The Messenger
© Senator
Da soll einer mal behaupten, Hollywood könne nicht selbst-kritisch mit der jüngeren amerikanischen Geschichte umgehen! Dass kritisch nicht gleichzusetzen ist mit polemisch, erklärt sich dabei von selbst. Denn sehenden Auges in den Ruin zu gehen, ist selbst für ambitionierte Filmemacher keine Option. So lassen die Produzenten das offensichtliche Kassengift aus dem Becher und man übt sich in der richtigen Mischung aus großen Namen und überzeugender Story. OK, manchmal auch nur großen Namen.
Der Aufhänger und nicht nur deswegen Platz 1: The Messenger (2009) von Oren Moverman
Das für den Oscar gleich zweifach nominierte Drama The Messenger – Die letzte Nachricht (Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller) und Sieger des Silbernen Bären (Bestes Drehbuch) besticht neben den überzeugenden Darstellern durch fesselnde Dialoge und Dramaturgie. Woody Harrelson und Ben Foster spielen die Soldaten Captain Tony Stone (Woody Harrelson) und Staff Sergeant Will Montgomery (Ben Foster), deren Aufgabe es ist, den Familien die Nachricht zu übermitteln, dass ihre Angehörigen im Kampfeinsatz an der irakischen Front gefallen sind. Der Film von Oren Moverman ist, ähnlich wie in dem unten aufgeführten Kriegs-Drama Grace is Gone, eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit dem Phänomen des entdistanzierten Krieges.
Die Oscar-Überraschung bringt den 2. Platz: Tödliches Kommando – The Hurt Locker (2009) von Kathryn Bigelow
An den Kassen fast unbemerkt vorbeigegangen und DIE Überraschung bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ist Tödliches Kommando – The Hurt Locker, das Action-Drama rund um ein Bomben-Räumungskommando in den Wirren des Irak-Krieges. Als eindeutiger Sieger aus dem inner-ex-ehelichen Duell mit James Cameron hervorgegangen gewährt das Comeback von Kathryn Bigelow intensiven Blick in das Seelenleben der Soldaten im Einsatz. So offenbart sie den korrumpierenden Effekt des Krieges, so modern er auch erscheinen mag, auf die Psyche des Soldaten, der aufgrund seiner Ausbildung und der ihm unweigerlich widerfahrenden Erlebnisse zwischen Mensch und Maschine herumirrt.
Die Satire auf den Platz 3: Jarhead -Willkommen im Dreck (2005) von Sam Mendes
Nach seinem Überraschungserfolg American Beauty war die Messlatte bei Sam Mendes sehr hoch angesetzt, was seine kommenden Projekten anbelangte. Und so war es kein Wunder, dass sowohl Road to Perdition als auch Jarhead – Willkommen im Dreck enttäuscht aufgenommen wurden. Zu Unrecht. Denn gerade Jarhead – Willkommen im Dreck ist eine gelungene Kriegssatire über den zweiten Golfkrieg 1990/91. Der Film folgt dem Scharfschützen Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) auf seinem Weg durch die Ausbildung hin zum Einsatz im Irak. Vor Ort wird er mit der Stumpf- und Unsinnigkeit des Krieges ums Öl konfrontiert. Der Film zeichnet sich u. a. durch intertextuelle Verweise auf Apocalypse Now und Full Metal Jacket aus. Der Krieg wird hier als zermürbende Zeit des Wartens auf den Einsatz gezeigt, der dann nur fragwürdigen Ruhm bringen kann.
Das dramatisierte Politikum – Platz 4: Green Zone (2010) von Paul Greengrass
Für viele nur Jason Bourne im Irak, weil hier ein weiteres Mal Regisseur Paul Greengrass und Hauptdarsteller Matt Damon zusammengefunden haben, beruht die Idee zum Film auf einem Umstand, der als Skandal viel zu harmlos umschrieben wäre. Um den militärischen Einsatz im Irak-Krieg im Frühjahr 2003 zu legitimieren, verkündete der damalige US-Außenminister Colin Powell, Saddam Hussein verfüge über einsatzfähige Massenvernichtungsmittel. In Anlehnung an die damaligen Ereignisse schickt Paul Greengrass Matt Damon als Officer Miller in die sogenannte Green Zone, um sich auf die Suche nach diesen Waffen zu begeben. Er findet aber nur ein Gespinst aus Lügen und Täuschung. Eine haarsträubende Geschichte, die leider nur allzu wahr ist.
Der Bastard aus Komödie und Drama schafft den 5. Platz – Three Kings (1999) von David O.Russell
Ein Film, den der Zuschauer nur schwer einzuordnen weiß: Im ersten Teil ein Abenteuerfilm mit Figuren, die sich mit flapsigen Sprüchen schlagen, schlägt der Film im zweiten Teil ernstere, dramatische Töne an. Die Three Kings – das sind die Soldaten Gates (George Clooney), Barlow (Mark Wahlberg) und Elgin (Ice Cube). Unmittelbar nach Ende des Golfkrieges gelangen sie an eine Karte, die auf einen gigantischen Schatz hinweist. Sie entfernen sich unerlaubt von der Truppe und begeben sich auf dessen Suche. Aber sie finden nicht nur den erhofften Reichtum, sondern auch eine humanitäre Herausforderung, die den Three Kings eine folgenschwere Entscheidung abverlangt. Wenn das nicht dramatisch klingt?!
