The Distance

Wir schauen The Walking Dead - Staffel 5, Folge 11

24.02.2015 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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The Walking Dead - Season 5 Episode 11 Clip The Distance (English) HD
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© AMC
Stille Anführerin: Michonne (Danai Gurira)
Nach dem Cliffhanger der letzten Episode stellt The Distance, die elfte Folge der fünften Staffel von The Walking Dead, die Weichen neu. Wohin verschlägt es Rick und seine Gruppe als nächstes im unerbittlichen Treiben der Zombie-Apokalypse?

Them  fühlte sich vergangene Woche so an, als hätte jemand die 45 Minuten behutsam aus dem übergeordneten Narrativ der fünften Staffel  von The Walking Dead ausgekoppelt und mit einfachen Mitteln eine vollständig geerdete Anekdote aus der Zombie-Apokalypse erzählt. Der Hunger und der Durst waren in dieser Kurzgeschichte regelrecht spürbar. In The Distance haben sich diese grundlegenden Probleme zugunsten der Weiterentwicklung des zentralen Handlungsstrangs in die zweite Reihe gestellt.

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Im Mittelpunkt der elften Episode der aktuellen Runde befindet sich wieder der - oder besser formuliert ein - roter Faden, der ausgehend vom jüngsten Cliffhanger die Welt von The Walking Dead nach dem Ableben von Beth (Emily Kinney) und Tyreese (Chad Coleman) um zwei neue Gesichter erweitert. Eines dieser neuen Gesichter heißt Aaron (Ross Marquand) und stellt sich als (vermeintlicher?) Freund und Verbündeter vor.

Well, it's hard to trust anyone who smiles after getting punched in the face.

Auftritt Maggie (Lauren Cohan) und Sasha (Sonequa Martin-Green): "Hey everyone. This is Aaron. We met him outside." Der Neuankömmling betritt die heruntergekommene Scheune, die der Gruppe als temporärer Zufluchtsort dient, und sieht sich nicht nur mit misstrauischen Blicken, sondern ebenso einer garstigen Willkommensgeste seitens Rick (Andrew Lincoln) konfrontiert. Der Anführer der Überlebenden verpasst dem Fremden einen Schlag ins Gesicht - und was für einen! Dabei wollte Aaron der Gruppe nur ein selbstloses Angebot unterbreiten: Er gehört zu einer "Community", die sich in ein sicheres Paradies zurückgezogen hat; eine Festung, dem Gefängnis oder Woodbury gleichend. Und Ricks Gruppe ist natürlich herzlich eingeladen. Die Karten sowie der grundlegende Konflikt der Episode liegen folglich binnen weniger Sekunden auf dem Tisch und erscheinen so auch nicht zum ersten Mal in der The Walking Dead-Historie. Kein Wunder also, dass das anfängliche Misstrauen nicht gleich in freundschaftliches Händeschütteln umschlägt.

Besonders Ricks Reaktion wandert auf einem schmalen Grat berechnender Vernunft und übermüdetem Wahnsinn. Basierend auf den Erfahrungen zurückliegender Monate des Überlebens traut der einstige Sheriff Aaron kein bisschen und schenkt seinen Versprechungen vom gelobten Land dementsprechend kein Gehör. Ausgerechnet Michonne (Danai Jekesai Gurira), seit geraumer Zeit die stille bis unscheinbare Führungskonstante der Gruppe, setzt sich für den Unbekannten ein, dessen Motive bis zu diesem Zeitpunkt noch gänzlich im Dunkeln liegen: "He seems like an okay guy to me." Problematisch ist nur, dass für Rick diese Sache mit dem Vertrauen trotz Michonnes zuversichtlicher Einschätzung nicht einmal im Geringsten geklärt ist. Auch Aaron weiß bestens Bescheid über die verzwickte Lage und gibt sich sichtlich Mühe zurückhaltend, freundlich sowie respektvoll Überzeugungsarbeit zu leisten, selbst wenn sein Fazit ein ernüchterndes bleibt: "No matter what I say, you're not going to trust me."

