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Zu Besuch bei den Anonymen Van Helsing Opfern

Sonse (Sonja ), Veröffentlicht am 02.02.2013, 08:50

Kennt auch ihr unterdrückte und misshandelte Geschöpfe der Dunkelheit, deren Leiden nicht länger verschwiegen werden dürfen? Der Kommentar der Woche schaut nicht nur hin, er verleiht ihnen eine Stimme und sie haben viel, sehr viel, zu berichten.

"Who's the monster here?" "Who's the monster here?" © moviepilot/Universal

In unserer Rubrik Kommentar der Woche möchten wir eure ektoplasmatisch-literarischen Ergüsse, also eure Kommentare, feiern. Die Voraussetzungen dafür können beinahe alle Kommentare (egal ob für Filme, Serien, Personen, News, oder sonstwelche Wiedergänger), gleichgültig ob markanter Schrei in der Dunkelheit oder ausführliches Gemetzel, ob blutig, pelzig, zum Schreien komisch, mit zu wenig oder zu vielen Körperteilen, erfüllen. Ihr könnt mich per Nachricht gerne gelegentlich auf einen Kommentar, der euch besonders gut gefallen hat bzw. euren absoluten Lieblingskommentar auf moviepilot, hinweisen. Inspirieren lassen wir uns gerne, versprochen wird nix. Bei besonders saftigen Bissen lassen wir uns übrigens auch gerne zu einem ausgedehnten Gemetzel wie dem heutigen überreden…

Der Kommentar der Woche
Sehr verehrte Mitglieder, Damen und Herren, Humanoide und Transhumanoide, hiermit erklären wir die wöchentliche Sitzung der Selbsthilfegruppe gegen das Leiden der Paragesellschaft, “AVO”, für eröffnet. Wir bedanken uns bei moviepilot für die Bereitstellung der Räumlichkeiten des Kommentars der Woche. Wie jede Woche, begrüßen wir auch diesmal einen neuen Leidtragenden in unserer Mitte. Zunächst jedoch eine kurze Rekapitulation unseres letzten Meetings zum Zwecke der Aufarbeitung von Van Helsing. Das Protokoll führte stuforcedyou:

Viele mussten unter „Van Helsing“ leiden. Aber wohl niemand so stark wie Dracula und seine Monsterfreunde. Hier ein Auszug einer Sitzung der AVO (Anonyme VanHelsing Opfer):

