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Weeds oder Kiffen & Dealen gegen die Finanzkrise

Ines Walk (Ines Walk), Veröffentlicht am 21.06.2011, 15:50

Eine besondere Qualität von US-Serien ist der bittere Blick auf die Realität. Weeds ist so eine Serie, in der sich wahre Abgründe auftun … die schamlose und schmutzige Variante von Desperate Housewives.

Weeds Weeds © Showtime

Erst kürzlich habe ich Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn schätzen gelernt. Erzählt wird die Geschichte von Nancy Botwin (Mary-Louise Parker), die sich nach dem unerwarteten Tod ihres Ehemanns um ihre zwei Söhne Silas und Shane kümmern muss. Sie hat keinen Job und muss die Hypotheken für ihr Haus abzahlen. In dem vornehmen Vorort von Los Angeles namens Agrestic kommt sie auf die Idee, es mit dem Drogenhandel zu versuchen. Vorzügliches Cannabis ist in der Gegend schnell zu haben und eine rege Käuferschaft gibt es in der Nachbarschaft auch: Wieso also nicht ins Geschäft einsteigen?

Jeder hält die Hand auf
Das Erstaunliche an Weeds ist die Konsequenz, mit der sich eine Mittelklasse-Mutter im harten Geschäft des Drogen-Business durchsetzt und wie ihre Nachbarn sowie Freunde von ihrem Gewinn ebenso profitieren wollen. Da gibt es den Schwager, der aus Faulheit (er hat schon zu viel gekifft) nichts auf die Reihe kriegt, aber mitmachen will; die beste, depressive und nervige Freundin Celia Hodes (Elizabeth Perkins) hält ebenfalls die Hand auf, weil sie Geld braucht, um sich von ihrem Mann zu trennen; der Steuerberater und Stadtrat Doug Wilson (Kevin Nealon) versorgt sie anfangs mit Drogen und steigt dann mit ihr richtig ins große Geschäft ein. Ob Afroamerikaner, Mexikaner oder Kroate, ob Klein- oder Großganove, ob Nachbar oder Freund: Jeder will von dem Kuchen etwas ab haben … aber möglichst, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen.

All das wird mit Blick auf die wohlhabende Mittelklasse mit viel Respektlosigkeit, Schamlosigkeit, Satire und Zynismus erzählt. Denn die kann scheinbar nur existieren, indem andere für ihren Luxus zahlen müssen oder über den Tisch gezogen werden. Am deutlichsten wird das, als die wortwörtliche Scheiße des Nachbarortes von Agrestic per Kanalisation durch den Ort geleitet werden soll. Viel Geld fließt da, um das Projekt in die Wege zu leiten und natürlich lassen sich die Vorort-Mächtigen von einem gutaussehenden Mann mit ein paar Geldscheinen reinlegen, aber als ihre Privilegien beschnitten werden, hört der Spaß auf.

Wahre Abgründe tun sich auf
So manche Vorort-Serie mag ihren Finger auf die Abgründe hinter den sauberen Fassaden halten, aber Weeds ist gerade in dieser Beziehung unschlagbar, geht um einiges weiter. Mütter drangsalieren ihre übergewichtigen Kinder, um sie für die Gesellschaft fit zu machen … mittels Abführmittel, und die schlagen natürlich zurück. Ehemänner sind fürs normale Leben ohne ihre Frauen nicht wirklich tauglich. Jede Wahl zum Elternbeirat in der Schule wird zur Machtprobe zwischen den Frauen. Es lohnt sich, Rabbi zu werden, um dem Militärdienst zu entkommen und wenn es nicht klappt, ist vorgetäuschte Dummheit immer noch ein Grund, aus der Truppe zu fliegen. Weeds zeigt, dass Drogenfahnder auch nur Menschen sind und nach der wahren Liebe suchen und Mütter, die dealen, aber auch vor Mord nicht zurückschrecken. Religiöse Fanatiker schwören zwar Kein Sex vor der Ehe, sind aber jeglichen Drogen nicht abgneigt. Prüderie sieht anders aus.

Alles in allem ist Weeds eine Serie, die das dunkle Amerika zeigt, jenes, in der sich die Mittelklasse immer mehr bedroht sieht und sich gegen diverse Veränderungen, insbesondere die Finanzkrise stemmen muss. Ein jeder muss da seinen eigenen Weg finden: Nancy Botwin in Weeds als Drogendealerin oder etwa Walter Hartwell White (Bryan Cranston), seines Zeichens Chemielehrer in Breaking Bad, der Methamphetamin in bester Qualität herzustellen vermag.


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Kommentare

über Weeds oder Kiffen & Dealen gegen die Finanzkrise


Yvonne_Kol

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Die siebte Staffel hat jedenfalls wieder vielversprechend begonnen!

