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Trailer als andere Art der Videospieladaption

Connor Kenway im Live Action Trailer von Assassin's Creed III
© Ubisoft
Connor Kenway im Live Action Trailer von Assassin's Creed III

Hollywood infiltriert die Videospielindustrie. Nicht nur was die Inszenierung angeht und die oft berühmten Stimmen, die sich hinter den animierten Figuren verbergen, auch filmische Trailer verdrängen mehr und mehr ihre klassischen Mitstreiter. Anstatt auf Gameplay-Eindrücke und Grafik setzen Publisher auf große Gefühle und Atmosphäre.

Immer mehr Videospieltrailer können weniger als Werbung und dafür schon als eigenständiges Werk gesehen werden. Es sind Videos, die eher so wirken, als sollten sie Teil eines oder gar ein eigener Film sein. Diese Art der Vermarktung wirft die Frage auf, ob solche Videospieltrailer wirklich noch als schlichtes Werbemittel gesehen werden können, oder ob es sich schon um eine eigenständige Art der Adaption handelt.

Schönes, cineastisches CGI
Filmische Trailer gibt es im Spielebereich wie Sand am Meer. Sie orientieren sich in ihrer Darstellung nicht am eigentlichen Spielgeschehen, sondern vielmehr wage am Handlungskern und vor allem der Atmosphäre, die vermittelt werden soll. Ein gutes Beispiel ist der erste Trailer des Tomb Raider-Reboots, der in beeindruckenden Bildern den Beginn von Lara Crofts Wiedergeburt zeigt oder der von Materialschlachtexperte Michael Bay erstellte Trailer zu Need for Speed: The Run. Einer der besten und schlechtesten Videospieltrailer des vergangenen Jahres ist ohne Zweifel der von Dead Island. Die Gänsehaut erzeugende Atmosphäre und Erzählstruktur schlugen hohe Wellen und ließen die Erwartungshaltung für das tropische Zombie-RPG so in solch unerwartete Höhen schießen, dass Lionsgate sich schnell die Filmrechte am Spiel selbst sicherte. Der Titel hingegen blieb hinter den Erwartungen zurück. Das lag vor allem daran, dass nichts von dem beklemmenden Drama, das im Kurzfilm zu sehen war, auch auf das Spiel übertragen wurde, das sich als relativ klassisches RPG mit Zombies herausstellte. Egal wie fantastisch der Trailer gewesen sein mag, letztlich war es für Deep Silver ein Schuss ins Knie, wenn wir uns die mäßige Reaktion von Kritikern und Spielern ansehen. Eine Fortsetzung kommt natürlich trotzdem. Unter ähnlichen, wenn auch nicht ganz so drastischen, Umständen musste auch der Mad World Trailer von Gears of War leiden. Er kam ins Kreuzfeuer der Kritik, da der Ton, den das kurze Video versprach, nichts mehr mit der Stimmung des Spiels zu tun hatte, das letztlich aber immerhin auf andere Art beeindruckte. Beide Trailer zeigten zu gut, dass ein beeindruckender, cineastischer Trailer letztlich nicht immer gut für ein Spiel sein muss.

Film ab – Kurzfilme als Trailer
Manchen Publishern reicht es nicht, einen simplen Trailer zu veröffentlichen. Sie gehen gleich aufs Ganze und präsentieren komplette Kurzfilme. Diesen Weg gingen unter anderem Activision mit Prototype 2 oder Bethesda mit ihrem fast fünfminütige Video zu Dishonored: Die Maske des Zorns. Für den Ego-Shooter Metro: Last Light präsentiert THQ ebenfalls einen stimmungsvollen, postapokalyptischen Kurzfilm, an dem nicht nur Gamer ihre Freude haben dürften. Auffällig ist, dass diese Art des Trailers häufig auf ihrem narrativen Höhepunkt stoppt und ausblendet. Die entscheidende Actionszene findet nie statt. Außer vielleicht im Kopf des Zuschauers oder späteren Käufers, der allerdings im Spiel meist vergeblich nach der entsprechenden Szene sucht.

Wer braucht schon Computer?
Kurzfilmtrailer sind oft gleichzeitig Live Action Trailer und lange keine Seltenheit mehr. Es lässt sich fast sagen, dass sie bei AAA-Titeln zur Regel geworden sind, denn kaum ein großes Spiel kommt ohne sie aus. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, Schauspieler zu engagieren und teilweise fast hollywoodreife Inszenierungen hinzulegen, wie uns Metro, Sleeping Dogs oder Skyrim zeigen. Auch wenn sie durchaus beeindruckend aussehen, so bringen Live Action Trailer für Gamer einige Probleme mit sich. Nicht nur, dass sie nichts über Grafik und Spielmechanik aussagen, oft sind sie völlig losgelöst von Handlung des beworbenen Titels. Zuletzt konnten wir das gut bei Assassin’s Creed IIIs Rise beobachten. In pompösen Bildern bestätigte er erneut das, was uns schon die Spielverpackung verrät: Die Handlung findet während des amerikanischen Bürgerkrieges in Neuengland statt. Danke dafür.

Live Action Trailer sollen vor allem Emotionen wecken und Atmosphäre vermitteln oder, wie die The Veteran & the N00b-Reihe mit Sam Worthington und Jonah Hill, das Spielgefühl eines Titels wie Call of Duty: Modern Warfare 3 herüberbringen. Das mag schön und gut sein, allerdings wecken sie häufig eher das Verlangen, den entsprechenden Film zu sehen und nicht, das Spiel zu spielen, über das wir hinterher noch immer kaum etwas wissen.

Die Grenzen zwischen cineastischem Trailer, Live Action Trailer und Kurzfilm sind fließend. Sie alle erzählen eigene Geschichten, die teilweise komplett losgelöst sind von den Spielen, die sie bewerben sollen. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Ebenso wie die Tatsache, dass es sich bei diesen Trailern nur um einen von vielen handelt, die ein Publisher aus Werbegründen veröffentlicht. Interessant ist aber, dass sie zum großen Teil völlig ohne Hintergrundwissen oder Kenntnis der Spiele funktionieren, so wie auch ihre großen Geschwister, die wir im Kino finden können. Und genau das macht sie letztlich zu einer ganz eigenen Art der Adaption.

Was glaubt ihr? Handelt es sich bei cineastischen und Live Action Trailern um pompöse Werbung oder schon um eigene Mini-Adaptionen?

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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