Tatort Kritik

Tatort - Kaltblütig geht's zu in Ludwigshafen

Tatort - Kaltblütig
© SWR
Tatort - Kaltblütig

Eigentlich könnten sich die Kommissare im neuen Tatort aus Ludwigshafen entspannt zurücklehnen und zusehen, wie sich die von Gier und Eifersucht zerfressenen Figuren in ihrem neuen Fall gegenseitig zerfleischen. In Tatort: Kaltblütig müssen sich Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) nämlich durch ein Gewirr von Anschuldigungen und widersprüchlichen Aussagen kämpfen, die dem Zuschauer das sonntägliche Ratespiel, aber auch das Interesse am Ergebnis erschweren. Besser als der letzte Auftritt der Ermittler aus Ludwigshafen, Tatort: Der Wald steht schwarz und schweiget, ist dieser kaltblütige Fall allemal, aber was heißt das schon?

Lokalkolorit: Abgesehen von der nächtlichen Skyline Ludwighafens, in die sich Tatort – Kaltblütig förmlich verschossen hat, stechen Look und Motivwahl dieses Krimis von Regisseur Andreas Senn (Tatort: Vermisst) und Autor Christoph Darnstädt (Die Grenze) kaum hervor. Einzelne Situationen bleiben hier eher im Gedächtnis als eine Atmosphäre, die sich während der Spielzeit entfalten könnte, etwa wenn Frank Brenner (Götz Schubert) sich im Knast wie vom Teufel besessen den Kopf blutig schlägt.

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Plot: Die schwangere Roza Lanczek (Karolina Lodyga) stirbt an den Folgen eines Autounfalls. Ihr Freund Frank Brenner gerät in Verdacht, da er am Abend vorher an dem Auto herumgewerkelt haben soll. Hauptbelastungszeugin ist ausgerechnet dessen Ex-Frau Katharina (Anna Loos), die den Polizisten ohne Umschweife erzählt, dass Frank seine Geliebte loswerden wollte. Das Gegenteil behaupten Franks Schwester Anne und Rozas Mitbewohnerin. Erstere, eine exaltierte Künstlerin (Sandra Borgmann) schiebt der kühlen Katharina den Schwarzen Peter zu, als ob diese sich mit ihren herausposaunten Anschuldigungen nicht schon verdächtig genug benommen hätte.

Unterhaltung: Zu Beginn gibt sich Tatort – Kaltblütig tatsächlich als spannendes Verwirrspiel. Eher selten konfrontiert uns ein Krimi mit solch unvereinbaren Beschreibungen ein und desselben Verdächtigen. Bei genauer Betrachtung des neuen SWR-Krimis fällt auch auf, warum das nicht dem gängigen Erzählmuster entspricht. Am Ende nämlich, nach dem ganzen Bäumchen-wechsle-dich-Spiel der Verdächtigen, wenn Täter und Motiv entblößt werden, sollten immer noch in sich konsistente Charaktere agieren. Genau das ist in Tatort – Kaltblütig nicht der Fall. Zwar fasziniert Anna Loos als unnahbare Ehefrau. Der wichtigste Charakter aber, Frank Brenner, verkommt mit jeder Wendung zu einem Bündel an Hintergrundgeschichten, Motiven und psychologischen Problemen, das kein homogenes Ganzes ergibt. “Wann ist ein Mensch homogen?”, könnte die Gegenfrage lauten und sie ist berechtigt. In einem unterdurchschnittlichen Sonntagskrimi wirkt Brenner mit seinem Kindheitstrauma, der Liebe zu seiner Roza, dem aus Gier resultierenden Mordversuch an seiner Exfrau, den Ausrastern im Knast und schließlich der angedachten Selbstverbrennung im Wohnwagen trotzdem wie eine Ansammlung von Drehbuchideen, die zugunsten überraschender Wendungen in einen Charakter gepresst wurden.

Tiefgang: Was nach Abzug der überladenen Motivlage bleibt, ist ein Tatort, der uns irgendwas über Menschen und ihre Arbeit sagen will, weswegen er Brenners vermeintliche Suche nach Freiheit mit Koppers Bandproben parallelisiert. Abgesehen von Andreas Hoppe, der wahlweise Pink Floyd und Johnny Cash röhrt, während Odenthal/Folkerts Überstunden schiebt, fügt das dem Krimi jedoch überhaupt nichts hinzu. Aber vielleicht soll es das gar nichts.

Mord des Sonntags: Blutverschmiert liegt das Unfallopfer auf dem OP-Tisch und der Krimi nimmt seinen Lauf.

Zitat des Sonntags: “Frau Odenthal, jetzt machen Sie mal Wochenende!”

Eine Perle der Tatort-Kunst war dieser Krimi aus Ludwigshafen nicht gerade oder was meint ihr?

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