Warum J.J. Abrams eine gute Wahl für Star Wars 9 ist

J.J. Abrams
© Walt Disney
J.J. Abrams
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Allzu lange mussten wir nicht warten, bis Lucasfilm den neuen Regisseur von Star Wars: Episode IX verkündete. Nachdem letzte Woche bekanntgegeben wurde, dass Colin Trevorrow fortan nicht mehr für die Inszenierung des Abschlusses der neuen Trilogie verantwortlich sein wird, wissen wir seit gestern, dass niemand Geringeres als J.J. Abrams seinen Posten übernimmt. Eine denkbar schwierige Aufgabe, immerhin wurden Episode IX schon vor Beginn der Dreharbeiten zahlreiche Stolpersteine in den Weg gelegt, was bereits die ein oder andere Überarbeitung des Drehbuchs zur Folge hatte. Doch nun hat Lucasfilm-Präsidentin einen geraden Strich gezogen, den Kinostart auf den 20.12.2019 aufgeschoben und Chris Terrio als neuen Drehbuchautor engagiert, der ab sofort zusammen mit J.J. Abrams an der Geschichte von Episode IX arbeiten wird.

Eine gute und sichere Investitions seitens Lucasfilm

Bereits Colin Trevorrows Aufstieg zum Episode IX-Regisseur wurde kontrovers diskutiert. Die gestrigen Reaktionen nach Bekanntgabe von J.J. Abrams als Ersatz zeigten jedoch nicht weniger geteilte Meinungen. Auf der einen Seite konnte sich J.J. Abrams vor zwei Jahren eindrucksvoll mit Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht beweisen und das durch die Prequels in Verruf geratene Franchise mit neuem Leben füllen. Auf der anderen Seite wurde seine Arbeit hart kritisiert: Zu viel Nostalgie, zu viel Hommage - letztendlich sei sein Beitrag zum Star Wars-Universum lediglich ein mutloses Remake des ursprünglichen Krieg der Sterne von 1977 gewesen, das auf Nummer sicher geht, um möglichst keinen der zweifelnden Fans zu verschrecken. Dennoch ist J.J. Abrams mindestens eine gute, vielleicht sogar spannende Wahl für Episode IX.

Zuerst einmal wäre da die neue Lucasfilm-Politik, die seit ein paar Monaten hinsichtlich der Regisseurs-Wahl auffällige Veränderungen im Star Wars-Universum zeigt. Wo vor ein paar Jahren noch junge Filmemacher aufgrund ihrer eigenwilligen Visionen angeheuert wurden, markierte spätestens die Umstrukturierung beim kommenden Han Solo-Film den Wendepunkt. Phil Lord und Chris Miller, die sich bisher den Regiestuhl teilten, mussten für den erfahrenen Hollywood-Regisseur Ron Howard Platz machen. Auch die Gerüchte, die kürzlich um den Obi-Wan Kenobi-Film kursierten, wurden gleich mit einem ähnlichen Regie-Kaliber verbunden: Stephen Daldry. J.J. Abrams' Rückkehr zur Reihe verwundert folglich nicht, wenngleich er ein entsprechendes Angebot zuvor noch abgelehnt hatte. Dennoch ist mit ihm jemand an Bord, der die Lucasfilm-Kriterien erfüllt, in diesem System aber trotzdem seine Handschrift zur Geltung bringen kann.

Wenngleich J.J. Abrams nie ein Geheimnis aus seinen Einflüssen (Steven Spielberg und Co.) gemacht hat, konnte er jedem Franchise, in das er bisher involviert war, eine gewisse Frische einhauchen, stets im Bewusstsein der Vorbilder, aber eben auch im Bewusstsein der neuen Dinge, die in Zukunft wichtig werden. So justierte sein Mission: Impossible 3 die Reihe neu und legte mit der Einführung von Michelle Monaghans Figur den Grundstein für eine neue Facette der Agenten-Geschichte, die demnächst ebenso im sechsten Teil zum Tragen kommt. Auch sein Star Trek-Reboot bedient sich offensichtlich vertrauter Motive diverser Weltraumabenteuer, stellt uns jedoch ebenfalls ein unwiderstehlich dynamisches Ensemble vor, das sich aus hervorragend gecasteten Schauspielerinnen und Schauspielern zusammensetzt. Zwei Filme später profitiert Star Trek immer noch von dieser Stärke. Das ist ebenfalls bei Star Wars der Fall.

