
Dexter ist zudem eine Serie und der Tatort eine Reihe. Durchschnittlich macht ein Tatortteam 2 Folgen pro Jahr. Das heißt überall in Deutschland werden Drehorte durchschnittlich nur zweimal im Jahr bespielt. Dexters Wohnung und das Polizeirevier werden sicherlich gebaut und werden in einer Staffel mit 12 Folgen in einem Rutsch gedreht, dass spart Kosten- von den besseren Deals, die man bei den Technikanbietern mit 12 Folgen abschliessen kann ganz zu schweigen.
Der Look: Es gibt tatsächlich einige Tatorte, die technisch filmischer und aufwendiger sind als viele Dexterfolgen. Die Auflösung ist bei Dexter oft sehr einfach und auch das Licht nicht gerade besonders. Da es uns aber hochwertiger erscheint liegt meiner Meinung nach an dem US-Look und der Sonne Miamis. Eine Leiche unter Palmen in einem amerikanischen Swimmingpools sieht eben schicker aus als eine Leiche im deutschen Schrebergarten.
Inhaltlich wird der Vergleich auch schwierig mit dem Tatort.
Dexter läuft auf Showtime einem Pay-TV Sender, der sich nicht um Altersfreigaben scheren muss. Ein Tatort ist ab FSK 12. Dexter oder ein ähnliches Format dürften gesetzlich gar nicht 20:15 Uhr auf ARD laufen. Inhaltlich müsste man in Deutschland die Skandinavischen und Englischen Krimireihen bei ARD und ZDF, die ab 22:00 Uhr laufen, zum Vergleich anführen.
Richtig ist aber, dass man trotzdem um 20:15 Uhr andere Filme oder Serien machen könnte, wenn nicht "Gevatter Hasenfuß" in den Senderanstalten regieren würde.
Auch sehe ich ARD und ZDF als eine Art Pay-TV, die mit ihren Gebührengeldern vorallem leider ihre Verwaltungsapparate und die Renten ihrer Mitarbeiter bezahlen (Und Sportlizenzen und "Stars" wie Gottschalk sind auch nicht gerade billig.)
Trotzdem müsste das öffentlich-rechtliche ein fiktionales, deutsches Erwachsenprogramm zu Verfügung stellen, dass Jenseits von Tatort und Pilcher liegt.
Narrisch Tue, 09 Oct 2012 21:32:03 -0000
Antwort löschenDas mit dem guten Licht in Südafrika höre ich öfters... 10 Mann aus Deutschland fliegen nach Südafrika, sagen wir für einen Werbespot und der "multiethnischen" Möglichkeiten und sitzen dann 4 Wochen im Hotel weil es regnet. Trotzdem fliegen sie immer wieder nach Südafrika obwohl es für eine europäische Produktion unterm Strich viel teurer ist als das ganze im heimischen Studio zu drehen. Warum? Zum Beispiel wegen dem Unterhaltungsprogramm für Erwachsene ala Ergo Versicherung. Aber ich schweife ab, das gute Licht in den Tropen darf keine Ausrede sein das bei uns ein Krimi meist so trist aussieht. Miami im Ruhrport, nicht wirklich ein Problem. Das grau in grau ist gewollt und nicht etwa ein notwendiges Übel weil es zu wenige Drehtage gibt. Das der Tatort (oder deutsche Krimis) so aussehen wie sie aussehen liegt nur zu einem kleinen Teil am Geld, es liegt an der Produktionskultur an der Zersplitterung der deutschen Fenrsehlandschaft in gefühlte 350 verschiedene ARD Sende"anstalten" die alle eifrig Geld für einen Verwaltungsoverkill verprassen und dann die Drehtage kürzen. Es wäre sinnvoller und besser für den Stoff nur eine Handvoll verschiedene Tatort Reihen zu produzieren und nicht jede Wurstanstalt ihren eigen Mist machen zu lassen. Aber das ist undenkbar, Vielfalt ist das Zauberwort. Das Hauptproblem ist aber die Vorbereitung. In der deutschen Fernsehszene finden praktisch keinen gemeinsamen Drehbuchlesungen und Proben statt. Am Set wird dann erstmal ausprobiert und sich gefunden, bis es dann irgendwann so weit ist, sind einem die Drehtage ausgegangen. Das ist Produktionskultur im negativen Sinn. Bei Dexter wissen die Leute am Set ganz genau wer, was, wo, wie zu machen hat und genau deswegen produziert man in kürzerer Zeit mehr hochwertigen Inhalt und genau das kommt durch eine gute Vorbereitung die so bei uns im Regelfall nicht stattfindet.
Khold88 Mon, 08 Oct 2012 10:14:01 -0000
Kommentar löschenKonnte mich der Tatort zu Beginn noch gut unterhalten, schlug ab dem letzten Drittel die Müdigkeit, ähnlich wie bei Ermittlerin Blum, in Form von Absurdität, Sinnlosigkeit und Klischees zu. Die Bilder und ein frischer Co-Ermittler konnten überzeugen, aber den Sonntags Krimi auch nicht mehr vor dem Ertrinken retten. Schade.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Deschi Mon, 08 Oct 2012 07:57:49 -0000
Kommentar löschenAls der gesamt Lösegeld- und Entführungsplot ins Rollen kam wurde es tatsächlich etwas absurd und es wollte wahrlich nicht so recht zum Rest der Produktion passen. Davon abgesehen, war es für mich aber ein Tatort, der sogar etwas überdurchschnittlich war, denn zum Glück überwogen die atmosphärisch dicht inszenierten Bilder und der häufig sehr zurückgenommene, beinah schon kalte Stil, hat mich das eine oder andere Mal schon nahezu emotional gepackt. Eine Sache, den TV Produktionen nur selten bei mir vermögen.
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Weiterführendes zum Artikel ?
Wirf einen Blick in unser Fernsehprogramm, um herauszufinden, was heute im Fernsehen so läuft.






Die Atmosphäre war tatsächlich teils packend düster, teils abschreckend kühl und sachlich, der plot aber sehr konstruiert und schnell durchschaubar.
Der Monolog des Entlassenen 1 cm vorm Gesicht der Kommisarin war auch wirklich gut gespielt und sehr eindringlich
Was mich aber am meisten nervt an den Tatorten des letzten Jahres:
Muß jeder Ermittler persönlich so betroffen und involviert sein, dass er am besten entführt, direkt mit dem Tode bedroht oder misshandelt wird...?
Man kann den Ermittlern doch auch glauben das sie engagiert sind, ohne dass ein mutmaßlicher oder ehemaliger Täter sie direkt bedroht!
bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten
frank-br Tue, 09 Oct 2012 08:51:26 -0000
Antwort löschenGenau! Dieses dauernde persönliche reinziehen der Ermittler nimmt immer mehr zu und tut den Tatort-Folgen absolut nicht gut. Schade!