Kommentar der Woche

The Gun is good! Penis is evil!

Zardoz is pleased.
© moviepilot/Fox
Zardoz is pleased.

Im Kommentar der Woche möchten wir jede Woche eure Kommentare auf der Bühne moviepilots feiern. Die Voraussetzungen dafür können beinahe alle Kommentare erfüllen, ob mit Brustbehaarung bis über beide Ohren, Gesichtspelz oder einfach nur als Ausdrucks eines bizarr verzerrten Barbarellafetischs, von dem die Menschheit noch in Äonen von Alpdrücken gegeißelt werden wird: Wenn euch ein Kommentar besonders gut gefallen hat, schreibt mir einfach eine Nachricht. Wir flechten derweil Bob Hoskins Zöpfchen auf den Schultern…

Der Kommentar der Woche
Heute hüpft PalimPalim mit Sean Connery in den fliegenden Steinkopf in Zardoz, und findet in der oberflächlich betrachteten Lächerlichkeit des Films von John Boorman ungeahnte Tiefe:

“I present now my story, full of mystery and intrigue – rich in irony, and most satirical. […] I am the puppet master. I manipulate many of the characters and events you will see. But I am invented, too, for your entertainment, and amusement. And you, poor creatures, who conjured you out of the clay? Is God in show business too?”
Arthur Frayn

Der Prolog weist die Richtung, für das irritiernde, alberne, und doch faszinierende Schauspiel, dass Zardoz dem Zuschauer bietet. Der Film ist nicht unfreiwillig komisch, er setzt seinen Humor und seine stilistischen Verfehlungen, wie den irrwitzigen roten Badeanzug von Sean Connery, bewusst ein. Zardoz ist als ein Parodie mit komödiantischen und dramatischen Elementen im Stile Shakespeares zu verstehen, worauf schon der Typus des Erzählers Arthur Frayn verweist. Der gesamte Plot ist von shakespearesken Momenten durchzogen: Die philosophischen Reflexionen der Figuren auf ihre Umwelt, das dramatisierte, konfliktträchtige Setting und teils auch die Sprachwahl der Dialoge. Der bizarre fliegende Steinkopf entstammt klassischen Masken der griechischen Tragödie.

Zardoz’ Stärke liegt besonders in der bewussten Aushebelung der bekannten Genrenormen. Er bricht mit nahezu allem, was das zeitgenössische Science-Fiction-Kino hervorgebracht hat und besinnt sich auf die Wurzeln dessen, was Science Fiction auszudrücken vermag. Er eröffnet eine Plattform für die Reflexion über das Wesen des Menschen, über den Konflikt zwischen Triebhaftigkeit und Kontrolle der menschlichen Natur.

Das Setting ist ungewöhnlich naturalistisch. Den natürlichen Sets in Irland wurde mit nur marginalen Veränderungen ein futuristischer Look verpasst. Trotz des geringen Budgets von 1 Mio. Dollar gelang den Set-Designern eine außergewöhnliche Ausstattung. Mit einfachen Mitteln wie Projektionen entstehen einzigartige psychedelische Bilderwelten. Szenen wie die Verbannung einens Mitglieds der Eternals sind genauso irrwitzig komisch wie unterschwellig bedrohlich. Andere Szenen sind so überzogen, das man darüber Lachen möchte, doch kurz darauf folgt ein Erstaunen über die hohe Reflexivität des Gesagten. Selten hat es ein Film geschafft, sich so zielsicher zwischen vollkommener Lächerlichkeit und philosophischen Ernst zu bewegen.

Zardoz wurde als Egotrip John Boormans bezeichnet und erhielt überwiegend schlechte Kritiken, in denen der Plot und die Lächerlichkeit des Dargestellten kritisiert wurden. Jedoch ist der Film ernsthafter und wahrhaftiger als ein Großteil der millionenschweren Science-Fiction-Kost heutiger Tage, die großartige optische Fiktionen bieten, aber verlernt haben, Fragen zu stellen. Zardoz ist, verpackt in das Kleid eines abstrusen komödiantischen Schauspiels, eine Bühne für philosophische Ideen, von denen im positiven Sinne mehr aufgeworfen als beantwortet werden. Ein sehr eigenwilliges und bizarres Werk, das auf den zweiten Blick mehr Tiefe offenbart, als es zunächst den Anschein hat.

Den Kommentar findet ihr übrigens hier.

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