Die Problematik ist nicht neu im The Walking Dead-Universum und trotzdem weiß The Distance hinsichtlich der Vertrauensfrage zu überzeugen, da sie von Drehbuchautor Seth Hoffman gekonnt benutzt wird, um frischen Wind in die Gruppendynamik zu bringen. Konkret geraten hier Rick und Michonne aneinander - und mit deren Meinungsunstimmigkeit droht ebenfalls der Zusammenhalt verbleibender Gruppenmitglieder zu zerbrechen. Dem Tenor zufolge scheint Rick allerdings dieses Mal mit seiner Meinung ziemlich alleine - geradezu verkrampft und verzweifelt - dazustehen. Als sich ein Teil der Gruppe schließlich auf den Weg macht, um zu überprüfen, was von Aarons unglaublichen Versprechungen mit der Realität übereinstimmt, übernimmt Michonne endgültig Ricks Rolle. "How many walkers have you killed?", fragt sie Aaron und nimmt dem eigentlichen Alphamännchen somit sogar seine eigenen Worte aus dem Mund.

Befindet sich Rick wieder kurz vor einem Nervenzusammenbruch? Nach all dem, was er seit dem Zerfall der Zivilisation erlebt hat, wäre es nur konsequent, seiner Figur den Moment des absoluten Kontrollverlusts zu gönnen. Schon viel zu lange ist er der obligatorische Held der Serie, nach dem nie jemand gefragt hat, im Grunde vollkommen austauschbar mit jedem anderen Prototyp einer Hauptfigur. Und trotzdem hat sich dieser Rick gewandelt und eine Charakterentwicklung durchgemacht. Sobald er jedoch wieder funktionieren musste, hat Rick seine persönlichen Ecken und Kanten dem Fortgang der Handlung untergeordnet, als würden ihm die Drebuchautoren regelmäßig seiner Persönlichkeit berauben, um das vonstattengehende Treiben in Gang zu halten. Wenn ihm nun allerdings auch noch Michonne seines Führungsanspruches beraubt, befindet sich Rick im freien Fall - und bekommt womöglich genau in diesem freien Fall die Möglichkeit, zu sich selbst zu finden.

Die entscheidende Frage ist dann nur, welcher Rick Grimes am Ende dieser Entwicklung herauskommt. Und vor allem: Ist es der Rick Grimes, den die Welt so dringend braucht, wie es seit einigen Episoden immer wieder in unterschiedlicher Form angeteasert wird? Im weiteren Verlauf der Episode kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung mit Zombies im düsteren Wald, eine wahrhaftig tolle Sequenz! Regisseurin Larysa Kondracki lässt die Nacht im Blut verschwimmen und liefert schaurige Bilder, die einmal mehr den Horror-Aspekt der Serie in vollen Zügen auskosten. Und dann gibt es einen kurzen Blickwechsel zwischen Aaron und Rick, dessen wahnsinniges Gesicht den Eindruck erweckt, soeben mit Martin Sheen der Hölle in Apocalypse Now entkommen zu sein. Auch später dominieren Ricks Augen die Bildoberfläche, wenn er sich vor den Toren der Alexandria Safe Zone befindet. Geräusche spielender Kinder sind zu vernehmen, Erinnerung und Sehnsucht an die alte respektive normale Welt.

Auch ein Funken Hoffnung begleitet diesen Augenblick, der ansonsten von der Angst überschattet wird, dass Aaron, der lobenswerterweise mit seinem Partner Eric (Jordan Woods-Robinson) für mehr Diversität im Ensemble sorgt, die Gruppe in einen weiteren Hinterhalt führt. Hoffentlich lassen sich die kreativen Köpfe im verbleibenden Staffelverlauf nicht dazu verleiten, dieses Szenario erneut durchzuspielen. Nicht zuletzt macht The Distance trotz aller löblichen Aspekte eine erschreckende Erkenntnis einmal wieder mehr als bewusst: der schlampige bis lieblose Umgang mit sämtlichen Nebenfiguren, die gerade nicht im Zeichen eines Subplots agieren - angefangen bei Tara (Alanna Masterson) über Gabriel (Seth Gilliam) bis hin zu Eugene (Josh McDermitt). Oh, und Carl (Chandler Riggs) lebt ja auch noch!

Was bisher geschah:

Staffel 5, Folge 1: No Sanctuary
Staffel 5, Folge 2: Strangers
Staffel 5, Folge 3: Four Walls and a Roof
Staffel 5, Folge 4: Slabtown
Staffel 5, Folge 5: Self Help
Staffel 5, Folge 6: Consumed
Staffel 5, Folge 7: Crossed
Staffel 5, Folge 8: Coda
Staffel 5, Folge 9: What Happened and What's Going to Happen 
Staffel 5, Folge 10: Them 

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