Kissed By Fire

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 3, Folge 5

Da hat wohl einer den Kopf verloren...
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Da hat wohl einer den Kopf verloren...

Kissed By Fire ist keineswegs eine schlechte Episode von Game of Thrones. Die Halbzeit von Staffel 3 kann das Niveau der vorangegangenen Folge nicht halten, was nach deren Stärke zu verschmerzen ist. Noch dazu beginnt Kissed By Fire mit einem Schwertkampf und endet mit der überrumpelnden Ankündigung einer Doppelheirat. Trotzdem lassen sich die soapigen Elemente nicht verschweigen, die manchem Game of Thrones-Fan eben mehr liegen als anderen. Nach dem grandiosen Finale der letzten Woche schalten die Macher einen Gang zurück, lassen einige vernachlässigte Starks zum Zug bzw. Schuss kommen. Trotzdem sind es die Lannisters, die einmal mehr der Konkurrenz die Show stehlen, allen voran Jaime-Darsteller Nikolaj Coster-Waldau, der in Hollywood-Blockbustern aus unerfindlichen Gründen nur grimmig dreinschauend hinter Tom Cruise stehen darf. Wo geht’s zur Petition, um diesen Missstand zu ändern?

Was passiert: Schwüre bilden das Bindeglied dieser Episode von Game of Thrones, wenn auch nicht alle Figuren entsprechend elegant in den Motivreigen von Kissed By Fire integriert werden. Fangen wir also beim offensichtlichsten an. Jon Snow ist in den Recaps oft Anlass für Scherze, was erstens daran liegt, dass die Figur in ihrer wehleidigen Art dunkle Erinnerungen an einen bebrillte Zauberlehrling weckt. Zum anderen wussten die Autoren in den vergangenen Episoden nicht viel mit dem Neu-Wildling anzufangen. Wie Daenerys in Staffel 2 (und… Jon oft genug in Staffel 2), stand er die meiste Zeit in Einzelszenen in der Einöde herum, bevor er dem Vergessen der jeweiligen Episode anheim fiel. Seine große Liebesszene mit Ygritte (“You know, nothing, Jon Snow!”) soll in dieser Episode den Beweis seiner neuen Loyalitäten und den Bruch seines Schwures für die Night’s Watch liefern. Streng genommen ist es nur eine absehbare Liebesszene ohne hinreichenden Kontext, die in einer kitschigen Grotte samt Miniwasserfall stattfindet. Danach gingen zumindest mir nicht Jons Gewissensbisse durch den Kopf, sondern die Verwunderung darüber, dass die Wildlings lieber in der Kälte bibbern, als Schutz in der offensichtlich hervorragend beheizten Höhle zu suchen.

Anderswo wird das übergreifende Thema dieser Episode ncht weniger subtil, aber sinniger aufgegriffen. Ser Barristan Selmy und Jorah Mormont tauschen sich über die Nachteile der Gefolgschaft gegenüber eines Herrschers (oder einer künftigen Herrscherin) aus. Mormont wird daran erinnert, dass er einmal ausgeschickt wurde, um Dany zu töten (ein gebrochenes Versprechen). Der frühere Lord Commander der Kingsguard dagegen zeigt Bedauern über seine Jahre währende Treue gegenüber dem verrückten König Aerys II Targaryen und dem mangelhaft qualifizierten Robert Baratheon. In Jaimes großem Monolog über die Herkunft seines unrühmlichen Spitznamens findet er sein Gegenstück.

Nicht von ungefähr schwebt der Schatten von Ned Stark über dieser Folge. Mit dem prinzipientreuen Lord aus Winterfell verloren die Serie, Westeros und auch die seiner Bewohne in Staffel 1 jeglichen rechtlichen Halt. Warum überhaupt an so etwas wie einen Schwur halten, wenn die Welt aus den Fugen gerät? Das denkt sich vielleicht auch Beric Dondarrion. Ausgeschickt von Eddard Stark, um den Mountain Gregor Clegane einzufangen, führt er seine eigene Guerilla-Truppe durch die Kriegswirren und plant Neds Tochter für Lösegeld zu verschachern. Der sechs Mal gestorbene Lightning Lord wird dank seines Glaubens an R’hllor, den Lord of Light, vom selben musikalischen Thema begleitet wie Melisandre, was seinem unnatürlichen Weiterleben eine düstere Grundierung verleiht.

Göttlichen Beistand sollten sich vielleicht auch Tyrion und Cersei suchen. Die ganze Episode über versuchen verschiedene Parteien in King’s Landing das zukünftige Schicksal von Sansa Stark zu ihren Gunsten zu wecken. Tyrion ist da noch der unschuldigste. Entsprechend groß ist seine Überraschung als Tywin die Vermählung mit Sansa ankündigt, um den Norden von den machthungrigen Händen der Tyrells fernzuhalten. Cerseis Schadenfreude währt nicht lange. Aus strategischen Gründen soll sie wieder einmal mit einem Mann verheiratet werden, den sie nicht liebt, und ihre Wut über die Entscheidung des Vaters fällt denkbar eindrücklich aus. In zwei früheren Episoden der Staffel wurde die Beziehung von Tyrion und Cersei zu ihrem Vater jeweils in Einzelgesprächen angerissen. In Kissed By Fire zeigt sich die volle Härte der Machtpolitik des Vaters, gegenüber der selbst die Intrigen und Sticheleien unter den Geschwistern verblassen.

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