Mein Herz für Klassiker

Warum Fletch - Der Troublemaker der beste Chevy Chase-Film ist

Fletch - Der Troublemaker
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An den Kinokassen der 80er Jahre dominierten die Blockbuster: Das Imperium schlägt zurück und Jäger des verlorenen Schatzes waren 1980 und 1981 die erfolgreichsten Filme, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone waren jedes Jahr in einem oder gleich zwei großen Action-Krachern zu sehen. Doch in Zeiten von bombastischen Special Effects (Terminator), opulenten Weltraumschlachten (Die Rückkehr der Jedi-Ritter) und erbarmungslosen Geheimagenten (James Bond 007 - In tödlicher Mission) wurde ein Schauspieler mit kleinen, eher derben Filmen zum Komödien-Superstar: Chevy Chase.

Sein berühmtes Talent für Slapstick zeigte Chase schon als 20-Jähriger in Theaterkursen während seiner College-Zeit. Obwohl er eigentlich die Medizinische Fakultät besuchen wollte, schmiss er sein Studium nach seinem Bachelor-Abschluss 1967. Um nicht vom Militär eingezogen zu werden, täuschte er bei seiner Musterung vor, homosexuelle Tendenzen zu haben, wie er 1989 in der The Pat Sajak Show zugab. Sollte Chase bisher nicht gemerkt haben, dass er auch schauspielerische Qualitäten besitzt, muss es ihm spätestens dann klar geworden sein.

Vom Soldaten-Schwindler zum Komödien-King

Dennoch versuchte sich Chevy Chase zunächst als Autor. Für das beliebte Satiremagazin MAD schrieb er eine Parodie auf die Actionserie Kobra, übernehmen Sie!, die Anfang der 70er Jahre erfolgreich im US-amerikansichen Fernsehen lief. Seine erste feste Anstellung als Comedian hatte Chase 1973 als Radiomoderator der Satireshow The National Lampoon Radio Hour, in der u. a. auch Bill Murray, James Belushi und Harold Ramis mitwirkten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Chase vor allem in verschiedenen Nebenjobs, etwa als Taxifahrer, Kellner, Weinverkäufer, Kinomitarbeiter und Bauarbeiter, gearbeitet.

Von seiner Gabe, sich schnell in neue Themenbereiche einzuarbeiten, konnte Chase auch während seiner Zeit bei der Sketch-Comedyshow Saturday Night Live profitieren. Das New York Magazine kürte ihn 1975 zum lustigsten Mann Amerikas, sodass der Schritt vom Big Apple nach Hollywood unausweichlich schien. Mit den Komödien Eine ganz krumme Tour und Caddyshack - Wahnsinn ohne Handicap (für die er erneut mit seinen Ex-Radiokollegen Murray und Ramis zusammenarbeitete) feierte er Kino-Erfolge. Wie er im Gespräch mit Entertainment Weekly offenbarte, durfte er seine Lieblingsrolle schließlich 1985 spielen: Fletch.

In Fletch - Der Troublemaker mimt Chase den Zeitungsreporter Irwin "Fletch" Fletcher, der gerade in den Recherchen für einen Los Angeles Times-Artikel steckt. Indem er sich als Obdachloser ausgibt, versucht er den Drogenhandel an den Stränden der Stadt offenzulegen. Eines Tages wird er vom reichen Unternehmer Alan Stanwyk (Tim Matheson) angesprochen, der Fletch einen windigen Deal vorschlägt, ohne zu wissen, dass der vermeintliche Junkie ein Journalist ist. Ihm werden von Stanwyk 50.000 Dollar angeboten, wenn er den Geschäftsmann umbringt.

Kino, Klamauk und Kokain

In den folgenden eineinhalb Stunden des Films entspinnt sich eine durchaus beachtenswerte Kriminalgeschichte mit einigen Twists und vereinzelten Actionszenen. Im Kern ist Fletch - Der Troublemaker aber natürlich eine klassische Komödie, durchtränkt von vielen Slapstick-Einlagen und zotigen Wortwitzen. Das perfekte Parkett also für Chase, der gerade in dieser Rolle auf sein bemerkenswert großes Repertoire aus unterschiedlichen Jobs zurückgreifen konnte. Als Undercover-Reporter schlüpft er im Film somit u. a. in die Rolle eines Arztes, Tennislehrers, Versicherungsvertreters, Basketballprofis und Mechanikers. Vieles davon improvisierte er spontan.

So wird Fletch - Der Troublemaker nicht nur zu einer unterhaltsamen Krimikomödie, sondern vor allem zu einem beeindruckenden Portät über das Talent von Chevy Chase. Nicht auszudenken, hätte jemand anderes diese Figur gespielt. Universal Pictures bot die Rolle zuerst Burt Reynolds und Mick Jagger an. Doch erst als die Verantwortlichen Chase aus dem Hut zauberten, zeigte sich Gregory McDonald, Autor der Fletch-Buchreihe, dazu bereit, seine Rechte für eine Verfilmung freizugeben. Dabei war die Arbeit mit dem Comedian zu dieser Zeit sicherlich ein Wagnis, denn Chase hatte Anfang der 80er mit einem Kokain-Problem zu kämpfen.

Ein Herz für Fletch

In einem Interview mit The A.V. Club sagte Tim Matheson über seinen Schauspielkollegen, dass Fletch - Der Troublemaker das allererste Projekt nach der Entziehungskur von Chase gewesen sei. Für viele mag das seine komödiantische Leistung noch besonderer erscheinen lassen, vielleicht wollte Chase aber auch nur zeigen, dass er noch da ist. Es ist ihm gelungen. Der Grimassen-Akrobat und Verkleidungskünstler versprüht in jeder seiner Szenen Zynismus und Sarkasmus in Hülle und Fülle. Mit seinem süffisanten Improvisationstalent entsteht somit eine derbe Gag-Galerie. Natürlich ist das Klamauk, aber es ist dieser spezielle Klamauk, der einem Leslie Nielsen in nichts nachsteht.

Fletch - Der Troublemaker ist dramaturgisch und inszenatorisch sicherlich nicht die beste Komödie der 80er Jahre und es ist auch nicht die finanziell erfolgreichste Komödie von Chevy Chase. Bei Schöne Bescherung und Die schrillen Vier auf Achse klingelten die Kinokassen um einiges häufiger (siehe Box Office Mojo). Dennoch ist die Komödie von 1985 ein ganz besonderer Klassiker, der noch heute viele Herzen höher schlagen lässt. Liebhaber dieser ewigen Perle können es wohl deshalb auch nur begrüßen, dass die seit knapp 13 Jahren geplante Fletch-Neuauflage noch immer in der Produktionshölle schmort.

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