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Von wegen Game Over - Spiele zum Film

Inception von Christopher Nolan: Lieber ein Videospiel als ein zweiter Teil?
© Warner Bros.
Inception von Christopher Nolan: Lieber ein Videospiel als ein zweiter Teil?

Ein Ende bedeutet nicht immer, dass die Geschichte tatsächlich aufhört. Das zeigen uns nicht nur die unzähligen Fortsetzungen, die jedes Jahr die Kinos fluten und die Comics, die einige nach sich ziehen, sondern auch die Spielewelt. Gemeint ist nicht „Das Spiel zum Film“, das meist selbst dem hartgesottensten Fan die Eingeweide verknotet, weil es so schlecht ist, sondern Reihen, die in Videospielform weitergeführt werden. Im Prinzip sind sich Videospiele und Filme nicht unähnlich. Beide Medien erzählen Geschichten in bewegten Bildern. Nur während wir Filme relativ passiv konsumieren, haben wir in Videospielen die Chance, ins Geschehen einzugreifen. Für Filmemacher finden sich hier Möglichkeiten, eine Geschichte aus den verschiedensten Blickwinkeln zu erzählen und den Konsumenten aktiv daran teilhaben zu lassen. Diese Möglichkeit wird, neben dem nicht zu ignorierenden finanziellen Reiz, für Hollywood immer interessanter.

Wer braucht schon Teil 2?
Zuletzt machte Christopher Nolan von sich Reden, als er ankündigte, an einem Videospiel zu Inception zu arbeiten. Der Regisseur hat kein sonderliches Interesse an einem zweiten Teil des Blockbusters, kann sich die Geschichte in Spielform jedoch gut vorstellen. „Ich habe mir Inception immer als eine Welt vorgestellt, in der viele Geschichten stattfinden können“, ließ er verlauten. Handlungstechnisch macht es mehr Sinn, Inception in diese Form zu bringen, als einen zweiten Teil auf die Leinwand zu bringen, der für viele die Magie und den Sinn des ersten zerstören würde. Die verschiedenen Traumebenen als Spielumgebung und das Einpflanzen von Ideen in Gedanken sind ein interessantes Spielkonzept, das sich gut als Konsolenversion vorstellen lässt. Wie der Film ließe sich hier ein Balanceakt aus Action, Abenteuer und Puzzel erstellen. Richtig gemacht könnte Inception – The Game ein anspruchsvolles, abwechslungsreiches Spielerlebnis bieten.

Ein Geldesel namens MMORPG
Ende des letzten Jahrtausends läutete Sony mit der Veröffentlichung von Everquest das moderne Zeitalter der Massive Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG) ein, auf dessen Grundkonzept auch heute noch die meisten Spiele dieser Art basieren. Der Erfolg von World of Warcraft, das alle Rekorde sprengte, rückte die Onlinespielewelten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit … und ebenso ins Auge der Filmindustrie. Es treibt immer mehr Filmfranchise in die virtuelle Welt. Der finanzielle Reiz für die Macher liegt darin, dass sich Fans das Spiel nicht nur einmalig etwas kosten lassen, sondern bereit sind, monatlich Gebühren für den Spielspaß zu zahlen. Zusätzlich werden oft weitere kostenpflichtige Erweiterungen hinzugefügt oder es gibt In-Game Shops, in denen der Spieler für seine Charaktere einkaufen kann. Nachdem es schon seit 2007 möglich ist, in die Geschehnisse von Mittelerde vor Der Herr der Ringe: Die Gefährten abzutauchen, schließt sich dieses Jahr Krieg der Sterne mit Star Wars: The Old Republic dem MMORPG-Trend an. Die 54 vorhergehenden Spiele des Franchise waren LucasArts offenbar noch nicht genug. Der neue Titel aus dem Hause BioWare spielt einige Jahrtausende vor den beliebten Filmen und behandelt den Krieg der Republik gegen das Imperium. Der Spieler kann sich hier entscheiden, für welche Seite er kämpfen möchte und sich verschiedenen Klassen anschließen, die sowohl Jedi als auch Sith beinhalten.

Zurück in die Vergangenheit
Auch jenseits der MMORPGs finden sich immer mehr Spieleumsetzungen, häufig von Filmreihen, die schon eine ganze Zeit zurück liegen. Sowohl die Spieltechnik als auch die Filme dieses Trends stammen aus den Achzigern und Neunzigern, in denen schon Indiana Jones mit dem Point’n’Click Adventure Indiana Jones and the Fate of Atlantis vertreten war. Sowohl die Ghostbusters – Die Geisterjäger als auch Marty McFly fanden in den letzten zwei Jahren ihren Weg zurück ins Rampenlicht, als von den Filmen unabhängige Abenteuer veröffentlicht wurden. Gerade Zurück in die Zukunft Fans, die auf eine Rückkehr des schwer kranken Michael J. Fox im De Lorean wohl vergeblich warten dürften, haben so eine Chance auf mehr fantastische Geschichten rund um Doc Brown.

Jeder Klick verändert die Welt
Dem Zombiehype und Telltale Games sei Dank wird es auch eine Umwandlung des Graphic Novel / der TV Serie n/a geben. In diesem wird der Spieler keine der bekannten Figuren lenken, sondern einen neuen Charakter. Fokus ist es nicht, wie bei Left 4 Dead oder Dead Rising, möglichst viele Untote abzuschlachten, sondern Entscheidungen zu treffen, die nicht nur die eigene Moral infrage stellen (Wem helfe ich zu überleben und wen opfere ich?), sondern auch den Spielfluss verändern. Dieser Ansatz ist bereits aus der Reihe Mass Effect vertraut und äußerst erfolgreich, da dies eine für jeden Gamer differenzierte Spielerfahrung garantiert, die sich mit jedem Klick verändert.

Heute gibt es fast zu jedem Film ein entsprechendes Spiel, aber die wenigsten Entwickler und Publisher gehen so weit, ein eigenständiges Werk zu produzieren, das die Geschichte auch tatsächlich in ein Erlebnis und weniger reines Nachspielen verwandelt. Natürlich handelt es sich bei Filmumsetzungen nicht immer gleich um schlechte Spiele, genauso wenig wie freiere Versionen automatisch mehr Spaß machen. Wäre die Formel so simpel, hätte es die Spieleindustrie relativ einfach und wir würden von Videospieleperlen wie Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1 oder den 16 Godzilla – Auskopplungen verschont bleiben. Ein interessanterer Ansatz ist es spielerisch aber auf jeden Fall, daher bleibt zu hoffen, dass dieser in Zukunft positiv genutzt wird.

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen für GamePro.de und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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