Dracula: Hallo, ich bin Graf Dracula und ich war bei „Van Helsing“ dabei.
Gruppe: Hallo Graf Dracula.
Dracula: Es ist nun viele Jahre her, dass mein Name in diesem Film aufgetaucht ist und immer noch habe ich mit den Folgen zu kämpfen. Seit ich in „Van Helsing“ als emotionaler Krüppel dargestellt wurde, nimmt mich niemand mehr ernst. Wisst ihr, alle fragen mich immer, was ich von diesem „Twilight“-Bubi halte, aber die Leute vergessen immer wieder, dass es doch mit „Van Helsing“ anfing. Als der Hype von „Twilght“ aufkam, da war ich doch eh schon am Boden. Was mir Halt gibt ist die Tatsache, dass ich nicht alleine durch diesen Dreck gezogen wurde. Mein Freund Franko, also Frankensteins Monsters, wurde vom Film auch katastrophal dargestellt.
Franko: Das stimmt. Verzeihung. Hallo, mein Name ist Frankensteins Monster, nennt mich aber ruhig Franko. Wie der Graf bin ich auch ein „Van Helsing“-Geschädigter.
Gruppe: Hallo Franko.
Franko: Der Graf hat recht. Mit diesem Film fing es an. Früher brachte man uns noch Ehrfurcht entgegen. Seit „Van Helsing“… na ja, seit dem ist alles anders. Früher liefen die Leute vor mir weg und kamen mit Fackeln und Mistgabel wieder. Heutzutage machen die das nur, wenn man ein Oger ist. Wenn ich irgendwo hingehe läuft keiner weg und wenn, dann nur um sein Fotohandy zu suchen. Kinder finden mich mittlerweile süß. Was soll das denn? Immer wieder bekomme ich zu hören, dass ich auch nur ein Opfer der Gesellschaft bin.
Dracula: Genau. So was macht einen echt fertig.
Franko: Wir sind Monster. Wir sollen Furcht erzeugen. Aber seit „Van Helsing“ ist das vorbei. Früher habe ich Leute ermordet für etwas Brot und Suppe, brauch ich aber nicht mehr. Seit dem ich Werbung für Organspenden mache, habe ich eine Kreditkarte.
Dracula: Eine Kopie von mir macht Werbung für ne Bank. Eine Bank!
Franko: Schreckliche Werbung.
Dracula: Ja, aber weißte welche toll ist? Die neue von Snickers.
Franko: Ja, die ist toll. Ich liebe Aretha.
Dracula: Wer tut das nicht.
Franko: Aber die mit Joan Collins ist auch toll.
Dracula: Die hab ich mal gebissen.
Franko: Nein?
Dracula: Doch, doch. Wie glaubst du, ist die zum Zombie geworden? Durch meinen Biss.
Franko: Du Teufelskerl.
Dracula: Wir weichen vom Thema ab.
Franko: Tut mir leid.
Dracula: Also Franko und ich, wir sehnen uns nach den guten, alten Zeiten zurück. Damals, da ging von mir eine schaurige Erotik aus. Nach „Van Helsing“ war ich Freiwild für die FSK12-Fraktion. Wobei ich Hollywood, bzw. die Filmindustrie nicht pauschal dämonisieren möchte. Hey, es gibt tolle Filme über mich. Gut, ich hab auch schon mal Mini-Mädchen gejagt, aber ich bin ja keine humorlose Kreatur. Zum Ausgleich spielten mich tolle Darsteller wie Lee oder Oldman.
Franko: Mich hat sogar mal Robert DeNiro gespielt und Helena Bonham Carter war seine Braut.
Dracula: Ich wusste gar nicht, dass Tim Burton einen „Frankenstein“-Film inszeniert hatte.
Franko: Du verwechselst da was.
Dracula: Jedenfalls gibt es durchaus tolle Filme mit uns. Nicht alle perfekt, aber keiner schadete unserem Ruf. Keiner.
Franko: Dann kam „Van Helsing“.
Dracula: Der Anfang vom Ende.
Franko: Dieser Film versaute einfach alles.
Dracula: Nachdem ich den Film gesehen hatte, begann ich Drogen zu nehmen.
Franko: Sie nannten ihn den Charlie Sheen der Vampire.
Dracula: Das war hart. Irgendwann hing ich nur noch in meiner Gruft, saugte Junkies und Alkoholiker aus und sah mir Katzenvideos bei YouTube an.
Franko: Mir ging’s auch nicht besser. Plötzlich galt ich missverstandene Kreatur und bekam Carepakete von Nivea gegen meine spröde Haut. Aber meine Haut war nicht spröde, sie war schlaff.
Dracula: Deine Haut ist aber wirklich sehr viel straffer geworden.
Franko: Danke, den Chirurgen hat mit Meg Ryan empfohlen.
Dracula: Die hab ich während ihrer „Schlaflos in Seattle“-Zeit auch mal gebissen. Widerlich süß.
Franko: Wer kommt denn da?
Dracula: Ach ne.
Wolfi: Moin Jungs.
Franko: (räusper)
Wolfi: Ach so. Hallo, mein Name Lawrence Talbot, werde aber nur Wolfi genannt, und ich bin ein Werwolf und auch ich muss unter den Folgen von „Van Helsing“ leiden.
Gruppe: Hallo Wolfi.
Wolfi: Tut mir leid wegen der Verspätung, aber ich musste am Flughafen Überstunden machen. Da kam ne Maschine aus Kolumbien an und da ist eigentlich immer illegale Ware drin.
Dracula: Du wurdest befördert?