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CowVirus

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Muss mich den Kritikern anschliessen. Bei kaum einer Serie hatte ich bisher so eindeutig das Gefühl, dass Niveau und Tiefgang gepredigt, aber billigste Witze und Hollywoodkitsch gesoffen werden. Wenn man den Plot liest und sich die Titelmelodie samt Vorspann (nennt man das bei Serien so?) reinzieht, glaubt man dass da nur was richtig gutes kommen kann, aber weit gefehlt. Vielleicht hätte die Serie ihren Stil ja in der treffenden, aber nicht sonderlich scharfsinnigen totalen Überzeichnung der Charaktere, der Handlung und vor allem des Umfelds (kiffende Bürgermeister und manisch kontrollsüchtige Diät-Mütter sind wenig orginell, aber immerhin sicher ins Szene gesetzt) finden können...aber auf der anderen Seite will die Serie auch feinfühlig und intensiv sein, immer mit dem Riecher fürs ganz große Drama und dem Blick aufs ganz große authentische Porträt der amerikanischen Vorstadtgesellschaft....ganz zu schweigen vom Drogenmilieu...und diese Mischung ist gegen Ende der ersten und im Verlauf der zweiten Staffel nurnoch lächerlich.
Mhh...ich glaub das schreib ich so als Kritik bei Weeds hin.

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Elli F.

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WEEDS! Super gut! Aber auch nur bis Staffel 3-4. Nancy wird unerträglich!

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Urle

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Klingt interessant. Da werde ich als Serienjunkie in nächster Zeit mal meinen Blick drüber schweifen lassen.

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Kiba

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Wie gut, dass ich grade heute auf der Suche nach einer neuen Serie bin. Werde ich mir sofort ansehen, der Text macht sehr viel Lust auf mehr :)

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Narrisch

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Sehr treffender Artikel einer mal wieder herausragenden US-Serie.

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BeHelmet

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Weeds wird schon ab der 3. Staffel ziemlich belanglos. Vielleicht sogar noch früher und nur der tolle, immer wieder neu interpretierte Titelsong hat mich dranbleiben lassen.
Außerdem finde ich Mary-Louise Parkers Schauspiel auf eine seltsame Art "schräg".
Ich hatte ständig das Gefühl, sie spielt nicht ihre Rolle, sondern die (Sex-)Symbolfigur, welche die Serie aus ihr gemacht hat.

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macro

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Ich finde ja den Gegensatz Weeds zu Breaking Bad sehr spannend. Weeds kommt in S01-S04 ohne nennenswerte Gewalt daher, zeigt sich dafür aber recht freizügig. Die böse Schwester von Weeds - Breaking Bad ist hingegen beim Thema Naktheit amerikanisch zugeköpft, dafür geht es da bei gezeigter Aggression deutlich zur Sache.
Weeds S05 und S06 lösen sich dann erst vom fluffigen Family-Business und werden härter. Damit gewinnt die Familiengeschichte auch nochmals deutlich.

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guantanamo_jay

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Schwärmt einer meiner besten Kumpels durchgehend von. Geschmackssicherheit kann man ihm eigentlich attestieren, da muss ich dann aber noch andere Besorgungen machen um mich diesem "Mädchenzeugs" hingeben zu können. (© Duffys Dictionary)

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guggenheim

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Totales Mädchenzeugs. Girls sollten eher Comics lesen. Aber das können sie ja auch nicht... ;)

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holden_copperfield

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Wie, wozu die denn?


guggenheim

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Eben! Und mit der Peitsche werden die Spinnweben aus den Ecken geknallt! :D


zouzou

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Fing gut an, fand ich aber enttäuschend. Ich glaub, ich hatte nicht einmal die erste Staffel zuende sehen wollen.

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John.Matrix

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hört sich interessant an,
wird die Serie auch in Deutschland ausgestrahlt?

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LeGrip

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ja, sie läuft noch auf zdfneo: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/interaktiv/1035942/Weeds---Kleine-Deals-unter-Nachbarn#/beitrag/interaktiv/1035942/Weeds---Kleine-Deals-unter-Nachbarn


Falkenfluegel

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ZDF Neo ... die haben sowas von einen an der Klatsche.


Coach T

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Nancy Botwin <3 ;)

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stuforcedyou

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Toller Artikel zu einer tollen Serie. Alleine das Titellied von Melvina Reynolds ist großartig.

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Imagination

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Muss ich auch noch. :/

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Imagination

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Geht es hier auch um erste Male, Liebes- und Beziehungsstress und so called 'Drama'?


Imagination

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Klingt aber immer noch besser als Feverwood oder Parentfood. Wie gesagt, wenn ich mal nichts mehr zu schauen habe...