Game On

Wir schauen Homeland - Staffel 3, Folge 4

Homeland
© Showtime
Homeland

Die ersten drei Folgen von Homeland Staffel 3 wurden nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen. Die einen lamentierten, dass zu wenig geschehe, die nächsten, dass zu viel vom selben geschehe und wieder andere schienen außer der vielerorts verhassten Dana-Story kaum etwas von der Show mitzubekommen. Game On heißt vielversprechend die vierte Folge der Staffel, die ein paar der Kritikpunkte offensiv angeht, in dem sie alles auf eine Twist-Karte setzt. Die einen werden den Agentenplot begrüßen, die anderen sich über die wiederholt lächerlichen Homeland-Wendungen aufregen und die nächsten auf die langsam ins überflüssige abgleitende Dana-Geschichte verweisen. Und alle haben irgendwie recht.

Was passiert: Carrie erwartet die baldige Entlassung aus dem psychiatrischen Klinik, nur um im letzten Moment enttäuscht zu werden. Als Gefahr für die Sicherheit des Landes soll sie in stationärer Behandlung bleiben, egal was ihre Ärzte dazu sagen. Erst dank der mysteriösen Anwaltskanzlei kommt sie frei und schlägt sich ohne Geld und Auto durch, bis sie sich von dem Klienten der Kanzlei, Leland Bennett (Martin Donovan aus Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn), als Beraterin jener Bank anheuern lässt, die das iranische Terrornetzwerk unterstützt, welches hinter dem Anschlag auf die CIA-Gedenkveranstaltung steckt. Denken wir! Denn eigentlich ist alles ganz anders. Carrie und Saul haben sich nicht zerstritten, sondern von langer Hand geplant, die geschasste Analystin in Kontakt mit dem Fußballfan und Drahtzieher des Anschlags zu bringen. Die Überraschung über diese Wendung hätte nur noch dadurch getoppt werden können, dass Carrie von Anfang an tot war und Saul in einer dramatischen Geste seinen Bart abreißt und das Milchbubi-Gesicht von Haley Joel Osment entblößt.

Abgesehen von diesem Drama, das stets in Großbuchstaben geschrieben werden müsste, können wir uns über Danas Badlands – Zerschossene Träume -Hommage freuen, in der sie mit einem jugendlichen Psycho durchs Land kurvt, schlechte Musik hört, Grillen beim Zirpen lauscht und vermutlich bald ahnungslose Leute erschießt. Oder Xanders Hasch-Depot überfällt. Oh, die Möglichkeiten!

Home Sweet Home: Mike ist wieder da! Yay? Es muss schon etwas heißen, wenn die Präsenz des nichtssagendsten TV-Boyfriends seit Riley Finn einem zum Aufatmen bewegt. Beunruhigt über Danas Verschwinden dürstet Jess nach seelischem Beistand und Mike eilt ihr zur Seite. Dass Jess’ Geschichte, subtrahieren wir Danas Eskapaden, zu diesem Zeitpunkt nur noch aus beleidigenden Andeutungen kaum fähigerer Eltern besteht, kann Mike nicht vergessen machen. Seit der großen Aussprache zwischen Dana und ihrer Mutter droht sich die Idee der Autoren, die Konsequenzen von Brodys Taten innerhalb seiner Familie auszuloten, totzulaufen. Das zeigt sich an Danas Flucht mit Leo. Die lässt einem bei jeder Autoszene das schlimmste erwarten (Oh mein Gott, du hast den Weihnachtsmann überfahren!) und wirkt primär wie der angestrengte Versuch, Dana irgendwas zu tun zu geben. Das führt zu erhellenden Szenen wie jener bei der Airbase, von der aus ihr Vater einst in den Irakkrieg zog. Um uninteressantes Suspense-Getöse, namentlich Leo, der seinen Bruder bei einem schiefgelaufenen Selbstmordpakt getötet haben könnte, kommen wir nicht herum. Es mag unfair gegenüber Sam Underwood sein, aber seine bloße Präsenz ist seit Dexter ein schrilles Warnzeichen vor Plotsträngen, die nirgendwo hinführen.

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