J.J. Abrams und das Herz der neuen Trilogie

Eine der größten Herausforderungen von Star Wars: Das Erwachen der Macht war der Spagat zwischen zwischen dem Neuen und dem Alten. Nun kann in beide Richtungen argumentiert werden, ob dieser J.J. Abrams gelungen ist oder nicht. Weniger Zweifel besteht dagegen bei den neuen Figuren, die maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass der Film trotz seiner Anleihen an bereits erlebte Sternenkriege ein Eigenleben entfalten konnte. Rey (Daisy Ridley), Finn (Jon Boyega), Poe (Oscar Isaac) und Kylo Ren (Adam Driver) sind ein Glücksgriff in jeder Hinsicht. Sie verkörpern die perfekte Mischung aus Verneigung vor den alten Protagonisten des Weltraummärchens und inspirierenden Helden für die Zukunft des Franchise, das bereits im Dezember mit Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi in die nächste Runde geht und dabei einige gravierende Veränderungen vornehmen wird, wenn wir Regisseur Rian Johnson Glauben schenken dürfen.

J.J. Abrams hat der neuen Trilogie ein Herz verliehen, was gerade im Angesicht der kontrollierenden Augen bei einer solchen Produktion alles andere als selbstverständlich ist. Nun darf er zum ersten Mal in seiner Karriere auf seinem eigenen Fundament aufbauen und eine Geschichte dabei auch beenden. Sowohl seine Filme als auch seine Serien versprühen immer eine gewisse Aufbruchsstimmung und zehren von den Vorzügen eines ersten Kapitels. Mit Episode IX liegt jedoch nun die Aufgabe in seinen Händen, eine große Geschichte zu Ende zu erzählen. Die Last der Franchise-Neukalibrierung mag dieses Mal nicht auf seinen Schultern liegen, dennoch verschwinden die Hürden an diesem Punkt nicht. Besonders knifflig dürfte dabei der Umgang mit dem tragischen Tod von Carrie Fisher und der damit einhergehende Abschied von Prinzessin Leia werden, der intern offenbar jetzt schon für viele Meinungsverschiedenheiten sorgt.

Im Gegensatz zu Das Erwachen der Macht wird J.J. Abrams also Entscheidungen mit Konsequenz treffen müssen, was natürlich stets ein Risiko mit sich bringt. Genau dieses Risiko ist es vielleicht, das Episode IX am Ende zu keinem Remake von Die Rückkehr der Jedi-Ritter werden lässt, wie bereits in den Untiefen des Internets gescherzt wird, sondern in etwas Wagemutiges verwandelt. Erstmals arbeitet J.J. Abrams mit einer fortgeschrittenen Erzählung und kann dabei vor allem an der emotionalen Tiefe feilen. Dass er das kann, hat er bei seinen zuvor erwähnten Mission: Impossible- und Star Trek-Abstechern bewiesen. J.J. Abrams bringt ein ausgesprochenes Gespür für Figuren mit und versteht es, diese mit seiner - für gewöhnlich - prächtigen Inszenierung verschmelzen zu lassen. Alleine wie er Rey dabei beobachtet, wie sie sich ihren Weg durch die Wüste Jakkus bahnt, zeugt von diesem unvergleichlichen Können.

Eine neue Hoffnung auf mehr Eigenständigkeit

Aus handwerklicher Sicht müssen wir uns um Episode IX demnach wohl keine Sorgen mehr machen. Cast und Crew sind ein eingespieltes Team - und das ist bei dem aktuellen Produktionschaos von Episode IX vermutlich Gold wert. J.J. Abrams ist derjenige, der die Nachwuchshelden mit den Veteranen des Franchise zusammengeführt und dabei eine genauso sichere wie natürliche Verbindung geschaffen hat, dass er eine mehr als geeignete Wahl darstellt, um die Geschichte zu Ende zu erzählen. Die große Frage, die bleibt, bezieht sich auf das Drehbuch und J.J. Abrams' Harmonie mit Ko-Autor Chris Terrio, der bisher unter anderem an Argo und Batman v Superman: Dawn of Justice gearbeitet hat. Der Mut zur Eigenständigkeit ist den beiden zu wünschen. Genügend Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen, sollten sie nach der Startverschiebeung haben.

Abseits davon ist J.J. Abrams' Rückkehr - so wenig überraschend sie auf den ersten Blick wirken mag - ein interessanter Schritt seitens des Regisseurs. Als erster Filmemacher, der mit Star Wars aufgewachsen ist, durfte J.J. Abrams einen Star Wars-Film inszenieren. Darüber hinaus hat er inzwischen reichlich Erfahrung mit Lucasfilm und Kathleen Kennedy gesammelt. Dennoch wurden nach der Veröffentlichung von Das Erwachen das Macht diverse Stimmen laut, dass die Zusammenarbeit entgegen dem offiziellen Narrativ nicht ganz so problemlos vonstattenging. Nun hat er sich trotzdem dazu entschlossen, erneut die Mammutaufgabe einer Star Wars-Episode zu stemmen. Vielleicht schwingt in dieser Entscheidung auch die Neugier und der Ehrgeiz mit, dieses Mal die Nostalgie hinter sich zu lassen und sich mutig mit den eigenen Stärken ins Ungewisse zu stürzen.

Glaubt ihr, J.J. Abrams kann Episode IX zufriedenstellend stemmen?

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