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Von der Kunst der Trailer

Früher waren Trailer noch etwas besonderes: Bevor es das Internet gab, musste man ins Kino gehen, um die neuesten Trailer zu sehen. Da gab es dann meistens nur einen Trailer zum Film, der sollte einem Lust machen den Film anzuschauen. Na klar, heute sollen einem Trailer natürlich auch Lust auf den Film machen,sie sind die wichtigste Werbung für den Film. Sind die Trailer gut, gehen viele Leute in den Film. Und sie sind eine echte Kunst, denn einen Trailer zu kreieren, der Lust auf mehr macht aber nicht zu viel verrät, ist nicht so einfach. Die Vorfreude auf einen Film wird zum Teil schon durch die pure Flut an Clips und Vorfilmen erstickt. Es gibt Teaser, die sind 10 Sekunden lang und bestehen nur aus dem Filmtitel, dramatischer Musik und dem Startdatum zum eigentlichen Teaser, Dann kommt der Teaser, dann der erste Trailer, der zweite, 10 verschieden Clips... Da braucht man sich den eigentlichen Film nicht mehr anzuschauen!
Aber was macht denn einen guten Trailer aus? Erst einmal möchte ich auf einen Trailer hinweisen, der mir persönlich sehr gut gefallen hat.

https://www.youtube.com/watch?v=WEbHZXXPJK8

Hier fällt auf: Es wird kaum geredet, dadurch erfährt man so gut wie nichts über die Handlung des Films. Und das ist gut so! Je mehr von der Story gezeigt wird, desto schlimmer. Im Trailer für 10 Cloverfield Lane wird vielleicht etwas zu wenig Information gezeigt, aber besser zu wenig als zu viel. Hier gilt: Weniger ist mehr!
Man sieht, dass John Goodman nichts gutes im Sinn zu haben scheint, man sieht, dass sich die Protagonisten in einer Art Bunker befinden, dass die weibliche Hauptperson fliehen will und, dass sich außerhalb irgendetwas schreckliches zu befinden scheint. Das ist auch alles, was man wissen muss.
Ein weiteres gutes Beispiel ist der Trailer für den Original Alien - Film. Er ist spannend, man ahnt, dass furchtbare Dinge passieren und ganz wichtig: Man sieht nicht das Monster im Trailer! Alien: Covenant hingegen macht das komplett falsch. Hier sieht man das Monster bereits, was die Spannung nimmt. Informationsdefizite sind immer gut, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu gewinnen.
Ebenfalls sehr wichtig ist die Musik. Richtig eingesetzt kann schon die Musik in einem Trailer Spannung aufbauen, beim Beispiel oben unterstreicht die Musik die gezeigten Bilder perfekt, schaut man sich den Trailer zu Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht an, ist die Musik hier ebenfalls perfekt. Man hört altbekannte Star Wars - Musik neu interpretiert. Die Musik ist wunderschön und löst fast schon ein bisschen Nostalgie aus.
Ein Negativbeispiel ist die Musik am Ende des Trailers zum dieses Jahr erscheinenden Mord im Orient Express.

https://www.youtube.com/watch?v=K9Bml-hcIQY

Spult nur mal zu Minute 1:45 und hört euch das an! Diese moderne Musik passt kein Stück zum Setting und zur Atmosphäre des Films! Im ersten Trailer zu Dunkirk sieht man nur die Soldaten und hört dann die Geräusche eines näherkommenden Flugzeuges. Das erzeugt Stimmung, genau, wie wenn man Godzilla oder King Kong im Trailer nicht sieht, sondern nur das bekannte Brüllen hört. Das reicht schon, mehr braucht es nicht!
Und auch mit Geräuschen kann man eine gewisse Stimmung erzeugen.
Die dritte Schwierigkeit ist das Visuelle. Je besser und interessanter ein Film aussieht, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt er. Schlechte CGI-Effekte und auch zu viel CGI können allerdings auch abschrecken, nicht umsonst plädiere ich immer für mehr handgemachte Effekte.
Genauso sollte man aber auch mit generischen Texten aufpassen, die in vielen Trailern zu finden sind. Wir alle kennen diese tiefe, dramatische Stimme aus dem Off, die erklärt, was im Film passiert. Viel besser ist es, wenn die Darsteller selbst erklären, was passiert, wie am Anfang des Watchmen - Trailers, wo Rorschach sagt "Watchmen. One of us died tonight. Somebody knows why. Somebody knows."
Trotz allem Gemecker möchte ich nicht sagen, dass alle Trailer schlecht sind, es gibt viele, die alles richtig machen. Ich liebe Trailer, sie können großartig sein, sie können wunderschön sein und uns Gänsehaut bereiten.

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You can't be a proper writer without a touch of madness, can you?

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