Die Literatur-Verfilmung für den 6. Platz: Männer, die auf Ziegen starren (2009) von Grant Heslov
George Clooney zum zweiten: In der auf wahren Tatsachen (man beachte die dezente Doppelung) beruhenden Farce Männer, die auf Ziegen starren von Grant Heslov mimt George Clooney einen ehemaligen Angehörigen der amerikanischen Spezialeinheit New Health Army, deren Mitglieder parapsychologisch geschult wurden, um ohne psychische Gewalt den Gegner außer Kraft zu setzen, genannt Jedis. Der von der Liebe frustrierte Journalist Bob Wilton (Ewan McGregor) begibt sich auf der Suche nach einer großen Story 2003 in den Irak und trifft nicht nur den besten unter den Jedis, Lyn Cassady (George Clooney), sondern auch dessen als verschollen geltenden Mentor Bill Django (Jeff Bridges). Während die Dramaturgie der Story nicht immer souverän wirkt, brillieren unter den Männern, die auf Ziegen starren, George Clooney als traumatisierter Elite-Soldat – teils mit fragwürdiger Frisur, Jeff Bridges in einer Variante seines Dudes und Kevin Spacey als aalglatter Widersacher.
Das Drama des Krieges für die Daheimgebliebenen – unser auf Platz 7: Grace is Gone (2007) von James C. Strouse
Ähnlich wie bei The Messenger geht es im Drama Grace is Gone um die Kollateralschäden des Krieges, mitunter fernab des eigentlichen Schauplatzes. Nicht nur durch die eingebetteten Journalisten und deren hautnaher Berichterstattung ist der Krieg in den Wohnzimmern angekommen. Dies muss Stanley Phillips (John Cusack) umso deutlicher erfahren, als ihm mitgeteilt wird, dass seine Frau Grace bei einem Einsatz im Irak ums Leben kam. Er bringt es nicht übers Herz, seinen Kindern vom Tod ihrer Mutter zu erzählen. Also bricht er mit den beiden jungen Töchtern zu einer Reise in einen Vergnügungspark auf, in deren Verlauf er sich, ob er will oder nicht, mit dem Unabwendbaren auseinandersetzen muss. Einfühlsam bis tränenselig begleitet der Film von James C. Strouse die Akteure auf ihrem Weg der Trauerverarbeitung; Clint Eastwood untermalt Grace is Gone mit seiner für den Golden Globe nominierten Musik.
Elman Smithee (Elmar Mertens) 2010/06/09 13:00:00
Kommentare
über Top 7 der Irak-Kriegsfilme
Kommentar schreibenChrisetoph 2010/06/09 13:17:15
Kommentar löschenDrei Filme kenne ich bisher, und alle sind nur knapp über dem Durchschnitt:
"The Hurt Locker" war ziemlich unspektakulär und wollte mir die Message nicht so richtig deutlich machen.
"Jarhead" war arg langweilig - was zwar zur Story passte, mich aber trotzdem enttäuscht hat.
"The Men who stare at Goats" war eine zusammenhanglose Aneinanderreihung teils witziger, teils dämlicher Szenen und insgemant auch hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben.
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Chev Chelios 2010/06/09 17:56:55
Antwort löschennaja
was hast du denn dan für ne Erwartung.....ich denk ma du hast "The hurt Locker" einfach nicht verstanden....der Film erfordert nemlich ein etwas höheres Niveau, und aus diesem Kommentar geht hervor das dieses zu gebreuchende höhere Niveau nicht vorhanden ist.
Bei Jarhead genau das gleiche.
Bei "Männer die auf Ziegen starren" kann ich dir in allen punkten nur Recht geben.
Chev Chelios 2010/06/09 17:57:01
Antwort löschennaja
was hast du denn dan für ne Erwartung.....ich denk ma du hast "The hurt Locker" einfach nicht verstanden....der Film erfordert nemlich ein etwas höheres Niveau, und aus diesem Kommentar geht hervor das dieses zu gebreuchende höhere Niveau nicht vorhanden ist.
Bei Jarhead genau das gleiche.
Bei "Männer die auf Ziegen starren" kann ich dir in allen punkten nur Recht geben.
Ansi 2010/06/09 18:32:48
Antwort löschenWüsste ehrlich gesagt nicht, was es bei "Tödliches Kommando" nicht zu verstehen gibt...
Coach T 2010/06/09 19:08:27
Antwort löschen@ Chev Chelios
"der Film erfordert nemlich ein etwas höheres Niveau, (...)"! Achso, welches du natürlich besitzt, oder? Wer "nämlich" falsch schreibt ist dä.... :)
Chrisetoph 2010/06/09 20:26:54
Antwort löschenNatürlich, wer an einem Film etwas auszusetzen hat, hat ihn per se nicht verstanden. Außerdem ist "The Hurt Locker" kein Film, den man einfach nicht verstehen kann: Gleich am Anfang wird die Message des Films in Form des Schriftzugs "War is a drug" eingeblendet. Da scheint jemand wenig Vertrauen in die Aussagekraft seines (bzw. ihres) Films gehabt zu haben, wenn diese Jemand die Botschaft des Films hinschreibt....
