Berlinale-Tagebuch

Von geschlachteten Schafen zu unfertigen Filmen

Berlinale Tag 8
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Berlinale Tag 8

Die Berlinale geht so langsam in die Endphase, nur noch eine Hand voll Wettbewerbsfilme stehen auf dem Programm. Heute sind es sogar nur zwei, dafür warteten in der Retrospektive zwei für mich persönlich absolute Highlights, die dieses Festival bereichern und es so besonders machen.

Subtiler Psycho-Horror in Harmony Lessons
Der Tag startete mit Harmony Lessons – ein Beitrag aus Kasachstan, der jedoch alles andere als Harmonie versprüht. Der 13-jährige Aslan wird in der Schule von den älteren Mitschülern gedemütigt, was allmählich seine Persönlichkeitsstörung offenlegt. Gewalt und Kriminalität sind schon in seinem zarten Alter Alltag: Die Kinder aus den höheren Klassen erpressen von den Jüngeren Schutzgeld und Aslan sieht sich immer weiter ausgegrenzt.

Regisseur Emir Baigazin denkt gar nicht daran, sein Publikum zu schonen. Ganz ohne Dramatisierung fängt er mit seiner stets statisch arbeitenden Kamera nüchtern das Geschehen ein, was seinen Film so beklemmend macht. Bereits in den ersten Minuten werden wir in voller Härte Zeuge einer (realen) Schafsschlachtung. In seinen paradoxerweise durchgehend wunderschön fotografierten Szenen schwingt solch ein zermürbendes Gefühl von subtiler, grausamer Gewalt mit, das einem nur unwohl werden kann. Harmony Lessons fühlt sich wie ein altes Pflaster auf der Haut an, das viel zu langsam abgezogen wird und auch nach der Entfernung noch zu spüren ist. Der ein oder andere mag Schwächen in Sachen Handlungsverlauf und Darsteller einiger Nebencharaktere ausmachen, aber Fakt ist, dass Harmony Lessons in Sachen subtilem Psycho-Horror keiner was vormacht.

Inzwischen schickten wir unseren Berinale-Talk in die nächste Runde. Viel Spaß!

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