US-Kritiker verteufeln Inglourious Basterds
Ines Walk (Ines Walk), Veröffentlicht am 21.08.2009, 08:58
Inglourious Basterds
© Universal Pictures
Klar, dass Inglourious Basterds von Quentin Tarantino nicht jedem gefällt und klar, dass die Art, wie hier Geschichte umgeschrieben wird, nicht jedem Betrachter zusagt. Da es bei der Rachefantasie des amerikanischen Regisseurs vorrangig um deutsche Geschichte handelt, hätten wir erwartet, dass die Kritik aus deutschen Landen schärfer ausfallen würde. Wie wir aber bereits berichteten, sind die Kritiker geradezu euphorisch und begeistert über die Umdichtung unser eigenen Vergangenheit. Aus dem Herkunftsland des Regisseurs, aus den USA dagegen kommen kritische Stimmen.
So ist David Mendelsohn in der newsweek der Meinung, dass Quentin Tarantino mit den doch recht gewalttätigen Rachetaten der Basterds die Juden den Nazis gleichmache. Auch würde der Bruch in der Perspektive – Juden sind Täter statt Opfer – und die überaus gewalttätige Präsentation ihrer Taten zu einer “Bastardisierung der Geschichte” insgesamt führen. Der Filmkritiker Jonathan Rosenbaum setzt da noch einen drauf und meint, der Film sei reaktionär, weil er in gewisser Weise den Holocaust leugnen würde. Der Kritiker kommt zu dem Schluß, dass Quentin Tarantino “das filmische Äquivalent zu Sarah Palin” sei. Das sind nur zwei der wichtigsten Argumente gegen Inglourious Basterds.
Die Reaktion der Kritiker erstaunt, weil es zum einen richtig Spaß macht mit anzusehen, wie einige der Nazis, die nach dem Krieg ihre Uniform ausziehen und sich unters Volk mischen werden, mit (Achtung! Spoiler!) einem Hakenkreuz versehen werden, so dass ihre Gesinnung jedem regelrecht ins Auge springt. Es ist ungemein anregend, darüber nachzudenken, was wäre wenn … Es ist ebenso hochinteressant zu sehen, wie das Kino sich endlich über eine Erinnerungskultur hinwegsetzt, die nur bebildert, was eh in den Lehrbüchern steht oder sie für den Hollywood-Mainstream aufarbeitet. Insofern wird mit der amerikanischen Kritik der Kunst jegliches Möglichkeitsdenken abgesprochen. Wir sollten Inglourious Basterds nehmen, als das, was er ist: Eine fiktionale Rachegeschichte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wer sich noch mehr für das Thema interessiert, dem seien folgende Texte ans Herz gelegt:
- Ekkehard Knörer zur Rachefantasie
- Das filmische Äquivalent zu Sarah Palin in der Berliner Zeitung
- Inglorious Basterds: Tarantino, Trash & Triumph in der Presse
- Jürgen Faut auf about.com
- Eine Zusammenfassung auf auteurs Daily
- Roger Ebert zu Inglorious Basterds
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Kommentare
über US-Kritiker verteufeln Inglourious Basterds
keddschabb Fri, 21 Aug 2009 09:58:44 -0000
Kommentar löschenUnglücklicherweise sind die beiden zitierten Kritiker ausgerechnet ältere Semester jüdischer Herkunft. Sie sind aus verständlichen Gründen befangen; und Mendelsohn wird die Rolle als beruflicher Mahner und Bewahrer der Erinnerung sowieso nicht mehr los. Mendelsohn ist in der Tat einem gefährlichen und mich schon seit "Schindlers Liste" erschreckenden Trend auf der Spur, einem "trend that shows just how fragile memory can be—a series of popular WWII films that disproportionately emphasize armed Jewish heroism (Defiance) and German resistance (Valkyrie, White Rose), or elicit sympathy for German moral confusion (The Reader).", doch halte ich es zumindest für möglich, dass er ausgerechnet den notorischen Trendsetter Tarantino nicht einzuordnen vermag, wegen des Generationenunterschieds und allem. Bei Rosenbaum ist es einfach: Je mehr ein Film nach Popkultur oder "Mainstream" aussieht, umso härter schlägt er normalerweise drauf. Bei Mendelsohn geht es um eine berechtigte Sorge - doch jüdische Stimmen jüngerer Generationen hören sich naturgemäß anders an und sollten das Gesamtbild abrunden: http://www.heebmagazine.com/blog/view/2039/1
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nurleben Fri, 21 Aug 2009 15:52:30 -0000
Antwort löschenDanke für den Background, das Heeb Magazine is in der Tat sympatischer als die alten Männer, nich nur das Review, auch die T-Shirt-Motive sind sehr lollig :D: http://www.heebmagazine.com/shop
Bartivsworld Fri, 21 Aug 2009 07:22:54 -0000
Kommentar löschenMir ist leider sowieso vollkommen suspect, warum Mensch sich wegen eine "Hollywood Streifens" dikreminiert fühlen. Es ist das was es ist ein Film, eine Phantasie... wer es nicht mag soll es nicht gucken und sich um seinen eigenen Kram kümmern. Aber es ist leider immer so, dass Kunst wie Filme, Bücher oder Computerspiele einfach niedergemacht werden, damit einige Leute sich wichtig fühlen können.
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keddschabb Fri, 21 Aug 2009 10:22:44 -0000
Antwort löschenBullshit hoch 10. Bücher, Filme, Lieder waren schon oft genug die Vorposten diskriminierender Ideologien. Da gibt es KEINEN Spalt breit historischen Deutungsspielraum, und wer da Einspruch erhebt, macht sich schnell verdächtig, ein Idiot zu sein! (Die Rolle diskriminierender Literatur z.B. wie etwa "Die Protokolle der Weisen von Zion", "Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" oder "Das Judenthum in der Musik" bei der Pervertierung Hitlers und seiner vielen Millionen Anhänger lässt sich in der Geschichte nur zu gut nachvollziehen. Also seid gefälligst vorsichtig mit diesen Behauptungen!)
Auf einem anderen Blatt steht allerdings, ob dieser Tarantino-"Hollywood Streifen" (sic) oder viele andere Machwerke den Tatbestand der Diskriminerung erfüllen. Meistens tun sie das natürlich nicht und der Vorwurf der Diskriminierung wird auch von vielen Leuten leichtfertiger- bis verantwortungsloserweise genutzt, um sich wichtig zu machen. Insoweit habt Ihr recht.
4LOM Fri, 21 Aug 2009 07:20:03 -0000
Kommentar löscheneinestages über reale "Rachephantasien" im Jahr 1945:
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4733/die_echten_nazi_jaeger.html
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ChristiansFoyer Fri, 21 Aug 2009 07:13:49 -0000
Kommentar löschenSchade eigentlich, dass viele zu so einem kompromisslos durchdachten und radikal umgesetzten 'What if'-Spektakel (immer noch) nicht bereit sind. Dabei macht das amerikanische Westerngenre bis auf wenige moderne Ausnahmen nix anderes, glorifiziert seine Cowboys, deformiert die Kultur der Uramerikaner und macht aus Völkermord Revolverkino.
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Ach was interessieren mich irgendwelche Us-Kritiker... der Film ist einfach nur sau gut und jeder sollte sich davon selber ein Bild machen und nicht auf irgendwelche Banausen hören.
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