SamRamJam 2010/06/09 20:47:10
Antwort löschen@Chrisetoph: Ja, mich stört auch das es immer gleich heißt man hätte etwas nicht verstanden wenn man etwas nicht mag. Aber wo dann der zu verstehende Sinn liegt sagt einem auch niemand ;)
phoenix409 2010/06/09 13:44:55
Kommentar löschenNette Liste, aber mit zwei Dingen kann ich mich überhaupt nicht anfreunden.
1.) Mendes hat mit "Road to Perdition" absolut nicht enttäuscht. Im Gegenteil.
2.) "Men Who Stare At Goats" hat in einer Liste der besten Irak-Kriegsfilme eigtl nix verloren.
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Elman Smithee 2010/06/09 19:51:49
Antwort löschenad 1.): Die Meinung des Autoren der Top 7 deckt sich auch nicht mit der Meinung der Kritiker, will meinen: Ich fand Road to Perdition sowohl stilistisch als auch dramaturgisch sehr wohl sehr gut gelungen.
ad 2.): Ich war auch von dem Film enttäuscht (klarer Fall von: Der Trailer ist besser als der ganze Film), dachte mir aber, dass ich in einer Top 7 nach Möglichkeit das ganze Spektrum an Ausdrucksformen zum Thema Irak-Krieg unterbringe.
ad stuforcedyou: Stop-Loss kenne ich noch gar nicht (*shame on me*); Im Tal von Elah habe ich schlichtweg vergessen (*s.o. hoch zwei*)
stuforcedyou 2010/06/09 15:05:12
Kommentar löschenIch vermisse "Stop-Loss" und "Im Tal von Elah".
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MovieMuc 2010/06/09 17:14:05
Kommentar löschenGanz klar gehört "Im Tal von Elah" hier in diese Liste.
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Chev Chelios 2010/06/09 17:53:06
Kommentar löschenIch kann der gesamten Sache nur zustimmen...ausser gegenüber dem ersten Platz bin ich skeptisch....aber ich hab auch noch nich gesehen.....wenn er rasu kommt werd ichs wissen, ob dieser Film (The Messenger) wirklich besser ist als The Hurt Locker.
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Waffel 2010/06/09 18:56:02
Kommentar löschenHabe 5 von den 7 Filmen gesehen und kann vor allem bei Platz 1 voll und ganz zustimmen, ein unglaublich guter und ergreifender Film.
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Agentin Erdbeere 2010/06/09 19:38:11
Antwort löschenJap, das sehe ich genauso. Hab zwar nur 4 von den 7 gesehen (die anderen werden nachgeholt^^), aber der 1. hats definitiv verdient.
SamRamJam 2010/06/09 20:51:36
Antwort löschenMir hat the Messanger auch super gefallen. Allerdings geht es da ja nicht um den Irak. Es ist/war halt nur der aktuelle Krieg.
BigDi 2010/06/09 22:46:55
Kommentar löschen"Three Kings", naja, naja, der konnte sich auch nie entscheiden, was er jetzt eigentlich sein will. Ein Versuch einer Auseinandersetzung, der stellenweise auch klappt, aber in einer Top-Liste hat er mMn nichts verloren.
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yogifuchs 2010/06/09 23:12:31
Kommentar löschenAllein die Tatsache, dass Green Zone in dieser Liste auftaucht, zeigt, dass es noch nicht viele Irakkriegsfilme gibt.
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Super8951 2010/06/12 10:04:16
Kommentar löschenSchon mal was von In the Valley of Elah gehört? Der beste Film über den Irakkrieg überhaupt.
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samploo 2010/06/12 11:38:15
Kommentar löschenAlle, bis auf "Grace is gone" gesehen.
Dass "Männer, die auf Ziegen starren" hier nicht unbedingt reingehoert, wenn auch Filme wie "The Messenger" vorhanden sind, sollte eigentlich klar sein.
Ich fuer meinen Teil vermisse den ganz starken "Battle for Haditha"!
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Top 7 hm... wieviele standen denn zur Auswahl? Es gibt ja nun nicht dermaßen viele davon
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philopee 2010/06/09 17:57:48
Antwort löschenhab ich mich auch schon gefragt :D
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SamRamJam 2010/06/09 20:49:13
Antwort löschenIch habe vor dem lesen des Artikels eine eigene Liste erstellt und seltsamerweise bin ich nur auf die genannten sieben gekommen. Soll jetzt nicht heißen das es nicht mehr gibt aber soviel mehr werden es wohl auch nicht sein
philopee 2010/06/09 21:18:01
Antwort löschenMir wäre nur Hurt Locker, Männer die auf Ziegen starren und Green Zone eingefallen...