Wolfi: Ja, ich bin jetzt nicht mehr für die Inlandsflüge verantwortlich. Okay, anderes Thema. Also… „Van Helsing“… ich glaube meine Kollegen haben bestimmt schon erzählt, wie es ihnen ergangen ist und mir ging es ähnlich. Anfangs dachte ich noch, das legt sich wieder, aber es wurde nur noch schlimmer. Der Film war kein Hit, aber durch die DVD und die ständigen Wiederholungen im TV, war mein Ruf als tödliche Bestie voll im Arsch. Die Leute wollten plötzlich mit mir reden. Einige hatten getrockneten Pansen dabei und ohne es zu wissen, machte ich plötzlich Werbung für Hundefutter, Axe und Hüttenkäse.
Dracula: Also hast du mir den Hüttenkäse-Spott weggeschnappt.
Wolfi: Kann sein. Außerdem arbeite ich als Double für den Bären von Bärenmarke.
Franko: Ach du bist das im Fernsehen.
Wolfi: Nee, meine Szenen haben sie rausgeschnitten.
Franko: Das machen die immer. Voll die Schweine.
Wolfi: Na jedenfalls, war mein Ruf dahin und nein, es war nicht „Twilight“, es war dieser „Van Helsing“, der alles versaut hat… Wer kommt denn da? Entschuldigung?
Mann: Hallo, ich bin Robin Hood und Ridley Scott hat eine realistische Verfilmung von mir gemacht.
Dracula: Falsche Gruppe. Die ist neben den Anonymen Platinum Dunes-Opfern im zweiten Stock.
Mann: Oh, sorry.
Wolfi: Wo war ich gleich?
Dracula: „Twilight“.
Wolfi: Ach ja. Danke. Jedenfalls hab ich nix gegen „Twilight“.
Dracula: Ehrlich, ich liebe „Twilight“. Team Jacob.
Wolfi: Team Edward!
Dracula: Edward? Ich bitte dich.
Franko: Leute, falscher Ort, falsches Thema.
Dracula: „Twilight“-Hate ist so erbärmlich.
Franko: Ich bin kein Hater. Ich finde nur, dass die Figuren sträflich untervögelt sind.
Wolfi: Du bist nur neidisch, weil dein Monstertyp nicht vorkommt.
Franko: Also der Pattinson sieht aus wie ich mit 12.
Dracula: Das stimmt. Ich hab Kinderfotos von dir gesehen.
Franko: Damals hab ich die Leiche in „Stand by me“ gespielt. Wurde aber auch geschnitten.
Dracula: Scheiß Industrie.
Wolfi: Gut. Also ich glaube ich spreche für Dracula und Franko, wenn ich sage, dass uns „Van Helsing“ unseren Ruf versaut hat. Wir kämpfen Tag für Tag dafür, dass aus uns wieder echte Monster werden, aber es klappt nicht.
Franko: Es ist ein harter Kampf. Selbst früher, als diese Serie „The Munsters“ lief, hatten wir kein so großes Problem mit unserem Ruf.
Dracula: Ich liebe „The Munsters“.
Wolfi: Die sind awesome.
Franko: Tja, wir hätten diesen Film, diesen „Van Helsing“, aufhalten sollen. Wir hätten Hugh Jackman töten sollen.
Dracula: Aber dann hätten wir seine Oscar-Moderation verpasst.
Franko: Das ist ein Argument. Seine Musicalnummer war einfach spitze.
Wolfi: Ich will ja unbedingt in „Tanz der Vampire“.
Dracula: Ist okay. Ich geh morgen Abend in „Dirty Dancing“.
Franko: Davon gibt’s ein Musical?
Dracula: Ja, das soll großartig sein.
Wolfi: Wir sind schon irgendwie echt Pussys, was?
Franko: Ich hatte mal eine. Ist mir aber weggefault.
Wolfi: Bitte keine Details.
Franko: Es gibt Teile an mir, die muss ich regelmäßig ersetzen. Ehrlich, wenn ihr mir ne schwarze Perücke aufsetzen würdet, würde ich als Cher durchgehen.
Dracula: Meine Herren, ich glaube wir müssen uns eingestehen, dass unsere Zeit vorbei ist. Neue, abscheulichere Wesen haben die Macht an sich gerissen.
Wolfi: Leider.
Franko: Wer denn?
Dracula: Ingo Lenßen, Frauke Ludowig, Jörg Pilawa, Mario Barth, Cindy aus der Hölle.
Franko: Vielleicht hast du recht. Vielleicht sind wir einfach zu zahm geworden.
Wolfi: Vielen Dank „Van Helsing“.
Franko: Vielen Dank Hugh Jackman.
Dracula: Vielen Dank Kate Beckinsale. Da fällt mir ein, die hab ich auch schon gebissen.
Franko: Uh, du Glückspilz. Und, wie war es?
Dracula: Tja, leider war sie schon Tod.
Wolfi: Das erklärt zumindest ihre Filmographie.
Dracula: He. In der Tat. Okay, danke fürs Zuhören. Dank dieser Gruppe bin ich zumindest von den Drogen weg.
Franko: War bestimmt hart.
Dracula: Nö. Ich bin nur von der Betty Ford Klinik weggezogen.
Wolfi: Na dann. Ich wünsch uns alles Gute.
Dracula: Ich versuch meinen Monster-Status als Moderator von Call-in-Shows wieder aufzubauen. Vielleicht hilft mir ja der Hot Button?
Wolfi: Nette Idee. Aber dann musst du auf dasselbe Level wie dieser „Big Brother“-Jürgen.
Dracula: Ach so. Nee, dann lieber nicht. Lieber geh ich auf die Sonnenbank.
Franko: Glitzerst du dann auch?
Wolfi: Haha.
Dracula: Ist doch echt scheiße.
Franko: Noch nie hat jemand „Van Helsing“ in einem Satz so treffend beschrieben.
Dracula: Na wenigstens etwas.

Den Kommentar findet ihr übrigens hier.


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