Guttenberg'scher Beschiss

Top 7 der unterschlagenen Fußnoten im Film

Top 7 der verschwiegenen Fußnoten im Film
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Top 7 der verschwiegenen Fußnoten im Film

Natürlich geht es hier nicht um Doktortitel, Reputationen oder Beliebtheitswerte, lediglich um einige Milliönchen, wenn es hoch kommt Milliärdchen von Dollar, die sich durch solche Fußnotenunterschlagungen sparen lassen.

Doch, wo sollen wir den Maßstab ansetzen? Hollywood ist ein äußerst inzestiöser Verein, der sich regelmäßig selbst kopiert, zitiert, huldigt und recycelt. Des einen Remake ist des anderen Rippoff. Was die einen in der Kindheit sahen und liebten, wird beim anderen direkt als eigener Mist weiterverkauft. Um die Streitigkeiten sollen sich andere kümmern, wir wollen diejenigen finden, die sich spät oder gar nicht zu ihren heimlichen Vorbildern bekannten oder aus anderen Gründen sich weigerten, gewisse Einflüsse anzuerkennen. Also raus mit den Drehbüchern, jetzt gehen wir auf die Jagd nach den Top7 der unterschlagenen Fußnoten im Film.

7. Transmorphers – Warum einen Block, wenn man 100 Mocks haben kann?
Eigentlich ein alter Hut, das berühmt-berüchtigte Studio The Asylum überhaupt zu nennen. Wenn ein Name mit Ripoffs und Plagiaten in Verbindung gebracht werden, dann dieser. Wir haben einen gewissen, verhaltenen Respekt, dass das Studio seine Nische der Mockbusters so effizient und zielorientiert verfolgt. Innerhalb weniger Wochen werden ganze Film zu minimalen Budgets aus dem Boden gestampft, damit sie zeitgleich wie gewisse andere Filme lanciert werden können, Stichwort Almighty Thor und Battle of Los Angeles.

6. Skyline – Effektkünstler, bleib bei deinen Leisten…
Es tut weh, nicht einfach weil Independence Day und H.G. Wells Krieg der Welten gleichermaßen ausgeschlachtet werden, sondern weil das Ergebnis körperlichen Schmerz im Zuschauer auslöst. Über Asylum kann einiges Negatives gesagt werden, aber sie wissen, wo sie hingehören … ins Neuigkeiten Regal der Videothek, maximal eine Woche und danach direkt in den Müll. Das Brüderpaar Strause dagegen glaubt von sich immer noch, sie würden dazu gehören zur Hollywood-Elite.

5. Jäger des verlorenen Schatzes / Quatermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige – So originell wie Star Wars…
Lieber gut geklaut als schlecht erfunden, was bei Allan Quatermain doppelt zutrifft. Im Zuge von Indiana Jones anhaltenden Erfolg, wurde kurzerhand der alte Romanheld von Autor Henry Rider Haggard, der bereits mehrfach als Filmheld auftreten durfte, nochmals reaktiviert und auf einem Trampelpfad geschickt, der inszenatorisch frappierend genau den Spuren von Indy folgte. Andererseits allerdings kommen wir nicht umhin zu erwähnen, dass Indiana Jones großes Vorbild ebenfalls Allan Quatermain war. Aber hauptsächlich die verklärte, romantische Romanheld und weniger die frühen Filme.

4. Terminator – Wer einmal klaut…
Entschuldigung an alle James Cameron Fans da draußen: Aber der König der Welt hat bereits bei unserem Lieblings-Cyborg Terminator abgekupfert. Kurz nach Veröffentlichung des ersten Kinofilms zog Autor Harlan Ellison gegen James Cameron vor Gericht. Die Ähnlichkeiten zu seinen eigenen Drehbüchern Soldier und Demon with a Glass Hand, die 1983 in der US-Serie The Outer Limits umgesetzt wurden, waren zu gravierend, als dass er über die Urheberrechtsverletzungen hinwegsehen hätte können. Mit Erfolg: Alle nachfolgenden Kopien des Films beinhalten seit dem einen entsprechenden Credit zu Gunsten von Ellison.

3. Prinzessin Mononoke – Lieber gut recycelt als schlecht geremaked
Ich höre jetzt schon den Aufschrei der Animejünger: Was hat sich Prinzessin Mononoke denn zu Schulden kommen lassen, um hier erwähnt zu werden? Gut, die Handlung von Prinzessin Mononoke ist beinahe 1:1 aus Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde entnommen und lediglich mit kosmetischen Korrekturen versehen worden. Wildschweine da, Waldgott dort, grüne Wälder überall, aber schließlich handelt es sich hier um den Anime-Meister überhaupt – Hayao Miyazaki! Wenn jemand sein Werk recyceln darf, dann doch der Meister selbst. Genau, die Betonung liegt auf recycelt. Auch ich liebe die Waldprinzessin und die Wüstenprinzessin fast gleichermaßen, dennoch hatte es einen säuerlichen Beigeschmack, zu erkennen, wie gleich die beiden doch sind. Zu sehr, um es einfach mit der Stilfrage beiseite zu wischen.

2. Reservoir Dogs – Hund beißt Lam(m)
Dass Quentin Tarantino vielleicht der größte aller Filmverrückten ist, ist hinlänglich bekannt. Auch dass er in all seinen Filmen unzählige Zitate und Hommagen auf von ihm verehrte Filme einbaut. Er steht wie kein anderer dazu, seine Hauptinspiration von anderen Filmen zu holen. Außer bei seinem Regiedebüt Reservoir Dogs, bei dem er lange Zeit ein Geheimnis darum machte, dass City on Fire von Ringo Lam mehr war als nur ein Stichwortgeber. Teils wurden von Quentin Tarantino ganze Szenen detailgetreu übernommen.

1. Godzilla – Vom Knet-Dino zum Latex-Monster
Godzilla, der König aller Filmmonster, soll das Ergebnis einer ideellen Fremdbestäubung und keiner atomaren Verstrahlung sein? Blasphemie! Tatsächlich: Regisseur Ishirô Honda gab selbst zu, von dem nur ein Jahr vor Godzilla gestarteten Dinosaurier in New York maßgeblich inspiriert worden zu sein, auf dem er später dann seine Hiroshima Allegorie aufbaute und somit sein Vorbild wahrlich in den Schatten stellte.

Welchen Filmen würdet ihr noch den Doktortitel absprechen, die sich Original nennen, aber in Wirklichkeit nicht sind?

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goodspeed alias Orlindo liebt, lebt, hört, fühlt und atmet Filme. Er arbeitet als Online- und Videoredakteur für eine Filmproduktionsfirma und betreibt mit ANIch das einzige (lesenswerte?) deutschsprachige Blog zum Thema Animation und VFX.

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